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Itchy Feet

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Und wie ist es nun wieder daheim?

Die erste Frage ist immer wie’s war. Dann frage ich „ Hast du mal mehr als zehn Minuten Zeit? Was hast DU in den letzten 1 ½ Jahren gemacht?“ Da lachen sie und geben mir Recht.

Die zweite Frage ist dann die, wie ich mich zu Hause wieder eingelebt habe. Die ersten paar Wochen waren ein Mix aus Gefühlschaos, Freude, Nicht loslassen wollen und vor allem Kulturschock. Froh darüber, dass mich Freunde und Familie so liebenswürdig aufgefangen und mir gezeigt haben, dass sie mich vermisst haben. Schockiert über den Tagesablauf und das Leben in der europäischen, vor allem deutschen Gesellschaft. Ein jeder rennt zur Arbeit,  zur U-Bahn, zum Supermarkt, zum Arzt. Sie sagen sie möchten einen gewissen Standard leben, eine nette Wohnung, ein voller Kühlschrank, schicke Möbel, die neueste Mode, Restaurantbesuche, Kino und Urlaub. Ich muss zugeben, dass mir mein eigenes Bett superheilig ist. Nirgends schläft man besser. Und auch ein voller Kühlschrank lässt meine Freudenhormone Purzelbäume schlagen. Aber ich habe gesehen, dass ich auch anders kann und trotzdem glücklich dabei bin.

Meinen Lebensstil, den ich während der Reise durch Südamerika hatte, wollte ich mit nach Deutschland bringen, zumindest Kleinigkeiten in den Alltag einbauen. Doch es fing nach drei Tagen bei den Klamotten an: Statt Leggins und XXL-Schlabber-T-Shirts mit Bikini stand ich plötzlich vor einem mega vollen Kleiderschrank.  Geblieben ist der Bikini. Den trage ich auch noch bei zehn Grad statt Unterwäsche.  10 dicke Winterpullies, 10 Jeanshosen, 30 T-Shirts und noch mehr kamen aus meinem Kleiderschrnak hervor( und womöglich noch mehr!). Wahnsinn! Am nächsten Tag reduzierte ich erstmal auf die Hälfte. Und immer noch bin ich überfordert. Einfach zu viel Auswahl. Das muss doch nicht sein. Es geht immerhin auch anders.

Schminken wollte ich mich nicht mehr. Jetzt, nach drei Monaten trage ich wieder Wimpertusche. Bei Puder bleibe ich weitestgehend noch hart. Warum überhaupt Make-Up??? Weils schöner aussieht und Schönheit gerade hier in München wichtig ist.

Ein jeder hier(außer mir) besitzt ein Auto. Mit 18 bekommen die meisten das eigene Erste. Daweil hat München und Umgebung ein tolles Öffentliches Verkehrsnetz. Warum also? Weils bequem ist und zum Lebensstatus dazu gehört.

Es sind Kleinigkeiten, auf die ich 1 ½ Jahre locker verzichten konnte und plötzlich wieder in Frage stelle.

Keine Nahrung mehr aus Massenproduktion und Kleidung am liebsten nur noch Fairtrade. Von Fabriken, die Ihre Mitarbeiter gerecht bezahlen, menschenwürdig behandeln und Kinderarbeit kontrollieren und im Rahmen halten(ohne die Mitarbeit der Kinder könnten viele Familien nicht überleben) Aber so einfach sich meine Pläne anhören, in der Umsetzung hapert es gewaltig. Obst und Gemüse aus der Region und Saisongemäß, zum Schutze der Umwelt. Aber was ist dann mit den Bananen- und Ananasbauern aus Asien und Südamerika? Fair gehandeltes Obst aus Entwicklungsländern gibt es leider nicht an jeder Ecke.

Doch ich versuche weiterhin, gewonnene Erfahrungen in meinen Alltag in Deutschland zu setzen. Es klappt auch, mit Willen und Akzeptanz zu Hause.

 

Ich ziehe nun erstmal raus aus der Großstadt, zum Studieren aufs Land. Das sind die nächsten 4 Jahre. Dazwischen wird es immer wieder mal für ein paar Wochen in die weite Welt gehen.  Denn worüber ich vor meiner Rückkehr gerätselt habe, steht nun fest: Statt mir bereits ein Heim in Form eines Selbstversorgerhofes aufzubauen, um mich von den Machenschaften korrupter Politiker abzukapslen, möchte ich mehr und mehr und noch mehr Erfahrungen sammeln und Lebensstile kennenlernen. Vor allem aber möchte ich nichtmehr in das deutsche EAT WORK CONSUM REPEAT verfallen.

LIFE IS, WHAT HAPPENS WHILE MAKING PLANS und man hat schließlich nur eins!

 

Daher: Nächstes Ziel: Indien!

24.8.14 12:15


Die Schokolüge. Warum Kolumbien Rekordexporteur ist, aber ohne Schokolade leben muss

Ich befinde mich auf 300 Metern über dem Meeresspiegel auf einer schattigen, kühlen Kakaofarm an der sonst so tropischen Karibikküste. Schon immer wollte ich wissen, in welchen Schritten meine Kinderriegel und Schokobons ins Regal gelangen.

Wir starten unsere Tour mit der Überraschung, dass man die Bohnen einer reifen Kakaofrucht essen kann. Sie schmecken gut, sehr gut sogar. Zuckersüß, aber bei weitem noch nicht nach Schokolade.

Ich frage, warum Kolumbien den besten Kakao weltweit produziert, in den Supermärkten vor Ort jedoch nur Schokolade aus dem Ausland zu finden ist (Lindt, Kinder, Ferrero etc.). „Europa, Japan und die USA sind so verrückt nach unserem Kakao, da bleibt für uns fast nichts übrig!“

„Fast“ ist gut gemeint. Weder auf den Straßen, noch auf Märkten findet man Schokolade aus echtem Kakao.

 

Mit dem Kakao ist es fast wie mit dem Kaffee, die Früchte werden geerntet, Bohnen ausgelesen, getrocknet, geröstet und anschließend gemahlen. Und tatsächlich bekommt die Kakaobohne, wie auch die Kaffeebohne ihren kakaoigen Geschmack erst während des Röstens über offenem Feuer.

 

Der edelste und teuerste Kakao ist der der weißen Kakaobohne. „Weißer Kakao ist viermal so teuer wie dunkler“, erklärt uns Maria, die Besitzerin der Kakaofarm.

„Und warum kostet dann die Tafel weiße Schokolade im Supermarkt genauso viel wie die dunkle?“, frage ich. „Weil in dieser Billigschokolade kaum echter Kakao steckt. Ein bisschen Kakaobutter vielleicht. Da handelt es sich um eine Mischung aus Zucker, Milch, Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen. Mit Schokolade hat das eigentlich nichts zu tun.“

In mir bricht eine Welt zusammen; Milka, Ritter Sport oder Kinder soll gar keine Schokolade sein? Ich bin süchtig danach, für „Schokolade“ würde ich alles tun.

Das Problem: Die Schokolade aus richtigem Kakao ist mir zu bitter.

 

Während wir unsere Tour beenden, grüble und grüble ich, wie man mir jahrelang einen Bären aufgebunden hat.  Zum Abschluss gibt es noch eine Tasse echte heiße Schokolade mit (zum Glück) viel Zucker und eine Tüte mit echten Schokoriegeln. Auch hier wurde genug Zucker unter gemischt, um den herben Geschmack zu überdecken.

Und was man allgemein von Schokolade behauptet, trifft bei dieser bio-handmade-Schokolade tatsächlich zu. Sie macht glücklich. Wir fühlen uns gut, sind bereit, die höchsten Berge zu besteigen und fühlen uns ein bisschen wie auf verrückten Drogen. Wir albern herum, lachen und könnten Bäume entwurzeln.

„Es sind die Vitamine der Kakaobohne, die dem Körper für kurze Zeit so viel Energie und Lebensfreude geben“, erklärt uns Maria zum Abschied.

 

Gut gelaunt machen wir uns auf den Rückweg und ich überlege, ab sofort keine Fake-Schokolade aka „die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt“ mehr zu kaufen, aber bereits der Gedanke daran klingt lächerlich und die Idee wird verworfen, bevor sie noch richtig entstanden ist. Denn wer mich kennt, der weiß, dass ich es ohne dieses Zucker-Milch-Gemisch keinen Tag aushalten würde… ;-)

 

Später forsche ich im Internet und tatsächlich enthält unsere Billigschokolade  2,5% oder weniger Kako. Und dieser Kakao kommt von Farmen, deren Arbeiter abgezockt, schlecht behandelt und ungenügend bezahlt werden. Kinder arbeiten sowieso mit für diesen Kakao.

Nun verarbeitet also zum Beispiel Ferrero diesen billig gekauften Kakao und exportiert seine Produkte wieder nach Kolumbien. Die Menschen dort unterstützen also die Abzocke und menschenunwürdige Behandlung der eigenen Landsleute.Aber was bleibt Ihnen anderes übrig? Der Großteil der Kakaoernten geht eben direkt ins Ausland...

Ich werde meinen Plan, weiterhin Discounterschokolade zu kaufen, wohl nochmal überdenken müssen

20.3.14 03:51


Afrikaner in Kolumbien, Land und Leute und warum ich Touristen nicht immer toll finde

Nuqui, dazu findet man im Internet nur spärliche Informationen. Es soll ein paar Vollpension-Eco-Lodges geben und als kostspieliges, aber wahrhaftes Paradies an der Küste des Pazifiks gelten. Von Hostels oder Familienunterkünften ist nicht die Rede. Und je mehr ich suche, auf umso mehr Vollpension-Hotels stoße ich.

Strom gibt es in Nuqui –anscheinend- volle vier Stunden, Handys könne man zu Hause, bzw. in der Zivilisation lassen. Wasser kommt direkt aus dem Fluss in den Hahn und die „Öffentlichen“ bestehen aus einem Boot, das zweimal am Tag von Dock zu Dock, bzw. Ort zu Ort fährt. Straßenverbindungen würde es dort nicht geben.

Schon die Anreise lässt auf Abenteuer hoffen: Eine Straße zum Rest Kolumbiens gibt es nicht, viermal die Woche fliegen kleine Passagierflugzeuge den Küstenort an. Von der nächsten großen Hafenstadt aus kann man Nuqui in 12 Stunden auf einem Frachtschiff erreichen. Das fährt wann es will.

Laut Internet (in Reiseführern oder Traveller-Portalen ist nichts zu finden, nichtmal Einheimische kennen dieses „Nuqui&ldquo erwartet mich dichter Urwald, der direkt an endlos lange Pazifikstrände grenzt. Pflanzen aller möglicher Größen und Farben und Unmengen an Tieren. Dazwischen, gut versteckt, heiße Quellen, kristallklare Flüsse und Wasserfälle zum Baden.

Am Ende meiner Recherche stoße ich dann doch noch auf den Reise-Blog eines Backpackers. Viel steht auch da nicht drin, aber ich habe jetzt zumindest mal zwei Anhaltspunkte:

Ein alter Fischer, Juan Maria, hilft wo er nur kann – aka Touristeninfo UND Jacky, eine gutmütige Frau, die in einer Nachbarsgemeinde „Arusi“ Zimmer in ihrem Haus vermietet. Nur weiß ich nicht, ob und wie man diese Gemeinde erreichen kann…

Auf geht’s!

 

Randinfo: zwischen 20° und 31° Celsius, 88% -  95% Luftfeuchtigkeit; Windstärke 5 km/h, während eines Sturms 11 km/h

 

Am Ende kam natürlich alles anders als „geplant“. Ich habe weder Juan Maria noch Jacky getroffen und bin gar nicht bis nach Arusi vorgedrungen.

Stattdessen bin ich in einer von afrikanischen Sklaven abstammenden, liebenswürdigen Familie untergekommen und bin lediglich bis zum Nachbarsort „Termales“ gefahren.

Aber der Reihe nach:

 

Tag 1:

Am Flughafen in Medellin habe ich noch ein Reisebüro aufgesucht, in der Hoffnung, vllt doch noch ein paar hilfreiche Informationen über Nuqui, Arusi und seine Umgebung zu bekommen. Aber mehr als „das ist das Paradies auf Erden“ konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Zumindest haben sie mir nicht davon abgeraten, ohne Hotelreservierung zu fliegen. Kann also nicht allzu dramatisch werden.

In einem 16ner Passagierflugzeug geht es los. Über die Millionen Backsteindächer Medellins in 45 Minuten an die Regenwaldküste des Pazifiks. Es regnet leicht, als wir ankommen, aber das gehört in dieser Jahreszeit einfach dazu Dafür ist es Dank des Regens nicht allzu schwül und Moskitos bleiben auch fern.

Am „Flughafen“ in Nuqui –einer einfach Lagerhalle- werde ich von ein paar Burschen in Empfang genommen. Sie stellen sich als Guide zu Verfügung, um sich ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Allerdings gehen sie wie selbstverständlich mit dir mit, statt von dir darum gebeten zu werden.

So lande ich im Haus einer überaus netten Familie und habe ein Zimmer, dessen Wände nicht ganz ans Dach reichen, mit einem Doppelbett, Tisch und Moskitonetz. Wirklich simpel, aber lieber das und traditionell familiär, als eine dieser Eco-Lodges.

Nachmittags spaziere ich mit „meinem Guide“ durch den Ort. Viel reden tut er nicht, aber er fühlt sich verpflichtet für die umgerechnet zwei Euro, die ich ihm für seine Hilfe gegeben habe.

Hier in Nuqui spielt sich das Leben –wie in so vielen südamerikanischen Dörfern- auf der Straße ab. Frauen sitzen in Stühlen im Kreis, waschen hinterm Haus das Geschirr oder die Wäsche ab, Kinder spielen im Schlamm (vorliebend in weißen Kleidchen und Hemdchen) und Männer relaxen zusammen auf der Veranda. Ich laufe an einem Laden vorbei, der Obst, Gemüse, Plastikschüsseln und ein paar bunte Besen um das kleine Verkaufsfenster gestapelt hat. Zwischen den knalligen Farben lächeln mir ein paar weiße hübsche Zahnreihen in einem rundem, zufriedenem und faltenfreiem schokofarbenem Gesicht entgegen. Es ist einer dieser Momente, von denen man sofort ein Foto schießen möchte, eines dieser Bilder, die tatsächlich irgendwie die Stimmung der Umgebung, der Situation wiedergeben. Auch die vielen kleinen Kinder würde ich am liebsten alle festhalten. Aber aus irgendeinem Grund traue ich mich nicht zu fragen. Vielleicht, weil es einfach zu einzigartige Momente sind.

 

Nach einer Weile kommen wir in eine Straße –sie nennen es die Straße der Eingeborenen. Häuser sind aus Holz und auf Stelzen gebaut und zwischen den Hütten führen Stege entlang, zusammen genagelt aus morschen Brettern. Das ganze Viertel scheint auf dem Fluss gebaut zu sein, denn die Stelzen stehen mehr oder weniger im Wasser. Ich schieße hier und da ein paar Bilder, als mir plötzlich eine Frau mittleren Alters entgegen kommt, kurze Hose, abgelaufene Sandalen, ein Baby im Arm und einen knallgrünen Haargummi Made in China im Zopf. Doch sie trägt weder T-Shirt noch BH! Oben ohne spaziert sie so durch die Straßen, grüßt die Nachbarn und lächelt mir freundlich und interessiert zu. Ich lächle zurück, wende meinen Blick dann jedoch ab, zu verwirrt, zwischen all den Frauen in hübschen, westlichen Klamotten eine Eingeborene zu treffen, wie wir es uns nur aus Afrika vorstellen.

Die meisten Kolumbianer habe ich bisher als sehr europäisch empfunden, stammen doch auch hier viele von spanischen oder deutschen Familien ab. Nur dass sie im Gegensatz zu Großstädtern durch die Sonne braungebrannt sind.

In Nuqui scheinen sie alle afrikanischen Ursprungs zu sein und tatsächlich stammt die komplette Küstenbevölkerung Kolumbiens aus Afrika ab.

 

Abends sitze ich mit den Mädchen des Hauses auf der Veranda, sie sind meinen Alters (23), haben jedoch schon alle ein dreijähriges Kind. Wir unterhalten uns über die Unterschiede zwischen Deutschland und Kolumbien, oder besser gesagt zwischen Deutschland und Nuqui, denn selbst zwischen dem kleinen Dorf und dem Rest des Landes liegen Welten.

Heute Morgen bin ich noch Metro gefahren und habe die pechschwarzen Abgase der Stadtbusse verflucht, sitze ich jetzt in einem 8000 Seelen Dorf, das weitaus kleiner erscheint. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass hier viele Menschen auf engem Raum zusammen leben.

Es gibt im ganzen Dorf – laut meinem 16-jährigen Guide – zwei Autos, drei Mototaxis und neun private Mopeds. Einen Traktor habe ich am Straßenrand stehen sehen.

 

Was die Information anbelangt, was es in der Nähe zu sehen gibt, bin ich immer noch nicht wirklich schlauer. Ohne Mappe und Orientierung kann ich die ganzen wunderschönen Strände und Wasserfälle überhaupt nicht unterscheiden oder zuordnen, hört sich von den Einheimischen doch alles so logisch und simpel an…

 

Tag 2:

Mein Guide paddelt mich in einem wackligen Einbaumboot ein Stück den Fluss hinauf, wir baden im seichten Wasser und fahren wieder zurück. Morgen fahre ich in den Ort Arusi weiter, bei unserer Verabschiedung sagt er mir: „Zeig deinen Freunden dort draußen die Bilder und erzähle Ihnen von dem tollen Ort hier und kommt im August zurück, dann kann ich euch zu den Walen raus bringen.“ Er sagt das mit einer Selbstverständlichkeit, als ob ich im Nachbarort nur 20 Minuten weiter entfernt leben würde. „Und bring alle deine Freunde mit!“

Es scheint mir, als würde er nicht verstehen, wie wunderbar geheimnisvoll und magisch sein zu Hause ist und dass man alles daran setzen sollte, den Massentourismus möglichst lange entfernt zu halten. Aber wie soll man das einem 16-Jährigen erklären, der von eben diesen Touristen von schnellen Autos, hohen Häusern, Einkaufszentren voller Sportartikel, Fußballarenen und den neuesten Handys zu hören bekommt? Natürlich ist es sein Traum, diese große Welt kennen zu lernen. (Wessen Traum ist das nicht?) Aber das kann er nur, wenn er hier gut verdient.

Ich schimpfe quasi über mich selber. Aber es gibt Orte, die werden -auf lange Zeit gesehen- von Touristen zerstört, statt unterstützt. Um diesen Ort so zu halten, wie er ist, müsste man meiner Meinung nach den Einflug von Touristen verbieten…

Ich erzähle ihm noch, dass selbst für uns Ausländer eine Reise hierher nicht recht günstig ist. Ich kläre ihn über die hohen Flugkosten von Europa nach Kolumbien auf und darüber, dass wir zwar – im Vergleich gesehen – viel mehr verdienen, aber auch höhere Lebenskosten haben. Er macht große Augen, aber ob er es wirklich versteht, bezweifle ich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass er davon ausgeht –oder es ihm so beigebracht würde- dass alle Touristen die Taschen voller Geld haben.

In gewisser Weise stimmt das ja auch, aber deswegen schmeißen wir noch lange nicht damit um uns.

 

Ein Kolumbianer hat mir mal Folgendes erklärt: Es gibt einen Ort. Klein, traditionell, friedlich, schön gelegen, aber gut versteckt. Ein Ort, in dem sich Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. Die ersten Touristen lassen es den Einheimischen gut gehen, sie bringen Geld in die Familien. Doch irgendwann kommen Ausländer, die Grundstücke kaufen, Hotels und Restaurants bauen, internationales und damit mehrsprachiges Personal einstellen und so noch mehr Touristen anziehen. Diese kommen mit ihren Computern, Handys, High-Tech-Kameras und wertvollen Armbanduren. Zuvor hat all das niemand in dem bisher so friedlichem Dorf gebraucht, doch vor allem lokale Jugendliche werden neugierig, wollen all den Schnick-Schnack auch haben, können es sich aber nicht leisten und fangen zu stehlen an. So werden nach und nach aus friedlichen Paradiesen abgestumpfte Touristenhochburgen, deren Erträge in die Taschen der europäischen Hotels geht, statt in die eingeborenen Familien.

So kommt es dann auch, dass die Zentren eines jeden Dorfes oder einer jeden Stadt schön gepflegt sind und als sicher gelten; sobald man jedoch außerhalb dieser Viertel kommt, reihen sich Armut an Alkohol und Drogen und Diebstähle liegen an der Tagesordnung.

Letztere sind in Kolumbien trotz der verbesserten Sicherheitslage noch immer keine Seltenheit. In fast jedem Hostel, in dem ich untergekommen bin, wurden pro Woche ein bis zwei, manchmal sogar drei oder vier Gruppen auf der Straße überfallen und ausgeraubt. Teilweise wurden sie sogar mit Messern bedroht.

 

Tag 3:

Mein Boot nach Arusi bringt mich nur bis nach Termales, eine Häuserreihe direkt am Strand ein Stückchen vor Arusi. Schon der Strand und der angrenzende Dschungel sind atemberaubend schön. Kilometer über Kilometer dunkelbrauner Sand, dahinter mischen sich Kokosnusspalmen mit Bananenstauden, Mangrovenbäumen, meterhohen Gräsern, Lianen und einer Vielzahl an unterschiedlichsten Blattbäumen. Und noch weiter dahinter erheben sich  erst kleine und dann immer höher werdende Berge, bedeckt von dichtem Regenwald.

All das strahlt in einem sagenhaften kräftigen Grün. Hier und da liegen unter den Palmen ein paar Einbaumboote, aber das war‘s auch schon. Der Strand ist menschenleer. Ich laufe ein Stück in Richtung eines im Meer liegenden, dicht bewachsenen Berges – sie nennen es den Terco- und höre links das Rauschen der Wellen und rechts das ebenso laute Zirpen, Zwitschern und Kreischen des Dschungels. Es ist unglaublich! Etwas, das man in Worten nicht beschreiben kann.

Nach einer Weile komme ich an besagtem Berg an und will eigentlich schon wieder umdrehen, als ich auf der zum Strand gewandten Seite einen Eingang entdecke. Zwischen den dichten Bäumen führen ein paar morsche und mit Moos bewachsene Treppen nach oben. Drei Meter weit kann ich sehen, wo sie hinführen, dann verschwimmt alles zu einem Mix aus Grün und Braun. Ich trete näher heran und begutachte die Treppe. Das Geländer, mit Seilen von Pfosten zu Pfosten gebunden, ist überwuchert von Moos und an einigen Stellen wachsen sogar kleine Pflanzen heraus! Die Stufen durchnässt von der Feuchtigkeit, teilweise entzwei gespalten und an den Rändern moosverhangen. Ich bin neugierig und wage die ersten Stufen barfuß wie ich bin nach oben. Ich passe auf, wo ich hintrete und hänge mir mein Strandtuch über den Kopf. Wer weiß, was hier so alles von den Bäumen fällt.

An der letzten Stufe angekommen stehe ich neben einem halb zerfallenen Haus, dessen Fenster mit Brettern zugenagelt sind. Vor mir beginnt eine schmale Brücke und endet vor einer nächsten Treppe. Weiter oben sehe ich ein paar ehemals blaue, aber nun mit Kletterpflanzen zu gewucherte Wassertanks. Um mich herum zirpt und zwitschert es und hier und da sehe ich kleine Mückenschwärme in der Luft umherkreisen. Ich überlege, ob ich weiter soll, nur noch die eine Treppe hinauf. Nicht, dass ich irgendwo einbreche oder gar noch privates Grundstück betrete. Diese Region soll stellenweise noch von Guerilla besetzt sein…

Ich komme mir wie das Team aus Jurassic Park vor, die in irgendeinem Teil auf eine verlassene Forschungsstation treffen. Hier war mal Leben, in gewisser Weise gibt es das immer noch und alles ist einfach krass zu gewuchert.

Selbstverständlich siegt die Neugier, ich laufe langsam über die Holzbrücke und Stufe für Stufe die Treppe nach oben. Es folgt eine Zweite und eine Dritte, Laternen und Duschen am Wegesrand lassen mich stark vermuten, dass es sich um ein privates und vor allem aktives Grundstück handelt. Ich gehe trotzdem weiter, schließlich sind wir hier in happy Kolumbien und nicht stinky Deutschland.

Ich zerschlage ein Spinnennetz, hüpfe über Krebse und Riesenameisen und steige ab und an über wirklich nicht vertrauenswürdige, einbruchsgefährdete Stufen.

Oben angekommen sehe ich eine Familie auf der Veranda eines mittelgroßen Holzpavillions sitzen. Ich frage sie höflich und schüchtern, ob es verboten ist, hier hoch zu laufen – aber nein, „Nur zu! Komm, setz dich, ruh dich aus!“ Ich nehme das Angebot danken an, setze mich und drehe dabei mein Gesicht das erste Mal Richtung Abhang des kleinen Berges. Ich traue meinen Augen nicht: Von der Veranda hat man einen unglaublichen Blick auf den kilometerlangen Sandstrand und seinen dahinter wachsenden Urwald. Wahnsinn! Viel zu schön! Bei Sonnenuntergang muss es einer der wundervollsten Ausblicke der Welt sein.

Ich schieße ein Foto, verabschiede und bedanke mich und laufe zurück. Bevor die Flut einsetzt, das Meer dann direkt an den Palmenrand grenzt und so der Strand für ein paar Stunden im Pazifik verschwindet…

 

Tag?:

Termales. Der Ort hat um die 230 Einwohner, davon knapp 60 Kinder. Strom gibt es vier Stunden am Tag, von 18:30 Uhr bis 22:30 Uhr. Manche Familien haben noch einen eigenen kleinen Generator, um im Notfall Strom zu haben. Aber das sind wohl nur solche, die Touristenunterkünfte anbieten.

Hier in Termales hört man nur das Rauschen der Wellen, die Stimmen des Dschungels und ab und an ein paar Kinder auf dem Weg, der alle Häuser des Dorfes miteinander verbindet, spielen. Keine Motoren, kein Gehupe, keine Musik, keine großen Menschenmassen, nicht einmal die Glocke des Eismanns (wie auch Eis ohne Strom?)

Manchmal ist es so still, dass selbst die Einwohner sich wundern und meinen „jetzt halten alle 230 zusammen Mittagsschlaf“ Dann scheinen sich nicht einmal die Blätter der Bäume zu bewegen.

Dort, wo ich für ein paar Tage unter komme, gibt es einen Fernseher, um den sich abends das halbe Dorf versammelt und mehr oder weniger alte Filme auf den paar Kanälen schaut. Da tratschen dann sogar die Männer über die vierte Scheidung irgendeines Promis.

 

Die Frau des Hauses, Gabriele glaube ich, putzt, wäscht, kocht, versorgt die Gäste und ist von Montag bis Freitag jeden Vormittag in der kleinen Dorfschule und unterrichtet die paar Kinder in den Grundlegenden Themen. Und ihr Mann? Der redet viel Unsinn den lieben langen Tag, geht an und wann Fischen und begleitet die Touristen auf einen Spaziergang in den Dschungel. Eine Aufteilung, die sich eine moderne europäische Frau wohl nicht gefallen lassen würde. Andere leben in den Tag hinein, haben Familie in allen Ecken Kolumbiens und arbeiten mal hier und mal da und kommen nach Termales zurück, um sich vom Großstadtdschungel zu erholen und ein paar Tage zu entspannen. Wie sie das finanziell machen, weiß ich nicht, denn die Anreise ist weder einfach noch günstig.

 

 

Wenn es regnet im Chocó, dann scheint die Zeit stehen zu bleiben. Man möge meinen, dass hier, wo es fast täglich regnet, das Leben dann weiter geht, die Leute ihre Regenschirme zücken oder weiterarbeiten, als hätte sich nichts verändert. Aber nein, wenn es regnet, dann verkriechen sich alle Familien im Haus, räumen auf, waschen ab oder setzen sich vor den Fernseher. Selbst Katzen und Hühner verschanzen sich dann unter dem schützendem Vordach des Hauses. Dann werden die Stühle des Tante-Emma-Ladens reingestellt und der Verkäufer macht es sich hinter dem Tresen gemütlich, blickt träumend in die unendlichen Regentropfen und wartet geduldig und mit einem zufriedenem Lächeln auf das Ende des Regenschauers.

 

Hier im Chocó – so sagt man – leben die reichsten Kolumbianer; selbst die Eingeborenen, die Indigenen, wären reicher als so mancher Städter aus Bogotá oder der Karibikküste. Denn hier gibt es viel fruchtbares Land und fast jede Familie besitzt ein Grundstück, dass es mit Vieh oder Ackerbau bestellt.

Hier bei den von afrikanischen Sklaven abstammenden Familien beobachte ich eine für mich sehr eigenartige Familienaufteilung. Meistens werden die Männer bekocht und ihnen hinterhergeräumt. Was heißt meistens. Eigentlich immer. Die Frau setzt sich zum Abendessen dann abseits des Tisches, oder isst auf einem Hocker in der Küche. Anderorts müssen Schulkinder nach der Schule die Küche aufräumen, Wäsche waschen und kochen, während die Hausfrau vorm Fernseher sitzt. Kinder werden in der Öffentlichkeit selten geküsst oder umarmt. Und einem Paar sieht man nicht an, dass es sich um eines handelt. Manchmal gehen sie sogar richtig forsch miteinander um.

 

Ich saß in einem Boot, als 100 Meter weiter plötzlich Delfine auftauchten. Die etwa 24-jährige Einheimische frägt aufgeregt „oh mein Gott, was werden das wohl für Fische sein?!?!“ „Delfine“, antworte ich ihr. Vielleicht ein bisschen zu voreilig und unüberlegt. Welcher Einheimische lässt sich schon gerne von einem Ausländer über sein eigenes Land belehren? Das wäre, als würde ein Japaner einem Bayern was übers Bierbrauen aufschwatzen wollen…

12.3.14 06:06


unglaubliches aus Venezuela - wie sich ein Land in den Ruin wirtschaften kann

Der ehemalige Präsident Chavez ist im Februar 2013 verstorben. Anhänger trauerten Wochenlang, rannten auf die Straßen und vergossen Tränen um ihren Helden. Sie besprühten Wände mit Slogans „Chavez lebt in uns weiter“ oder „Er bleibt für immer in unseren Herzen“

Auf der anderen Seite der Bevölkerung wurde sein Tod kräftig gefeiert. „Sein Egoismus und asoziales Verhalten haben ihn am Ende krank gemacht und in den Tod getrieben!“ Korsos, Schul- und Arbeitsfrei und wochenlange Dauerpartys auf öffentlichen Plätzen.

 

Chavez‘ Nachfolger ist ehemaliger Busfahrer. Von Politik hat er so viel Ahnung wie ein Audi-Fahrer vom Busfahren.

Doch er ist nicht der Einzige. Viele „Politiker“ gelangen lediglich durch Beziehungen und einen dicken Geldbeutel, nicht aber durch ihre Ausbildungen oder erfolgreiche Karrieren an ihre Position.

 

Chavez soll die öffentlichen Bildungseinrichtungen weniger gefördert haben als seine eigenen, neu errichteten. Es sind die „Chavez-Schulen“; nicht etwa vergleichbar mit den Schulen des Nationalsozialismus, welche nur die „Besten“ und „Reinsten“ besuchen durften. Nein, in den Chavez-Schulen würden Schüler mit Absicht weniger gelehrt, aus Angst, sie könnten als kluge Geschöpfe hervorgehen und seiner Politik ein Ende bereiten.

 

„Zement hat vor 10 Jahren 20 Bolivar gekostet. Heute müssen wir für ein Paket 200 Bolivars hinlegen.“ Warum ein so hoher Preisanstieg? Die Fabriken wurden verstaatlicht und die gesamte Produktion den Bürgern vorenthalten. „Das, was hier noch produziert wird, geht in Regierungsgebäude und Wohnsitze der Politiker. Und wir zahlen horrende Preise für ein bisschen Zement, welcher zum Bauen eines kompletten Hauses eh nicht ausreicht.“

 

Tauscht ein Tourist sein Geld offiziell am Flughafen oder hebt es an einem Automaten ab, bekommt er den Kurs 1€ = 8 Bolivares. Tauscht er es schwarz auf der Straße, zählt ein Euro bis zu 80 !!! Bolivares. Das zehnfache. Was jedoch nicht heißt, dass die Lebenskosten ein Klacks sind. Die Preise scheinen dem Schwarzmarktkurs angepasst zu sein, ein Venezolaner erhält sein Gehalt dem offiziellen Kurs angerechnet.

 

Venezuela verfügt über ausreichend grüne Weideflächen, auch Rinderherden sehen wir immer wieder im Land verstreut. Trotzdem sind Laktoseprodukte rar. Milch, Käse, Margarine, Joghurt haben verhältnismäßig hohe Preise, wenn sie überhaupt zu bekommen sind.

So kostet 1 Liter Trinkjoghurt in etwa das gleiche wie 1 ½ Flaschen nationaler (guter!!) Rum. (A.d.R.: für den Touri etwa 1&euro

 

Einmal Volltanken bei einem Land Rover für 0,13€ (Schwarzmarktkurs! Volltanken!!!) Selbst nach dem offiziellen Kurs nach wären es nur 1,25€. Venezuela ist also ein Land, in dem Wasser teurer ist als Benzin:

1 Liter Wasser = 0,13€ (schwarz), bzw. 1,25€ (offiziell)

1 Liter Benzin = 0,0022€

 

Der Witz des Landes, worüber sogar Venezolaner selbst lachen: Es herrscht seit geraumer Zeit Mangel an Klopapier. Auch Küchenrollen und Servietten können im eigenen Land nicht ausreichend produziert werden. Kommt doch all das von Bäumen, die es in diesem vielfältigen Land zu Hauf gibt.

Ich habe ein Paar getroffen, sie sagen, sie nutzen seit 4 Jahren kein Klopapier mehr. „Wenn es welches gibt, dann ist es zu teuer und zu aufwendig daran zu kommen.“

 

Für ein 2kg-Paket nach Europa zahle ich offiziell 5€. Schon hier frage ich mich, wie die Kosten gedeckt werden können. Dank dem Schwarzmarkt sind es nur 0,50€ und mein Paket wird abgeschickt.

Wundert es da noch, dass die Wirtschaft des Landes im Eimer ist? In den Supermärkten stehen die Schlangen bis vor die Tür, Regale sind leergefegt und ich frage mich, wie die Mutter einer 10-köpfigen Familie alle Mägen geldbeutelgerecht füllen kann.

 

Es scheint in Venezuela Verrückte zu geben. Also krank Verrückte. Etwa die, die Anschläge planen, sich selbst umbringen wollen oder anderen Schaden zufügen wollen. In einer meiner Unterkünfte werden Einzelzimmer nur an Frauen oder Ausländer vermietet. Nicht an alleinreisende Venezolaner.

 

7.3.14 04:33


Korruption. Etwas, das es bei uns nur im Fernsehen gibt

Ich fahre über Nacht von Merdia nach Maracaibo. Neben mir ein junger Kerl, der -wenn ich es richtig verstanden habe- gerade aus dem Knast kommt. Deswegen hat er für die wirklich kalte Busfahrt nur ein T-Shirt an und konnte weder sein Ticket, noch die Bahnhofsgebühr bezahlen. Na toll, da wird mir nicht gerade wohler ums Herz…

Am nächsten Morgen komme ich jedoch lebend und mit all meinem Hab und Gut um sieben Uhr in der Früh in der Mega-Hafenstadt Venezuelas an. Ich suche sofort den Bus Richtung Kolumbianische Grenze -Maicao- werde fündig und sehe beim Verladen meines Gepäcks zu. Zwei Stunden später ist der Bus voll und es geht endlich los. Neben mir sitzt die junge Venezolanerin Wendy; mit ihr und etwa fünf Familien sitze ich eng zusammengequetscht zwischen Taschen, Koffern, Tüten, Kisten, und Kinderfahrrädern.

Ohne Klimaanlage und mit lauter, unschöner aber typischer Latinomusik geht es los. Klappernd und klirrend hüpft der Bus über die Straßen Richtung Kolumbien. Einige Kilometer weiter kommt die erste Polizeikontrolle. Der Busfahrer geht durch die Reihen und bittet um Geld. Er nennt es eine Spende, in Wahrheit ist es Schmiergeld, damit eben diese "Polizisten" die Koffer, Kisten und Tüten voller billiger Lebensmittel aus Venezuela nicht kontrollieren. Reicht den Herren im grünen Anzug und Militär-Gewehr der Betrag nicht aus, wird trotz "Spende" jedes Gepäckstück kontrolliert und mindestens die Hälfte der eingeschleusten Lebensmittel konfisziert und in die eigene Tasche gesteckt.

Wendy und ich haben nichts zu befürchten, unsere Rucksäcke stecken voller Klamotten. Wir geben also kein Geld, sollen das doch die Familien machen, die verbotenerweise den Monatseinkauf in Venezuela getätigt haben.

An den ersten Kontrollen kommen wir noch geradeso heil vorbei, doch dann fordert der Busfahrer einen Betrag in Höhe von 1000 Bolivares, darunter würden die Beamten unsere Koffer kontrollieren und neben verlorener Zeit würde auch noch der Einkauf drauf gehen. Die Familien haben jedoch gerade mal 300 zusammen gekratzt und geben sich stur, weitere 700 zu zahlen.

Um nicht mitten auf der Landstraße in der größten Mittagshitze und ohne Schatten meinen Koffer – in dem es eh nichts zu nehmen gibt, außer einem Honig und einem Marmeladenglas- ausräumen zu müssen, zahle ich 20 Bolivar dazu. Auch die Familien drücken daraufhin dem Busfahrer noch einen Schein in die Hand. Der Busfahrer zählt, zieht die Stirn kraus, sagt aber weiter nichts. Schon von weitem sehen wir die „Beamten“ am Straßenrand stehen, werden langsamer und halten schließlich an. Der Polizist zählt das Geldbündel, steckt es ein, schüttelt den Kopf und bittet die Fahrgäste, mitsamt ihren Koffern auszusteigen. Murren geht durch die Reihen, aber diskutieren hilft nichts. Der Betrag war zu gering. Jeder Koffer wird auf die glimmernde Straße gehievt, aufgemacht und durchsucht. Ein paar T-Shirts verdecken spärlich den Hauptinhalt: Mehl, Ketchup, Nudeln, Reis, Mayonnaise, Thunfisch, Oliven, Waschpulver, Zahnpasta, Zahnbürsten, Shampoo, Duschgel und und und. Die Hälfte davon wird eingezogen und auf einen Haufen 100 Meter weiter gestapelt. Dort warten bereits etwa 20 Bierkästen und einige Tüten voller Haushaltsartikel. Was damit geschieht? Nicht etwa in ein Lager gebracht oder an Hilfsbedürftige verteilt, die venezolanischen Beamten bessern sich damit ihr Gehalt auf.

Am Ende wird sogar ein 30 kg-Fleischbrocken von zwei Polizisten davongetragen.

 

Was sich hier wie eine normale Polizeikontrolle anhört, war in Wahrheit eine der korruptesten Vorgehensweisen, wie ich es zwar oft von Lateinamerikanischen Beamten gehört, aber bis dato noch nie miterlebt hatte. Ich fühlte mich wie im Film, der umhergehende Busfahrer, der versucht, Geld zusammen zu treiben, die sturen Familien, die genau wissen, dass sie verbotene Waren und vor allem Mengen mit sich führen und ich, die kleine Touristin, die aus dem Staunen und Kopfschütteln nicht mehr rauskommt. Woraus nun genau die mehr oder weniger vorhandenen Regelungen für die Ausfuhr einiger Waren ins Ausland bestehen, weiß ich nicht, aber so, wie es war, ist es definitiv nicht legal.

Für mich war es ein Abenteuer, an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela ist es jedoch die knallharte Realität. Korruption, die sich, solange sich die politische Lage in Venezuela nicht verbessert, wohl nicht lindern, sondern eher noch verschlimmern wird. Es ist traurig. Ein so reiches Land, zerstört von den eigenen Politikern.

2.2.14 23:40


Ballermann oder Feiertage in Venezuela

„Heute gehen wir an den Strand!“, rufen wir der deutschen Besitzerin unserer Unterkunft zu. Unsere Nachbarn, zwei Mädels aus Stuttgart, lächeln bemitleidend. Später werden wir verstehen warum. Wir packen unsere Badesachen samt Hängematte und machen uns auf den Weg. Oder besser gesagt: Wir stürzen uns ins Getümmel. Auf der engen Hauptstraße (die einzige Straße des Küstendorfes Puerto Colombia, geht es weder vorwärts noch rückwärts. Unter normalen Umständen würden zwei Autos gerade so aneinander vorbei fahren können. Doch zwischen Weihnachten und dem 6. Januar ist in Venezuela nichts normal.

Hupend, schreiend und im Schritttempo versuchen die einen an den Strand zu fahren, während die anderen von eben diesem kommen. Fehlende Bürgersteige lassen zusätzlich hunderte von Menschen mit Kühlboxen, Sonnenschirmen, Zelten, Kinderwägen, Schwimmringen und Sandspielzeug zwischen den im Stau stehenden Autos durchdrängeln. Fassungslos, kopfschüttelnd und mit einer ersten Vorahnung, was uns die nächsten Tage bevorsteht, schlagen wir uns unseren Weg zum Hauptstrand, der Playa Grande, durch.

Vorbei an den üblichen Kiosks, die an den Türen Bikinis, Badelatschen und Plastikspielzeug aus China anbieten und die Vitrinen voller Chips und Kekse haben. Andere verkaufen im Fett gebadete Empanadas oder Alkohol. Letzteres der wohl wichtigste Begleiter im Urlaub eines Venezolaners. Während wir uns durch die Massen quetschen, begegnen uns die bizarrsten Düfte: verdorbene Lebensmittel der überquellenden Mülltonnen, Schweiß, Abgase, Urin, Bier und frittiertes Fett. So stellen wir es uns in asiatischen Hauptstädten vor. Fehlen nur die TuckTucks.

Hier und da versuchen Autos am Straßenrand –der eigentlich Fahrbahn ist- einzuparken und die Familie so möglichst nah an den Strand zu bringen. Teilweise sind die Karren so überfüllt, dass vier Familienmitglieder im offenen Kofferraum mitfahren und die Füße hinten raus baumeln lassen. Wer das ganze noch toppen will, stellt sich auf einen vorspringenden Spalt der Fahrertüren, hält sich am Dachgepäckträger fest und sieht zu, dass er an den vorbeilaufenden Fußgängern nicht hängen bleibt.

Wer keine Familie zu transportieren hat, baut im Kofferraum die größten Boxen des Media-Markts ein, legt HipHop aus den USA auf, dreht das Volumen auf maximal und versucht eben so, bis zum Strand durch zu fahren.

Auch wir haben uns irgendwann durch das Chaos geschlängelt und erreichen den Strand.

Unser Reiseführer verspricht uns einen weißen, mit Palmen gesäumten Traumstrand, umgeben von Regenwaldbergen. Keine Häuser, keine Sonnenschirme und –liegen.

Dass es zur Hochsaison nicht ganz so Cast-away sein würde, ist uns klar. Was uns allerdings wirklich erwartet, lässt uns die Kinnladen nach unten klappen: Der komplette Freiraum zwischen den Palmen ist mit Zelten bedeckt. Dicht an dicht drängen sie sich, es fällt uns schwer, einen Durchgang zum eigentlichen Strand zu finden. Wir müssen aufpassen, nicht über Müll, Küchengeschirr, Gaskocher oder aus den Zelten hängende Beine zu stolpern. In der Luft hängt der Geruch von tropischem Regenwald, geratenem Fleisch und herumstehenden Bierdosen und –Flaschen. „Ihr müsst an den Zelten vorbei bis zum Wasser und dann bis ans Ende des Strandes durchlaufen“, hat man uns noch empfohlen. Da würde es weniger zugehen. Wir quetschen uns zwischen den letzten der geschätzten tausend Zelte durch und sehen vor lauter Menschen auf Liegestühlen und Handtüchern den Sand nicht mehr. Eng an eng liegen sie nebeneinander und wälzen sich in der Sonne. Wie Sardinen in der Dose. In der einen Hand eine Dose Bier, in der anderen eine Tüte Chips.

Vor lauter Bierdosen, Chipstüten, Kühltaschen, gut gebauten Frauen mit monströser Oberweite (übrigens schon im Kindesalter) und hageren jungen Buschen mit enger Badehose und Goldkette um den Hals, sehen wir im wahrsten Sinne des Wortes den Strand nicht mehr. Durchgehen ohne auf fremde Hände oder Füße zu treten, ist nicht. Wir schlagen uns trotzdem irgendwie direkt ans Wasser durch und stolpern nun über die in Windeln planschenden Babys.

Dass es mir hier nicht gefällt, muss ich nicht erwähnen, das sieht Mama mir an. Trotzdem erreichen wir das „ruhigere Ende“ des Strands und finden ein Plätzchen, an dem wir die Hängematte aufspannen und die ganzen Eindrücke erstmal sacken lassen können.

 

Abends wird uns geraten, an den Pier zu laufen, dort wäre es ja so schön. Leute gehen spazieren und begutachten die angebotene Handwerkerware der einheimischen oder ausländischen Künstler.

Erneut betreten wir die Hauptstraße und befinden uns im selben Straßenbild wie heute Morgen vor 10 Stunden. Hupende Autos, aufgedrehte Boxen, jede Menge Fußgänger und Mopeds, die allen Ernstes meinen, durch dieses Chaos besser durchzukommen als alle anderen. Zu allem Überfluss sitzen jetzt auch noch ältere Damen mit Plastikstühlen auf dem nicht vorhandenem Bürgersteig, also auf der Fahrbahn. Sie wollen dem Treiben zusehen und mit den Vorbeilaufenden ein Pläuschchen  halten.

Nach einem Jahr in Südamerika wundere ich mich über gar nichts mehr, ich suche einfach den Weg zum Pier. Mama im Gegensatz kann es nicht fassen, was sie da gerade sieht.

Dieselbe Menschenmasse, die sich tagsüber am Strand gewälzt hat, sitzt nun mit Bier, Rum und Whisky an der Promenade. Gemütlich laufen? Fehlanzeige. Höchstens schwanken. Autos stehen geparkt mitten auf der Straße (nicht, dass es ein Parkplätz wäre!) Motor an, damit die Batterien nicht alle werden und die Musik so laut es geht aufgedreht. Und sollten die Boxen knirschen – egal, Hauptsache der Bass wird gezeigt.

Getanzt, wie es in Südamerika eigentlich üblich ist, wird nicht. Nur getrunken. Und getrunken. Inmitten der Menge liegt eine Matratze auf dem Boden, das Nachtbett zweier „friedlich“ schlafender Kinder. Es stinkt nach Urin und Alkohol, der Fußboden ist schlammverschmiert.

Willkommen am Ballermann. Fehlen nur noch die 5€-Damen.

11.1.14 17:24


Wo Welten zwischen zwei Welten liegen

Vor ein paar Tagen saß ich noch in Peru in einem Dorf, in dem es kein fließend Wasser gibt, keinen Fernseher, keine Werbeplakate, keine lärmenden Autos und vor allem keinen Kommerz unter den Menschen. Ich duschte mich mit einem Eimer voll Wasser, manchmal füllte ich eine Gießkanne auf und wenn das Wasser knapp wurde, schleppten wir Eimer mit Meerwasser vom Strand zu unserem Haus, filterten den Sand raus und konnten dann zumindest die Toiletten spülen. Duschen fiel dann eben aus. Aber wir hatten ja das Meer.

Und jetzt, zwei Tage später, sitze ich auf einer europäischen Insel in der Karibik. Keine hupenden Autos, keine TukTuks, keine molligen, immer lächelnden Latinas, keine Salsa-Musik aus allen Ecken, keine Marktschreier, keine Straßenhunde, keine überlaufenen Mülltonnen und keiner, der dir wirklich behilflich sein will. Aber das ist das wenigste. Schlimm sind die Touristen, die die Taschen voller Geld haben und davon möglichst viel loswerden wollen. Schwimmen mit Delfinen, Schildkröten füttern, Buggy-Touren, Jet-Ski, Tauchstunden, Bootsfahrten, internationale Sterne-Restaurants und und und. Sogar einen Park, in dem man Villen mieten kann, gibt es.  Und selbst für den Strand zahlt man hier Eintritt. Von dem Geld werden dann die schönen Sandbänke zubetoniert, Bars und Hotels gebaut und der Glanz der Natur geht verloren.

 

Ich frage mich, ob all diese Geld-Leute jemals den Mut aufbringen würden und in ein Entwicklungsland fahren würden. Die Menschen so zu sehen wie sie wirklich leben, abseits der touristischen Attraktionen. Die sind eh alle gleich: Hohe Preise, schlechte Qualität und den Besuchern angepasst. Dort sprechen alle Englisch, es stehen nur Burger, Pommes und Pasta auf dem Menü, Souvenirs bestehen immer aus Taschen, Magneten, Ketten und Armbändern (das meiste davon billige Massenproduktion) und alles scheint „wunderschön“ zu sein. 

Wirft man dann mal einen Blick hinter die dicken, touristischen Mauern, sieht man wohl immer mehr Armut, aber man bekommt ein Gefühl für die wahre Kultur: günstige und tausend Mal bessere, nationale Gerichte (klar, woher soll denn eine bolivianische Köchin wissen, wie man Spaghetti  Bolognese kocht? Ich bekam Tomatensoße mit Hefe!) Dort, hinter den Kulissen, werden lokale Souvenirs angeboten, welche qualitativ besser und vor allem hübscher und günstiger sind. Und so unterstützt man  - wie es überall sein sollte – die Einheimischen und nicht irgendwelche abzockende ausländische Mafiosi.

 

Hier auf Curacao, besagte holländische Insel in der Karibik, sehe ich europäische Kinder, denen die „guten und schönen“ Seiten des Lebens gezeigt werden: Schwimmen lernen im seichten warmen Wasser, Mama und Papa sorgen für Eis und warme Mahlzeiten, Sand- und Steinburgen bauen, Korallenscherben hin und herwerfen und Pirat und Seemann spielen. Eine sorgenfreie Kindheit, ein leichter Start ins Leben.

Anderswo, nur ein paar hundert Kilometer weiter weg, sehe ich gleichaltrige Kinder arbeiten und Geld ranschaffen. Wenn sie Glück haben, dann können sie ein paar Mal in der Woche die Schule besuchen oder mit Ihren Freunden Räuber und Gendarm spielen. Schwimmen lernen sehen viele als überflüssig. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die meisten wohl nie das Meer oder einen See zu Gesicht bekommen werden. Und für ihr Essen müssen diese Kinder selber sorgen.

Natürlich sind sie nichts anderes gewohnt und können sich das Leben der „anderen“ nichtmal im Traum ausmalen. Es sind die Lebensumstände der Armen und Reichen. Den großen Unterschied beider Gesellschaftsgruppen kennen wir alle. Das lesen wir in Zeitungen und sehen es in Berichten im Fernseher. Aber diesen Unterschied selbst mitzuerleben und innerhalb von ein paar Stunden von Arm zu Reich hin- und herzuwechseln, das strengt an, macht nachdenklich und traurig. Zumindest mich.

26.12.13 03:52


Als aus einem Flughafengate eine Protestmeile wurde

Nach fast einem Jahr treffe ich mich mit meiner Mam in Venezuela. Sie hat sich drei Wochen Zeit genommen, um mit mir eine kleine Rundreise zu machen.

 

Vom Flughafen in Caracas starten wir mit einem nationalen Flieger ins Landesinnere. In ein paar Tagen ist Weihnachten, Venezuela steht Kopf und pünktliche Flüge sind eine Seltenheit. Wir warten 4 Stunden länger als gedacht am übertrieben runtergekühlten Flughafen. (Bei schwülen 25 Grad Außentemperatur haben wir natürlich keine Jacken im Handgepäck)

Unsere Airline scheint besondere Schwierigkeiten zu haben, einige Flüge fallen sogar aus! Wir hoffen nur das Beste und haben Glück, denn unser Flug startet- wenn auch verspätet.

Was wir in der Warteschlange beim Einsteigen in den Flieger erleben, kennen wir in Deutschland wohl nur aus dem Fernsehen:

Eine halbe Stunde vorher hätte ein Flug nach Puerto Ordaz gehen sollen, dieser wurde jedoch gecancelt. Den Gästen wird angeboten, mit unserem Flieger in das 60 km weit entfernte Ciudad Bolivar mitzufliegen und von dort einen Shuttlebus nach Puerto Ordaz zu nehmen.

Ein paar Meter weiter vor uns in der Schlange höre ich eine kleine mollige Frau mit Sekretärinnenbrille und engem Jacket (sie erinnert mich an die rosa gekleidete dicke Hexe Doloris Umbrigde aus Harry Potter) aufgeregt mit dem Stewart diskutieren. Noch denke ich mir nichts dabei; Südamerikanisches Blut, lange Wartezeiten und Übermut und Temperament lassen so manche Latina schon mal lauter werden.

Doch was dann passiert, lässt mir die Kinnlade runterfallen: Mitten im Gate, zwischen den Wartesitzen stimmt die aufgeregte Dame einen Boykott an: „Puerto Ordaz, Puerto Ordaz, Puerto Ordaz!!“, schreit sie durch die Menge und wirft ihre rechte Hand demonstrierend in die Höhe.

Sie will den Flug umleiten und wie es auf ihrem Ticket steht, nach Puerto Ordaz fliegen. Sollen doch die anderen (also wir) von Puerto Ordaz nach Ciudad Bolivar geshuttelt werden!

Was in Deutschland fremdschämend belächelt würde und höchstens mit leisem Murren Zustimmung gefunden hätte, findet hier großen Anhang. Ehe wir uns versehen, stimmt die halbe Warteschlange in die Protestrufe mit ein und fordert eine Umleitung des Fluges.

Um als nichtswissender Ausländer nicht in irgendwelche Geschichten mit reingezogen zu werden, packe ich meine Mam am Arm, drücke dem Stewart unser Flugticket entgegen und eile den Gang hinunter, um uns unsere Sitzplätze zu sichern.

Was draußen am Gate passiert, kann ich mir nur vorstellen.

 

Ein paar Minuten später ist das Flugzeug jedoch voll und auch die aufgeregte Latina hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden und Platz genommen. Es geht also „wie geplant“ nach Ciudad Bolivar…

Aber Hauptsache erstmal aufschreien und dem Temperament freien Lauf lassen – Wie ich sie liebe, die Südamerikaner!...

 

26.12.13 00:10


Manchmal ist es alles andere als Langzeiturlaub

Drei Tage wach, oder schon vier? Drei Nächte sind’s auf jedenfall. Ich bin am Arsch. Habe kein Zeitgefühl mehr. Halbtot schleppe ich mich von Bus zu Bus und Gate zu Gate.

Alles fing mit diesen Aussies und den vier Rumflaschen an. „Glaubst du im Ernst, du gehst ohne Abschiedsparty?“ Oh fuck. Ich nehme mir vor, nicht viel zu trinken, doch dann spielen sie dieses Trinkspiel. Die Regel der Ass-Karte: „Luisa drinks till drunk“ (Luisa trinkt, bis sie betrunken ist) Ich spiele also gar nicht mit und muss trotzdem trinken. Schöne Regeln.

Am Ende bin ich die letzte, die um vier im Bett ist. Vorher packe ich noch irgendwie meinen Rucksack und schlafe dann nicht ganz zwei Stunden meinen Rausch aus.

Ich verabschiede mich sturzbetrunken, packe den Rest zusammen und trotte zum Bus.

 

Das war’s also. Lobitos. Die wohl beste Zeit des vergangenen Jahres. Aber es ist kein Abschied für immer; wie an viele Orte, will ich auch hierher zurückkommen. Aber diesmal wirklich, wenn es sein muss mit allen Mitteln.

 

Drei Stunden später bin ich in Mancora, der nächstgrößeren Stadt, und buche von dort meinen Nachtbus nach Quito, Ecuador.

Mangelnde Beinfreiheit macht einen ruhigen und nach einer durchzechten Nacht dringend notwendigen erholsamen Schlaf unmöglich.

Zum Frühstück gibt es im Bus ein Tellerchen mit salzigem Fleisch, Kartoffeln und gesalzenem Mais. Das tut gut!

Den Vormittag verbringe ich in Quitos Vororten, kaufe letzte Souvenirs ein, esse einen Teller Kartoffelbrei mit Ei und Fleisch und fahre am Abend mit vier verschiedenen Bussen zum Flughafen. Warum zum Henker gibt es keine Direktverbindung? Mein ganzes Gepäck von Bus zu Bus schleppen schafft ganz schön. Ich bin am Ende als ich ankomme und suche mir einen Fleck in einer Ecke, um zur Ruhe zu kommen. Aber immer wieder fallen mir die Augen für ein paar Minuten zu; ich schrecke durch irgendwelchen Lärm hoch und sinke wieder zurück. An Schlaf ist am Flughafen von Quito also nicht zu denken. Grelle Lichter all night long, Stimmengewirr ankommender Passagiere und Jhonny Cash’s Ring of fire lassen mir keinen Schlaf.

Ich esse einen Burger mit Pommes und frittierten Zwiebelringen. Auch das tut gut und gibt mir für zwei Stunden neue Energie.

Um drei Uhr Nachts darf ich endlich mein Gepäck einchecken und es mir in den weitaus ruhigeren Wartehallen gemütlich machen. Immer wieder falle ich in Sekundenschlaf und erwache durch erschöpfte und zuckende Muskeln. Ich kaufe Chips und gesalzene Nüsse. Warum zum Teufel macht Müdigkeit so einen Saumagen? Nichts als deftiges Essen verlangt mein Körper.

Im Flugzeug setze ich mich auf meinen Platz und bekomme den Start gar nicht mit. Eingeschlafen. Das Frühstück (Ei, Kartoffelbrei und eine ölige Wurstscheibe) verschlinge ich in zwei Minuten. Mein Magen bedankt sich abermals. Ich will an die paar Minuten Schlaf noch etwas anhängen, aber nein, wir landen schon wieder.

Es ist acht Uhr morgens, ich bin in Bogotá, Kolumbien, am Flughafen und verdrücke eine Lasagne zum zweiten Frühstück. Nebenan trinken sie Kaffee und essen Marmeladenbrötchen.

Mein Anschlussflug nach Curacao, eine niederländische Insel in der Karibik, geht in sechs Stunden; vielleicht finde ich ja hier irgendwo eine stille Ecke, wo ich endlich meine RUHE habe….

 

 

16.12.13 20:18


Erschossene Katzen und solche, die im Grill gefunden werden

Baby-Katzen, drei Stück im Grill gefunden. So groß wie mein Daumen. Die Augen noch geschlossen und mit Nabelschnur.

Ausgesetzt. Tierquälerei? Definitiv. Aber so spielt hier das Leben. In Südamerika haben Haustiere nicht den gleichen Stellenwert wie in Europa.

Ich habe mich daran gewöhnt, denn ich versuche nicht, sie mit allen Mitteln durchzubringen. Vor einem knappen Jahr hätte ich das noch gemacht.

Aber sie sterben, noch bevor sie die Welt mit eigenen Augen sehen können.

Traurig, aber so ist das hier.

 

 

Eine andere Katze hat eine Entzündung im Ohr und kratzt sich von außen den Kopf blutig. Fell ist nicht mehr vorhanden, das Ohr ist blutig und fleischig. Man sieht nur noch Knorpel und Eiter.

Zum Tierarzt? Nein, da sehen die Besitzer keinen Sinn drin.  Sie soll erschossen oder ins Meer geworfen werden. Ich appelliere für den Schuss, kurz und schnell.

7.11.13 20:57


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