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Itchy Feet

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Als ich Überlebenskünstler traf und unter Palmen schlief

Puerto Escondido – morgens um 7 bin ich angekommen, die Luft war noch angenehm kühl, aber nicht kalt. Aus dem Bus raus und nun musste ich das erste mal wirklich nach einer Unterkunft suchen. Vor dem ADO-Terminal standen nämlich nicht wie sonst Taxis, die man nach dem Weg oder einem günstigen Hostel fragen konnte. Da der Terminal mittem im Dorf auf der Spitze eines Berges liegt, war die Entscheidung, in welche Richtung ich nun laufe, nicht allzu schwer... Nach unten natürlich. ;-) Zumal wir von dieser Seite gekommen sind und ich einige Hostels und Hotels gesehen habe.

Eher unabsichtlich bin ich dann am Strand in einen Hof voller Cabanas rein. Gleich kam auch der Besitzer an und fragte, ob ich eine Cabana mieten möchte. „Ich weiß nicht, ob ich über Nacht bleibe, eigentlich will ich gleich weiter nach Zihuatanejo. Ich will nur meine Sachen einsperren, Duschen und meine Wäsche waschen.“ Hm ok, über Nacht kostet 50 Pesos (ich bekomme sie für 30, da ich mich über den Preis beschwert habe – verstanden hatte ich 500 Pesos, mein Limit liegt bei 125)


Ich habe nun direkt am Strand eine Strohhütte mit Bett, Matratze, Moskitonetz, zerrissenes Bettlaken und eine einfache Glühlampe für umgerechnet nichtmal 2 Euro. Da muss es doch einen Haken geben. Ferienort, direkt am Meer? Nun gut, wir werden sehen. Ist schließlich nur für eine Nacht (ich hatte mich entschieden zu bleiben, da man im Leben bestimmt nicht oft eine Schlafgelegenheit für so wenig Geld bekommt. Und dann direkt am Meer!!! Von den Wellen in Schlaf gesungen und wieder geweckt werden... Meine einzige Sorge sind Spinnen und Bedbugs. Die Matratze hat teilweise Löcher, es ist zwar ein Laken drauf, aber das würde Bedbugs nicht stören. Da es mir vor Spinnen und Ameisen in meinen Rucksäcken aber mehr graut, habe ich alles auf mein Bett gepackt, das Moskitonetz drüber und bin die Gefahr der Bedbugs eingegangen. Heute Abend werde ich noch alles mit Insektenspray einsprühen und dann hat sichs.

Man muss wissen, dass Bedbugs die übelsten und fiesesten Reisebegleiter sein können. Verstecken tun sie sich meistens in Matratzen. Sehen tut man sie glaub ich nicht, aber haben sie dich einmal befallen, juckts und beißts einfach überall! Richtig schlimm sollen die sein! Und anhänglich erst! Nach einem Bedbug-Angriff müssen Klamotten erstmal alle heiß durchgeschleudert und sämtliche Ausrüstung „desinfiziert“ werden. Also viel schlimmer als Spinnen, aber seit wann lernt man schon aus den Fehlern anderer??? Ich hatte Glück, es gab weder Spinnen noch Bedbugs, noch sonst irgendwelches Ungeziefer.


Die „Mankos“ der 2-Euro-Unterkunft sind schnell gefunden: Die Duschen geben nur kaltes Wasser (ich hoffe nicht, dass das irgendwann komplett abgestellt wird, also ab einer bestimmten Uhrzeit, das wäre nicht verwunderlich), die Toiletten funktionieren nicht richtig (aber zum Glück gibt’s es 6 verschiedene und ich bin der einzige Gast, kann also jedes Mal eine andere benutzen) und es gibt keine Küche, Frühstück und W-Lan, wie sonst überall üblich. Aber was kann man für 30 Pesos schon erwarten?

Meine Hängematte kann ich auch hier wieder nicht direkt am Strand aufspannen, alle Palmen etc. gehören zu Bars, Restaurants oder sind hinter Zäunen. Aber vielleicht kann ich am Nachmittag meinen „Unterkunftsbetreiber“ fragen, ob er die irgendwie neben meiner Cabana fest machen kann. Dazu eine frische Coco und das Paradies ist perfekt!


Dass ich hier nun wirklich im Paradies lebe, es zu Hause scheißkalt ist und ich mich vor allem am anderen Ende der Welt befinde, kann ich irgendwie nicht ganz realisieren. Dass alle anderen im Büro sitzen und ich am Strand, mit Palmen im Rücken, ist schon der absolute Wahnsinn. Leider wird mir solcher Luxus/ Freiheit immer erst dann wirklich bewusst, wenn ich bereits wieder in Deutschland bin und meinen alltäglichen Aufgaben nachgehe.

Jetzt, knapp 2 Monate später trotte ich jeden Tag ins Büro und träume mich zurück in meine Hängematte unter Palmen direkt am Meer. Keine spießigen und schlechtgelaunten Kunden, die nur irgendjemanden suchen, an dem sie ihre schlechte Laune auslassen können. Einfach nur entspannen und die Seele baumeln lassen. Die paar Stunden der Einsamkeit in diesem kleinen Örtchen habe ich damlas mehr als genossen, so richtig alleine war ich auch dort nicht, aber dazu später mehr...


Zurück zu meiner Hängematte: Ein paar mexikanische Arbeiter haben mir geholfen, sie zwischen zwei Palmen direkt neben meiner Cabana aufzuspannen. Mit Seilen aus einem alten Fischernetz (gut, dass ich mir die nicht gekauft habe, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte)

Nun liege ich in meiner eingenen Hamaca hinter meiner eigenen Strohhütte und genieße mit einem Bier das ca 100 Meter entfernte Rauschen des Meeres und einen schönen Sonnenuntergang. Leider verschwindet die Sonne hier hinter den Bergen und nicht hinterm Meer, aber ich will mal nicht meckern. Ein Zaun dazwischen trübt zwar die Sicht, aber nicht die Stimmung. Das erste Mal kann ich bei meiner Reise so richtig entspannen! Keiner, der dazwischen quatscht und keiner, mit dem ich mich abgeben muss. Und keiner, dem ich Reden und Antwort stehen muss. Ich bin gerne in Gesellschaft. Nur muss es ab und zu Momente geben, an denen nichts von einem verlangt wird, nicht einmal ein Gespräch über Gott und die Welt. Die Gedanken schweifen lassen und mehr nicht...



Die Gegend hier ist seltsam. Ich denke nicht, dass der ganze Ort so ist, sondern nur meine Umgebung. Heute morgen habe ich auf dem Innenhof schon einen Kerl gesehen, der mich sofort an einen früheren Kameraden erinnert hat. Groß, schlaksig, verkokste Augen und Gesten wie ein Alleinunterhalter, der zwei Personen gleichzeitig spielt. Erst dachte ich, dass wäre der Nachbar, heute Abend wurde mir klar, dass der hier wohnt. Aber nicht ein einer Cabana, sondern in einer Art Betonnische! Vielleicht 3 m² groß. Über den Wänden der Betonmauer hängen Laken und Klamotten, überall stehen Eimer und Becher und der Kerl redet ununterbrochen – mit wem auch immer! Mal steitet er sich mit diesem Jemand, dann diskutiert er oder gibt Ratschläge. Der scheint schon sehr lange allein zu sein. In welcher Sprache er da kommuniziert, ist ebenfalls unverständlich. Manchmal spicht er auch mit mir, nur über was? Davon habe ich keine Ahnung! Einfach nur lächeln und „SI“ sagen... Ein wirklich komischer Kauz. Vielleicht hat er auch eine Krankheit? Manchmal schauspielert er und hat Gesten drauf, als stünde er unter irgendeiner Hardcore-Droge. Er hat dann die gefühlte ganze Nacht durchgeredet, teilweise hat sichs so angehört, als ob er Actionfilme nachspricht. So wie bei Kevin allein zu Haus, die Szene, wo er den Fernseher laut aufdreht und der Typ die Schüsse abfeuert, so hat der Kerl geredet. Dazu war mein Schlafsack noch zu kurz und ich konnte die ganze Nacht meine Beine nicht ausstrecken.

Also keine besonders ruhige Nacht, abers das Abenteuer wars mehr als Wert!


Den Nächsten traf ich am Strand ein Stückchen weiter. Der hatte direkt am Meer, auf einem großen Felsen seine Hütte errichtet, aus Bambusrohren und Palmenblättern. Genauso dürr nur eben nicht ganz so angsteinflößend. Nicht, dass ich vor dem Kerl aus der Betonnische Angst habe, aber seltsam ist der tatsächlich. Der vom Felsen war mir recht sympatisch, lud mich ein , mit ihm und seinem Freund in seiner Hütte frischen Fisch zu essen. (Die Hütte sah echt selfmade aus, wie das erste Lager aus LOST in etwa, zusätzlich mit Totenköpfen, Federn, Skeletten und irgendwelchem Naturkrimskrams geschmückt). Die zwei sprachen wenigstens deutliches Spanisch.

Ich sagte, dass ich es mir überlegen werde, aber die Idee fand ich cool. Der Typ hatte eine Kette aus Muscheln umhängen, weiße Shorts, weiße Skateboardschuhe, einen langen grauen Bart (wie der vom Almöhi) und ein paar lange Haare, die er zu einem Zopf gebunden hatte. Dazu braungebrannt und den Geruch von Meer fest in den Poren verankert.

Ob er schon immer hier lebt? „Ja so ziemlich, irgendwann bin ich von zu Hause abgehauen und habe hier mein neues Heim gebaut“

Ob der Kerl, ich schätze ihn auf mitte 30, obwohl er viel viel älter aussah, wirklich keine Arbeit hatte und nur von Fisch und Drogen gelebt hat, werde ich wohl nie erfahren, die Einladung zum Essen habe ich am Abend nicht angenommen. Kann ein Mensch heutzutage – egal auf welchem Teil der Erde – ohne Geld überleben? Eine Doku im deutschen Fernsehen hat mal eine Frau begleitet, die seit 30 Jahren ohne Geld lebt. Und das in Deutschland!! Sie geht nach Ladenschluss zu Geschäften und fragt nach übrig gebliebenen Lebensmitteln oder schaut in sogenannten „Helfer-Häusern“ vorbei. Dort bieten Menschen einen Schlafplatz oder Essen an. Einfach so. Ohne etwas dafür zu verlangen. Oder sogenannte „Tauschbörsen“ Man erledigt für jemanden zB. den Einkauf und bekommt dafür eine warme Mahlzeit. Man kann sich also gut vorstellen, dass man ohne Geld überleben kann. In Deutschland, einem fortgeschrittenen Land, das auf die verrücktesten Ideen kommt. Ich bezweifle dass es in Mexico genauso einfach ist. Ob es solche Vereine und Zusammenschlüsse auch dort gibt? Wo hat der Typ am Meer zB. seine Shorts und vor allem die neu aussehenden Schuhe her? Oder mal eine Zahnbürste oder Material um seine Hütte in Schuss zu halten? Sei es nur eine Kordel, um ein neues Bambusrohr zu befestigen. Und woher hat er überhaupt das Bambus? Ich habe dort keins wild wachsen sehen.


Ich glaube, dass heutzutage niemand, egal wo, ohne Geld längere Zeit überleben kann.

Auch nicht die nette Dame aus der Dokumentation...

25.4.12 21:11
 



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