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Itchy Feet

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Wie sich unser Alltag bereits nach 3 Wochen verändert hat

Das Kochen überm Gaskocher klappt schon ganz gut, zumindest wird aus dem Risotto-Reis-Brei mittlerweile nur noch matschiger Reis. Einer großen Plastikflasche haben wir heute den Kopf abgeschnitten, kleine Löcher reingeschnitten und so als Sieb benutzt, hat leider nicht viel geholfen, irgendwas machen wir da noch falsch. Aber wir haben ja noch genug Zeit, um die perfekten Camping-Gas-Kocher-Köche zu werden ;-)

Gestrickt haben wir auch schon - mit dünnen Ästchen als Stricknadeln - eine Mütze und ein Stirnband für den kalten, stürmischen Süden. Dem nähern wir uns mit jedem Kilometer, es wird kälter, windiger und die Tage länger. Hier in Los Antiguos geht die Sonne gegen 6 auf und erst um 22:00/ 22:30 Uhr wird es richtig dunkel. Die Sonnenuntergänge sind jetzt schon Wahnsinn! Da schwankt der Himmel zwischen Rosa, Orange, Lila und blau. Und während die Sonne noch ihre letzte Wärme gibt, steht auch schon der Mond hell leuchtend am Himmel. Ich bin echt gespannt, wie das ganz unten wird.

 

Wir werden echt erfinderisch und anspruchslos was den alltäglichen Ablauf betrifft. Sarah kommt mit einem Mini-Handtuch als Duschhandtuch UND Haarhandtuch aus (die Mädels werden verstehen, was ich meine ), die Klamotten werden auch dann noch getragen, wenn sie schon voller Flecken übersäht sind und die Schminksachen werden nur noch dann ausgegraben, wenn wir zum Essen oder Feiern verabredet sind und die Chancen gut stehen, dass unsere Kosten von unseren männlichen Begleitern übernommen werden. :P

Als unser Gaskocher eine Weile nicht funktioniert hat, haben wir ohne Feueranzünder ein mächtiges Feuer zustande gebracht und dann Würstl am Stock gegrillt; die Kartoffeln sind ohne Alu-Folie zwar nichts geworden, aber hey, unser erstes Feuer! Selbst ist die Frau!

 

Was uns wirklich noch schwer fällt, sind Einladungen und Angebote anzunehmen. Beispielsweise eine Einladung zum Essen, einen Ausflug am Wochenende zu machen oder nur eine Banane oder einen Keks anzunehmen. Warum uns das so schwer fällt? Keine Ahnung. Vielleicht, weil wir eigentlich das Geld haben, uns das alles selbst leisten zu können und es uns im Prinzip besser als den Menschen hier geht? Oder weil es in Deutschland nicht zur guten Sitte gehört, Einladungen von Fremden anzunehmen?

Wir werden es herausfinden….

Die Menschen, denen wir hier begegnen, sind wirklich liebenswerte Seelen. Ein Jeder geht offen auf dich zu, interessiert sich für dich und dein Land, welche Unterschiede es gibt und versucht dir zu helfen, wo es nur geht. Und wenn man sich nicht allzu dumm anstellt, wird man hier und da zum Essen eingeladen, oder es öffnen sich Türen, um abseits der Touristenpfade ins argentinische Leben eintauchen zu können. (So zum Beispiel Raul, der Pferdebesitzer. Er hat uns auf ein Pferderennen eingeladen, an denen auch seine Vierbeiner teilnehmen werden. Wenn wir es zeitlich schaffen, werden wir diese Einladung mit Sicherheit nicht ausschlagen. Raul hat uns beim Trampen aufgegabelt, unterwegs haben wir noch einen Abstecher in den Stall gemacht und er hat uns Kirschen, ausreichend zu Trinken und Geld gegeben, letzteres, damit wir uns etwas Ordentliches zu essen kaufen.)

Argentinien an sich hat nichts Besonderes. Zumindest das, was wir bisher gesehen haben. Keine spezielle Architektur, keine exotischen Obst- und Gemüsesorten, keine speziellen Sitten und Bräuche. Gut, der Mate, der wird überall getrunken, wirklich überall. Im Auto mit heißem Wasser aus der Thermoskanne, im LKW mit heißem Wasser vom Gaskocher, in der Polizeistation mit Wasser aus einem Heiß-Wasser-Automaten von der nächstgelegenen Ecke, am See oder am Meer, einfach überall! Sarah und ich sind auch schon zu richtigen Mate-Freaks geworden J

 

Die Route kann man planen wie man möchte, am Ende eines jeden Tages sieht das Ergebnis immer anders aus, als vorgestellt.

Unser Tramp-Trip von Los Antiguos in den Nationalpark stellt sich als besonders schwierig heraus. Zur Zwischenstation Bajo Caracoles kamen wir ja noch einigermaßen gut durch, von dort aus aber in den Nationalpark Perito Moreno zu kommen- unmöglich. Geschlagene 4 Stunden standen, saßen und lagen wir wartend in der Sonne. Pro Stunde fuhren im Durchschnitt 3 Autos vorbei, entweder Arbeiter, die nicht weit fahren oder vollbepackte bzw. tramperunfreundliche Touristen. Jedem Einheimischen, dem wir von unserem Plan erzählt haben, hat uns abgeraten: „Ohne Auto in den Nationalpark zu kommen ist fast unmöglich. An der Kreuzung, an der ihr warten müsst gibt es nichts, keine Tanke, keinen schattenspendenden Baum, keinen Fluss, einfach nichts. Und in den Park fahren nur sehr sehr wenige Touristen, die dann alle vollbeladen sind.

Nach besagten 4 Stunden Warten (ich möchte an dieser Stelle die allgemein bekannte Unzufriedenheit bei 20-Minuten-auf-die-S-Bahn-warten anmerken .. ) hielt ein Fernstreckenbus an und auch hier erzählten uns die Fahrer von der Schwierigkeit, trampend in den Nationalpark zu kommen. Der Bus fährt bis nach el Chaltén, das nächstgrößere Dorf, wir könnten es uns bis zur Kreuzung zum Nationalpark ja noch überlegen.

Die Tatsache, dass es an der Kreuzung keinen Fluss gibt, der uns zur Not einige Tage mit Wasser versorgen würde und die, dass uns fast jeder Einheimische davon abrät, lassen uns zu dem Entschluss kommen, mit dem Bus lieber bis nach el Chaltén weiterzufahren und dort eventuell ein Auto zu mieten, um damit in abgelegenere Gegenden zu kommen. (Ob wir für die Fahrt was zahlen müssen, steht noch nicht fest, schließlich trampen wir und sind zwei hübsche Europäerinnen… ;-))

 

Die ständige Ungewissheit was in der nächsten Stunde kommen wird und die Gewissheit, dass wir uns teilweise in Sekundenschnelle entscheiden müssen, welchen Weg wir gehen oder mit wem wir mitfahren, das alles in allem ist ein riesen Abenteuer. Für den Moment und auch Tage später wird uns das nicht so recht klar, aber ich denke, wenn wir zurück in der Zivilisation sind, Menschen in Anzügen auf dem Weg zur ihrer Arbeit sehen und die Kirchenuhren schlagen hören, dann könnte uns die ganze Action bewusst werden und wir werden es tatsächlich noch das „Abenteuer unseres Lebens“ nennen. J

6.2.13 23:51
 



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