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Itchy Feet

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Wasser für die Reichen

Zum Glück haben wir uns überreden lassen, auch trekken zu gehen. Wer nach El Chaltén, die Hauptstadt des Wanderns und Trekkens kommt und nicht „Hiken“ geht, wird schräg angeschaut und gefragt, was man denn dann hier so tut. Das ganze Dorf ist komplett touristisch aufgebaut, an jeder Ecke gibt es einen Laden, der Trekking-Touren anbietet, Stöcke, Schuhe, Rucksäcke etc. verleiht. Die Preise sind dementsprechend, aber wir konnten durch einen Geheimtipp für die Tage bei einer Couchsurferin unterkommen, bei der immer full House ist. Momentan beherbergt sie etwa 10 Surfer. Wie im Hostel, nur für lauJ

 

Nun gut, zum Glück haben wir uns von den ganzen Trekking-Erlebnissen und Fotos anstecken lassen. Mit Rucksack, Zelt, Matte, Schlafsack und Essen für 3 Tage ging es dann los. Mal Berg auf, mal Berg ab und mal über ein paar Steinchen kraxeln. „Hut ab“ muss ich sagen, unsere Kondition hat für die erste Etappe, 11 km in 3 Stunden, perfekt gereicht.

Beeindruckend und kaum zu beschreiben ist die Landschaft. Da findet man wirklich keine Worte für! Hier treffen Eis, Sonne, Kälte, Sturm, Wasser, Hitze, Gebirge und saftiges Grün aufeinander- Alles an einem Fleck!

Sturmgepeitschte, vertrocknete und unförmig geratene kahle Bäume, wie im Märchenwald von Hänsel und Gretel. Keine 100 Meter weiter plötzlich saftiges Grün, Beeren wachsen hier und dort und in der Nähe sorgt der Rio Fitz Roy für den einzigen Lärmpegel. Nicht mal einen Vogel hörst du zwitschern. Und in der Ferne, immer geradewegs drauf zulaufend der Gletscher Cerro Torre mit 3102 Metern.

Spitze Berggipfel, an den Hängen mit türkis-schimmerndem Eis bedeckt, fangen hoch oben die vorbeiziehenden Wolken auf. Daneben kleinere Berge mit dicht bewachsenen  Hängen – alles in allem ein perfektes Panorama-Bild. Und dann, an unserem Ziel angekommen eine kleine Lagune, die sich direkt vor dem Gletscher ergießt. Mini-Eisberge treiben von hier nach da und die pralle Sonne lässt dich im T-Shirt dasitzen, während du am Gletschereis knabberst. Wirklich ein Traum!

Da vergisst man auch die vielen Touris, die einem hier begegnen. J

 

Am nächsten Tag wechseln wir vom Hänsel-und-Gretel-Wald in die Kulisse des Jurassic Parks und kommen uns mit unseren provisorischen Holz-Wanderstöcken vor wie die ersten Entdecker der Dino-Welt. Und heute begegnen wir auch kaum einer Menschenseele. Hohe Berge von allen Seiten, teils mit Schnee und Eis bedeckt, teils mit Bäumen und Moos bewachsen. Die Täler sind flach, hier und da ein kleines Wäldchen, getrennt von strahlend blauen Lagunen. Die Bäche und Rinnsale die hinein fließen, ergeben sich direkt aus den Gletschern, das Wasser schmeckt also fast wie Volvic- nein, besser sogar!

Leider ist es so kalt, dass man sich gerade so das Gesicht waschen und Zähne putzen kann, an baden ist überhaupt nicht zu denken. :-/

 

Die letzte Etappe unseres 3-tägigen Trekking-Trips führte uns auf den etwas mehr als 3400 Meter hohen Fitz Roy. Morgens um 4 Uhr sollte es losgehen, damit wir von oben den Sonnenaufgang beobachten können. Schon von unserem Campingplatz aus bemerkten wir den bedeckten Himmel, dachten aber, dass sich die Wolken bis dahin verzogen haben werden, bzw. von oben gar nicht zu sehen sind. Leider kam es noch schlimmer: Je höher wir stiegen, desto bedeckter, nebliger und stürmischer wurde es. Es fing sogar zu regnen an. Umkehren? Nein, niemals! Jetzt sind wir eh schon wach und Morgenstund‘ hat schließlich Gold im Mund ;-)

Die Anstrengung hat sich aber gelohnt. Einen herrlich roten Sonnenaufgang gab es zwar nicht, dafür eine –hinter einem Haufen Geröll versteckte- herrlich blaue Lagune. Eine halbe Stunde lang sind wir über Geröll geklettert, immer in der Hoffnung hinter dem nächsten Berg endlich etwas Spektakuläres zu sehen. Und dann endlich lag sie vor uns: Schimmernd blau, direkt unter dem Gletscher, irgendwie wie nicht von dieser Welt. Die Laguna de los Tres (bzw. die drei Lagunen, allerdings haben wir nur 2 entdeckt) Da kommt man sich vor wie auf dem Mond, Orkanböen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weg reißen und kaum ein Lebewesen weit und breit. Nur Steine, Steine Steine. Und dann, mitten drin, eine Lagune, in die man am liebsten rein springen möchte, hätte sie nicht gefühlte -5° Celsius. Einfach ein Traum!

 

8 ½ Stunden sind wir an dem Tag insgesamt gewandert. Vom Campingplatz aus hoch auf den Gipfel und dann bis runter ins Dorf. Danach waren wir mehr als k.o., dreckig und verschwitzt. Unser einziger Wunsch, eine Dusche, um die glühenden Füße und beanspruchten Wadln zu entspannen.

Aus irgendeinem Grund wurde am Morgen unserer Ankunft das Leitungswasser abgedreht und bis zum späten Nachmittag nicht wieder freigegeben. Die Dusche musste also erst einmal warten. Ebenso das Kochen, Wäsche waschen und Geschirr spülen, vor allem aber hatten wir auch kein Trinkwasser. Den Nachbarn des ganzen Viertels ging es genauso- kein fließend Wasser.

Man muss wissen, dass der Ort etwas aufgeteilt ist. Im Zentrum „regiert“ der Tourismus: Hotel an Hotel, Hostel über Hostel und Restaurant an Restaurant. Auf einem kleinen Hügel am Rande des Ortes stehen einfach zusammengeschneiderte Häuschen der Arbeiterschicht, bzw. der Einwohner. Dort kamen wir bei der Couchsurferin unter.

Wie später vermutet wurde (als wir nach mehreren Stunden immer noch kein Wasser hatten), hat man diesem Viertel extra den Hahn zu gedreht, damit in den Hotels und Restaurants der gut zahlenden Touristen alles reibungslos verläuft.

Immer wieder kam für 10 Minuten das Wasser zurück, danach wurde der Hahn wieder abgedreht. Blöderweise nutzte ich diese 10 Minuten zu spät und stand eingeseift unter der Dusche, als plötzlich kein Wasser mehr kam. Na toll, dachte ich, Gott hat es heute nicht gut mit dir gemeint… -.- Zum Glück steht in der Dusche aber ein kleiner Eimer, in dem etwas Wasser während des Duschens aufgefangen wurde, mit welchem ich die Seife einigermaßen abwaschen konnte.

Das Geschirr blieb stehen, Wäschewaschen wurde auf den nächsten Tag verschoben und Trinkwasser holten wir in Plastikflaschen aus dem Busbahnhof im Zentrum. Wir fanden uns also irgendwie zurecht.

 

Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie man ein komplettes Viertel ohne Wasser lassen kann, nur um den Touristen, welche viel Geld in das Ferienabenteuer Wandern stecken, alles hinterher zu schmeißen.  Steckt nicht gerade in solchen Situationen, das Abenteuer? Wenn nicht alles nach Plan verläuft? Was macht es schon, wenn die eigene Badewanne nicht mit Wasser gefüllt werden kann, vielleicht lädt einen der Nachbar ja auf eine Jacuzzi-Party ein und am Ende wird eine langjährige Freundshaft daraus?

Zumal doch alle Menschen gleich behandelt werden sollen und eine Touristenstadt ohne ihre Arbeiter auch nur ein Geisterdorf wäre. Aber die Einheimischen hier beschweren sich nicht, sie nehmen es hin und ärgern sich still und heimlich.

 

18.2.13 18:05
 



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