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Itchy Feet

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Geschichten von Geisterschiffen und -städten

Am Ende der Welt in Ushuaia angekommen leihen wir uns ein Auto für drei Tage, um Feuerland genauer kennen zu lernen und um auch in abgelegenere Orte zu kommen. Viele Straßen und damit eine Vielfalt an Tagestrips gibt es zwar nicht, auch auf der Fahrt von Rio Grande nach Ushuaia haben wir die einzigartige Landschaft bereits bewundern können, aber diesen Luxus wollen wir uns gönnen.

 

Stadtauswärts fahren wir über den Paso Garibaldi und vorbei am Lago Escondido, ein atemberaubendes Stück Fahrweg. Kurvige Straßen schlängeln sich leicht einen Berg hinauf, umgeben von Bäumen mit saftig grünen Kronen und dichtem, zum Reinbeißen verführerischem Gras. Die Täler zwischen den Bergen wechseln Ihre Landschaft von Kurve zu Kurve: mal flach und unbewachsen  (dafür scheint die Erde rot zu leuchten), mal wie in einem Hexenwald und mal fühlen wir uns wieder zu den Dinosauriern zurückversetzt. Am Ende des Paso Garibaldi angekommen sehen wir von oben auf den zwischen zwei Berhängen liegenden Lago Escondido herab, an dessen Ufern dünne Baumstämme bis zur Hälfte im Wasser stehen und mit grell leuchtendem, fast Neonfarbenen Moos bewachsen sind. Ein atemberaubender Ausblick!

Leider regnet es auf unserer zweiten Fahrt über den Paso (um nach Ushuaia zu kommen, muss man diese Straße lang fahren), die Täler sind mit Nebel verhangen und an den Bergspitzen hängen die Wolken. Und die leuchtenden Farben sind mit der Sonne auch verschwunden. Wir können also nur hoffen, dass es stimmt, dass es in Feuerland alle 4 Jahreszeiten an einem Tag geben kann und wir auf der Rückfahrt wieder mehr Glück haben.

 

Einmal abseits der Hauptstraße, fahren wir nur noch über Schotterwege vorbei an verlassenen Estancias und einigen Rinderherden, Pferdekoppeln und Schafkolonnen. Das ein oder andere Schäfchen kann plötzlich direkt vor dem Auto stehen, um dann in kleinen aber schnellen Sprüngen durch den Zaun ins sichere Gehege zu kommen.

Auch Guanacos trauen sich hier näher an die Straße heran. Zwar springen sie sofort hektisch und chaotisch weg, sobald sich ein Auto nähert, aber irgendwie fühlen wir uns wie auf Safari J

Einem Guanaco-Baby haben wir sogar das Leben gerettet, als es auf der Straße vor unserem Auto wegrennen wollte und bei dem Sprung über den viel zu hohen Zaun mit den Hinterbeinen hängen geblieben ist. Guanacos sind nicht besonders schlau, viele verheddern sich bei verrückten Sprüngen und sterben qualvoll. Auf den Landstraßen trifft man daher regelmäßig auf Guanaco-Skelette, die im und um den Zaun herum verteilt sind.

 

Unser Weg führt uns an die Ostküste Argentiniens, wir fahren soweit es geht, in diesem Fall bis unser Tank halbleer anzeigt und wir umdrehen müssen, da die nächste Tanke im letzten Ort auf der Hauptstraße liegt. Unsere Straße liegt direkt am Meer, sind die Bäume also nicht allzu hoch, können wir die ein oder andere Bucht entdecken. Und in der einen liegt plötzlich ein Schiff hinter einer Kurve. Mitten im Nichts! Kein Hafen, kein Häuschen, gar nichts hat darauf hingedeutet. Ein riesengroßes Schiff ist es sogar. Und es liegt viel zu nah an der Küste. Gut, es ist Ebbe, aber es liegt einfach viel zu weit im Landesinneren.

Bei genauerem Hinschauen erkennen wir, dass es sich um ein Wrack handelt und schon komplett verrostet ist. „Da müssen wir näher hin!“ Einstimmig abgestimmt fahren wir soweit es die Straße hergibt und laufen dann die letzten Meter an den Strand. Und dann liegt da tatsächlich ein riesengroßes Schiffswrack direkt vor uns! Dank der Ebbe können wir so nah dran, dass wir es von allen Seiten anfassen, bestaunen und bewundern können. Abblätternder Rost, kleine Algen und drum herum viele viele Steine und Muscheln. Dazu ein rauer Wind, kreischende Möwen, leichter Sprühregen und den Salzgeruch in der Nase. Es erinnert mich an Fluch der Karibik, nur irgendwie an die Ostsee verlagert. ;-)

Nein stopp, an der Ostsee kanns nicht so schön sein, sowas gibt es nur in Feuerland!  <3

Es kommt aber noch besser! Irgendwie hat der Dampfer im Boden ein Loch bekommen, entweder ist er dadurch auf Grund gegangen, oder das Salzwasser hat das Material mit der Zeit so porös gemacht, dass eben eine Art Eingang entstanden ist. Richtig, eine Art Eingang :D Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, das Geisterschiff von innen zu betrachten. Und so kraxeln wir über verrostete, veralgte  Rohre und morsches Holz und befinden uns im Bauch des Schiffes. Und da liegt sogar noch die Schiffsladung! Zementsäcke haben sie damals wohl transportiert. Einige Säcke sind noch komplett eingepackt, muss wohl ein Schiff aus dem Norden gewesen sein. (Chubut – Comodoro Rivadavia, Zementorio Portland) Wer waren „sie“ überhaupt? Wie viele waren es? Ist jemand bei dem Unfall ums Leben gekommen? Liegen hier vermutlich noch Leichen? War es überhaupt ein Unfall? Wo wollte der Dampfer denn hin? Und vor allem, WANN ist das alles passiert? Wie heißt das Schiff und vielleicht gab es ja noch andere Schätze an Bord? Fragen über Fragen, die uns in diesem Moment erstmal keiner beantworten kann. Schließlich sind wir hier nicht in einem Museum, sondern live vor Ort!

Wir klettern aus dem Schiffsbauch auf einer verrosteten und nicht sehr sicher aussehenden Matrosenleiter an Bord, die Tatsache, dass das Boot leicht geneigt liegt, lässt uns wie auf hohem Seegang fühlen – unser Gleichgewicht schwankt! J

An Deck angekommen, liegt dort sogar noch das Skelett des Rettungsbootes! Schritt für Schritt und supervorsichtig hangeln wir uns Meter für Meter vorwärts. Der Boden ist hier extrem porös und an vielen Stellen schon eingebrochen. Trotzdem schaffen wir einen kompletten Rundgang: Maschinenraum, Matrosenmasten, Kapitänshaus, Kojen, Toiletten, Kantine und einmal um die Reling herum, inklusive „Ich bin der König der Welt“-Foto! ;-) Einrichtung ist längst nicht mehr vorhanden, man kann sagen, dass es sich wirklich NUR noch um das verrostete Schiffsskelett handelt.

Einfach Wahnsinn, mehr kann ich hier nicht sagen!

 

Gefährlich hin oder her, in ein paar Jahren wird hier der Tourismus den Strand bevölkern, der erste ernsthafte Unfall wird passieren und der Dampfer wird entsorgt oder zumindest abgesperrt. Wir schätzen uns also glücklich, noch so viel Abenteuer, nein besser, Geschichte erlebt haben zu können.

Sobald wir zurück in der Zivilisation sind, werden wir den ganzen Fragen auf den Grund gehen und auch der, warum genau hier, am Ende der Welt so viele Schiffe untergegangen sind. Waren es die Stürme, die hier unglaubliche Kräfte gewinnen können? Oder steckt vielleicht sogar ein Mysterium dahinter, wie das des Bermudadreieck?

 

 

 

Kommen wir zur Geisterstadt. Nach der Erkundung des Schiffes wurde es langsam Zeit, einen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Das heißt nach unseren Vorstellungen einen einsamen See mit trinkbarem Wasser und einem schönen Stellplatz fürs Auto. Aber plötzlich gestaltet es sich immer schwieriger, auch nur annähernd einen solchen Platz zu finden, es ist, wie es wohl immer ist, dauernd begegnet dir ein schönes Fleckchen Erde und wenn du danach suchst, findest du natürlich nichts.

Nach einigen Stunden vergeblichen Suchens und Umherfahrens würden wir uns sogar mit einem Rinnsal zufriedengeben, Hauptsache einen Ort mit Wasser. 

Selbstverständlich fahren wir nicht ohne Karte planlos in der Gegend herum. Nur irgendwie scheint die Mappe aus der Touristeninfo nicht mehr auf dem aktuellsten Stand zu sein. Laut Karte finden wir an einer kleinen Kreuzung mitten im Wald ein riesengroßes blaues Schild mit der Aufschrift Estancia, Betten, Esssen, Reifen, Aussichtspunkt, Reiten und sonstiger Service zur Verfügung. „Da muss es Wasser geben! Dass wir wenigstens unsere Flaschen auffüllen können, um zu Kochen und Trinken zu haben.“

5 km weiter taucht dann auch tatsächlich eine Mini-Estancia auf. Allerdings verlassen, brüchig und von Service jeder Art weit und breit keine Spur. Ein Hund kommt uns entgegen, gefolgt von einem gruslig aussehenden Mann: dürr, eingefallenes  kantiges Gesicht und weiße zersauste Haare. Die starren dunklen Augen und der grimmige Blick sehen nicht gerade sympathisch aus, das „Ey, das hier ist Privatgelände“ lassen uns schnurstracks umkehren und uns unser Wasser anderweitig besorgen.

Nur wo? Da wir ein Mietauto mit Kilometerbegrenzung haben,  können wir auch nicht einfach drauf los fahren. „Um die Kurve noch, wenn da nichts ist, drehen wir um und fahren eben ins letzte Dorf zurück“ Hinter der Kurve kam dann ein Schild mit der Aufschrift „Hosteria Lago Yehuin“ – heißt fließend Wasser, ein ordentliches Klo UND direkt am See! Wir bekommen also doch noch einen Platz fürs Auto und unsere Bedürfnisse. Ein paar Kilometer weiter entdecken wir dann auch schon den See und hinter der nächsten Kurve auch die Hosteria. Oder zumindest das, was davon noch übrig geblieben ist: zwei große Gebäude, mit rosafarbenem Anstrich und Holzverkleidung scheinen hier irgendwann mal eine schöne Unterkunft abgegeben zu haben. Jetzt sind allerdings die Fenster eingeschlagen, Brandstellen in jeder Ecke zu sehen, Holzbodendielen fehlen und der ganze Komplex entpuppt sich als völlig leerstehende Ruine. Partys scheinen hier öfters gefeiert zu werden, Bierflaschen und Abfall liegen nämlich überall herum, aber sonst wohnt hier keine Menschenseele. (Hoffentlich!)

Der Wind hebt die losen Metalldächer auf und ab und lässt in jeder Ecke irgendetwas rascheln, klirren und scheppern. „ Nicht dass hier irgendwelche Penner hausen und uns in der Dunkelheit überfallen?“ Mit einem unguten Gefühl im Magen, ganz allein in dieser heruntergekommenen Absteige zwischen irgendwelchen Ruinen zu übernachten, überlegen wir, ob wir nicht doch noch zurück in den Ort fahren sollen.

Nein, wir drehen das Auto einfach so, dass unsere Sicht auf den See liegt und die Ruine gar nicht erst zu sehen ist!

 

Am nächsten Tag sieht das ganze gar nicht mehr so schlimm aus, die Nacht im Auto haben wir auch mehr oder weniger gut hinter uns gebracht und es kann gefrühstückt werden.

Aber wir wären nicht in Feuerland, würde nicht wieder etwas unseren Plan durchkreuzen: Ein Auto fährt an uns vorbei und macht wenige Meter weiter ein leckeres Asado. Und als hätten sie unsere hungrigen und neidischen Gedanken gelesen, werden wir spontan eingeladen, mitzuessen.

„Ob wir schon mal angeln waren?“ –Nö. „Ob wir es denn lernen wollen?“ – Okay, warum nicht!

Es geht doch nichts über Sport am Morgen und ein ordentlich gutes Stück Fleisch zum Frühstück! J

Als hätte es der Angelgott gemerkt, dass mir sein Sport nicht wirklich am Herzen liegt, falle ich beim Kraxeln über eine morsche, eingefallene Brücke natürlich ins Wasser! Gott sei Dank nur knapp über den Knöchel, der Schaden hält sich also in Grenzen ;-)

Dafür hat das Gegrillte wie immer hervorragend geschmeckt und wir haben wieder mal einen Beweis dafür, dass man Abseits der Touristenpfade und zusammen mit Einheimischen doch noch am meisten erlebt und somit ein Land am besten kennen lernen kann.

18.2.13 18:14
 



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