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Itchy Feet

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Auf Reisen ist man nie allein

4 Tage auf einer Fähre durch die chilenischen Fijorde, von Puerto Natales nach Puerto Montt. Mein Schlafplatz ist die obere Koje eines Stockbettes mitten im Gang. Die Betten sind wie Schränke in die Wand eingebaut und für ein wenig Privatsphäre mit einem kleinen Vorhang versehen.

Mir gegenüber ein steht ein weiteres Stockbett, nebenan sind die Toiletten und dann reihen sich weitere Kojen in verwinkelten Gängen aneinander. Ehrlich gesagt, ist es besser und vor allem sauberer als ich es mir vorgestellt habe. Gut gepflegte Möbel, saubere Laken, kein Staub und auch die Bäder sind makellos (für uns Backpacker zumindest ;-)).

Unter mir schläft PJ (Pedrijan oder so) aus Belgien und gegenüber Sa aus Japan und Dan aus der Schweiz. Gleich nach der Ankunft haben wir Mate geteilt und wie üblich, Reiseerfahrungen ausgetauscht und uns ein bisschen näher kennengelernt. Alle drei reisen alleine, jeder mit anderen Absichten bzw. aus anderen Gründen.

PJ schätze ich auf Ende 20, Anfang 30 (aufgrund der grauen Strähnchen, die er im Haar hat) und von Beruf Model (so sieht er zumindest aus). Er besucht seine Freundin, die in Santiago studiert und schaut sich eben die Gegend an; Sa ist eine Weltreisende, seit zwei Jahren ist sie unterwegs – Indien, Afrika, Europa, Nordamerika, alles einmal durch (wie sie das finanziert, keine Ahnung! Viele erben, manche arbeiten (auch übers Internet), Jugendliche haben oft reiche Mamis und Papis zu Hause sitzen und manche betteln und schleppen sich schon irgendwie durch); Dan ist wohl Mitte 30 und ein Trekking – und Outdoorfreak. Er wandert und klettert überall hoch, was einen Namen hat und steil nach oben geht.

 

Beim Frühstück und den ersten Bootsbesichtigungen stoßen wir schnell auf die restlichen Alleinreisenden: Franziska aus Rostock, hat ihr Medizinstudium gerade abgeschlossen und gönnt sich jetzt erstmal eine Pause bevor sie nach Schweden auswandert, um dort unter besseren Bedingungen als in Deutschland arbeiten zu können. Dann gibt es da noch eine Belgierin und noch einen Schweizer, über die ich leider nicht viel weiß und sie auch nur schlecht einschätzen kann. Pip kommt aus Australien, ist 21 und redet gerne und viel. Sie wollte schon immer mal trampen, hat sich alleine aber nie getraut. Mit ein bisschen Überzeugungskunst konnte ich sie dazu bringen, mit mir zusammen auf die Insel Chiloé zu trampen, um so an der Backpacker-Droge zu schnuppern ;-)

Trampen ist tatsächlich wie eine Droge: fängst du einmal damit an, kannst du gar nicht mehr aufhören. (Im Übrigen habe ich mir fest vorgenommen, die Deutschen auf die Probe zu stellen, sobald ich zurück bin: Per Anhalter von München an die Ostsee!)

Dann gibt es da noch eine andere Deutsche, die mit uns wohl nichts zu tun haben will; als wir auf das Thema „Deutsche im Ausland“ zu sprechen gekommen sind, meinte sie „sobald ich Deutsche höre gehe ich auf Kognito“ – und weg war sie. Einen Portugiesen gibt es auch noch, er verbringt viel Zeit vor seinem Laptop, wahrscheinlich schreibt er auch an einem Blog. Und zu guter Letzt ICH - mit meiner eigenen Art zu reisen und Menschen wahr zu nehmen: Mal werden sie von Anfang an ignoriert, mal stundenlang beobachtet oder gleich ab der ersten Minute quasi mit unendlich vielen Fragen gelöchert.

 

Völlig unterschiedliche Charaktere also, hätten wir uns irgendwo in einem Hostel oder in einem Kurs getroffen, wären wir bestimmt nicht aufeinander zugegangen und hätten ein paar Tage zusammen gegessen, Fotos gemacht, Tischspiele gespielt, Mate getrunken und Schokolade geteilt. Aber hier auf dieser kleinen Fähre gehören wir zusammen und bilden eine Gruppe, genauso wie die alten Ehepaare, die Familien, die Besatzung oder die Pärchen.

Und wer weiß, am Ende ziehen wir ein paar Wochen zusammen durch die Gegend und machen nach und nach einen Ort nach dem anderen unsicher.

Oft trennt man sich auch nach ein paar gemeinsamen Tagen und trifft sich Wochen später durch Zufall irgendwo anders wieder. Als ich mit einem deutschen Pärchen im Torres del Paine-Nationalpark in Chile unterwegs war, trafen sie zufällig ein Mädchen, mit dem sie in Brasilien den Amazonas runter gefahren sind. Kaum vorstellbar, dass sich Wege auf einem so großen Kontinent mehrmals kreuzen, da es allerdings nur wenige Hauptverkehrsstraßen gibt und alle in irgendeiner Stadt zusammenfließen, ist es eigentlich gar nicht so eigenartig.

 

 

16.3.13 02:32
 



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