gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



Itchy Feet

* Themen
     Kolumbien
     Venezuela
     Peru
     Bolivien
     A Farmer's Diary
     Chile
     Argentinien
     Auf See im Mittelmeer
     Unterwegs
     Mexico
     Teneriffa
     Gran Canaria
     Madrid

* mehr
     nächste Ziele






"Wer sich verliebt, der kehrt zurück"

Heute hat mir ein wildfremdes Mädchen ihr Pferd gesattelt und gesagt „Du kannst aufsteigen und reiten wohin du willst. Ich werde solange hier warten.“

Eigentlich undenkbar, einem völlig Unbekannten sein Pferd zu leihen, oder? Ohne diese Person wirklich zu kennen. Sei es nun aufgrund des Misstrauens in die Reitkünste desjenigen oder in die Raffinesse und Faulheit des eigenen Vierbeiners. Und wenn, dann sowieso nur gegen Geld.

Wie es dazu kam?

Seit zwei Wochen wohne ich bei einer Couchsurfing-Family in Puerto Natales. Heute haben sie mich mitgenommen, um Onkel und Tante aus dem Nachbarsdorf zu besuchen.

Der Onkel arbeitet auf einer Estancia und die Tochter des Besitzers war eben jenes Mädchen, das mir einfach so ihr Pferd für einen Ausritt lieh. (Meine Reiterfreunde werden verstehen, warum mich das so verwundert. Ein solches Vertrauen wird einem Fremden in Europa einfach nicht so leicht entgegengebracht.) Ich hoffe sehr, dass ich diese Lebenseinstellung während meiner Reise aufnehmen, verinnerlichen und nach Hause mitnehmen kann. Oder wie meine Gastmama sagt „So eine Handlung basiert nicht auf Vertrauen, das sind Kleinigkeiten des Lebens, an denen sich hier niemand aufhängen will“

Dieser Lebensstil gefällt mir sehr, natürlich kann es auch sein, dass nur hier in Patagonien alle so offen und herzlich sind. Niemand will dir wirklich etwas Böses, jeder ist interessiert an deiner Geschichte und alle Einheimischen schimpfen auf die Landsleute aus dem Norden: „Pass bloß auf dich auf da oben, da sind sie verdammt hinterlistig! Hier unten in Patagonien, da tut dir keiner was. Da spielen die Kinder selbst im Dunklen noch auf der Straße.“

 

Patagonien. Das ist nicht nur eine Landschaft, die einen zum Träumen und Fantasieren einlädt. Anfangs dachte ich das auch. „Oh, schick. Ist schon schön hier.“ Aber man muss hinter die Kulissen des Tourismus schauen, sich Zeit nehmen, viel Zeit und den Menschen offen und ehrlich entgegen gehen. Dann werden sie dich nicht als gewinnbringende Einnahmequelle betrachten, sondern dir ihre Heimat, „IHR“ Patagonien zeigen, bzw. wird sich Patagonien dann dir zeigen.

Dann wirst du merken, dass diese Weiten mehr als ein Landstrich sind. Mehr als sturmgepeitschte Bäume, endlose Steppen, traumhafte feurig rote und grell orangene bis hin zu warmen lila schimmernden Sonnenauf- und –Untergängen, einzelne Rinderherden, ein paar Schäfchen, verlassene und von der Außenwelt abgeschottete Estancias und hohe Berge mit königsblauen Seen.

„Hier unten ist es ruhig, nicht so hektisch wie in den Großstädten und die Leute lassen dich in Frieden.“ Das ist die Antwort der meisten, die ich frage, warum sie aus dem bevölkerten Norden nach Patagonien gekommen sind. Und sie haben Recht: Du kannst hier tun und lassen, was du willst, keiner wird dich zurechtweisen oder sich irgendwie unnötig einmischen wollen.

Hast du dir einmal die Zeit genommen, um die Gegend auf dich wirken zu lassen, dann wird dir recht schnell klar, dass es sich um mehr als nur eine Landschaft handelt. Balsam für Geist und Seele eben …

 

Das klingt merkwürdig und super spirituell aber ich glaube, da ist was dran an dem Spruch „Wer nach Patagonien kommt und sich verliebt, der wird zurückkehren“ – Irgendwann.

 

 

Vielleicht kann ich es noch anders erklären:

Wir haben hier Sommer und es stürmt, regnet und übersteigt nur selten 15° Celsius. Im Winter liegen hier Unmengen an Schnee, die ganze Landschaft ist dann also komplett eingefroren.

Überhaupt nicht mein Ding und bisher war es mein Ziel, an einem Strand irgendwo in der Karibik in Flip-Flops und Bikini zu arbeiten, aber stattdessen hält mich diese Region mit seinen unglaublichen Persönlichkeiten fest.

Sei es die Couchsurfing-Familie aus Chaltén oder die aus Puerto Natales (bei denen ich mich nach zwei Tagen bereits wie zu Hause gefühlt habe und am Ende ganze drei Wochen dort verbracht habe), das Mädchen mit ihrem Pferd, die Tramper, die uns Geld gegeben haben, damit wir uns etwas Ordentliches zu Essen kaufen sollen oder die LKW-Fahrer, die uns über 10 Ecken einen Schlafplatz vermitteln.

 

Patagonien steht vor allem für eine Vielfalt an Trekking- und Wandertouren. Beides habe ich vorher noch nie gemacht und ein Freak ist aus mir während meiner zwei Touren auch nicht geworden, trotzdem klebe ich seit 2 Monaten hier fest und komme von den tiefblau und türkis-leuchtenden Lagunen mit den mit Schnee bedeckten Bergen einfach nicht los.

 

Nachvollziehen kann man es mit Sicherheit nicht und verstehen wahrscheinlich noch weniger, als normaler Durchreisender schon gar nicht. Man muss es einfach erlebt haben und hier setze ich die Betonung auf ERLEBT.

16.3.13 02:39
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung