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Itchy Feet

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Ein Einblick in ein patagonisches Familienleben

3 Fahrradstunden von Puerto Natales entfernt. Eine Straße ist nicht vorhanden, ein paar Reifenspuren Querfeldein zeigen uns den Weg zu unserem Ziel. Dorthin kommt Pepe, wenn er seine Ruhe braucht, wenn er an einem seiner vielen Projekte arbeiten will. Am liebsten würde er sein ganzes Leben hier verbringen, sagt er. Aber hier verdient man kein Geld für sein täglich Brot. „HIER“, das ist Pepe’s, Pepes Bruder‘s und Pepes Mama’s Haus- verlassen und einsam zwischen zwei Hügeln und vor einer Lagune gelegen hüten sie ein paar Schafe, Kühe und Hühner. Keine Nachbarn, kein Mini-Market, keine Bäckerei, nichts. Nur das Haus und ein alter Stall. Zwei Hunde sorgen dafür, dass sich die wilden Kaninchen nicht allzu schnell vermehren und zur Landplage werden.

Sonst gibt es hier nichts. Endlose Stille. Das „Mä“ der Schafe, das Zwitschern der Vögel oder der kreischende Sturzflug eines Mini-Adlers sorgen für die einzigen Geräusche weit und breit.

Da erscheint dir das Klopfen deines Herzens und dein eigener Atem plötzlich wie Lärm, eine Unruhe, die irgendwie nicht in dieses Fleckchen Frieden passt. Manchmal ist es so still, dass du sogar das Blut durch deine Adern rauschen hörst.

Und ein einzelner Reiter mit ein paar Hunden im Gefolge sorgen für die Überraschung des Tages, wie ein lauter, fröhlicher Zirkus, der für viel Trubel und Aufruhr in einem verschlafenen Dörfchen sorgt.

 

Das ganze hört sich übertrieben an, ich weiß, und auch jetzt, 3 Tage später zurück in Puerto Natales, umgeben von Menschen, Autos, Uhren, dröhnenden Pc’s und kläffenden Hunden, kommt mir die Beschreibung deutlich übertrieben und unvorstellbar vor.  Als wäre es ein Traum gewesen, oder meine Fantasie, die mit mir durchgegangen ist. Aber ich kann mich glücklich schätzen und mit Sicherheit sagen, dass es diesen friedlichen Ort tatsächlich gibt.

 

Pepe und sein Bruder fahren zum Geldverdienen nach Puerto Natales oder in die Nachbarstadt, in dieser Zeit bleibt Mama Pepe allein zurück. Manchmal leistet ihr ihre Schwiegertochter mit ihren beiden Enkeln Gesellschaft, dann ist der Zeitvertreib und die Langeweile nicht allzu schlimm.

Was sie sonst den ganzen Tag so macht, habe ich sie gefragt. Sie spaziert am Strand der Lagune entlang und verbrennt das angespülte Holz und die Knochen verendeter Tiere. Warum? Um den Strand sauber zu halten, damit er ordentlich aussieht, sollte mal jemand vorbei kommen. Mehr gibt es hier nicht zu tun, sagt sie mit einem kleinen Lächeln im Gesicht.

 

Die beiden Enkel sind 10 Monate und 3 Jahre alt, sobald sie das 5. Lebensjahr beginnen, müssen sie in einen Kindergarten gehen. Für die Familie würde das bedeuten, in die Stadt zu ziehen, oder jeden Tag 3 Stunden reine Fahrtzeit in Kauf zu nehmen.

Natürlich ist das keine Frage des Könnens oder Wollens, sondern eine Frage der Familiengeschichte. Welche Familie will schon ihr eigenes Land, ihr eigenes Hab und Gut verlassen? Andererseits steht die Bildung der Jüngsten an erster Stelle. Die Regierung arbeitet hier an einem Projekt, welches Lehrer in regelmäßigen Abständen zu den Estancias und den Kindern nach Hause schickt, um vor Ort mit ihnen zu lernen. Bei jedem Besuch werden dann Aufgaben dagelassen, welche die Eltern bis zur nächsten Visite mit ihren Kindern erledigen müssen.

Ob sich dieses Schema noch rechtzeitig durchsetzt bleibt für Pepe’s Familie nur zu hoffen.

16.3.13 02:45
 



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