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Itchy Feet

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Backpacker meets Businessman

In Puerto Varas in Chile hatte mich Christian eingeladen, um bei ihm Couch zu surfen. Laut Profil ist er 44 und auf seinen Fotos sieht er etwas schmierig aus. Da mir aber sonst keiner auf meine Couchanfragen geantwortet hatte und seine Referenzen durch und durch positiv waren, nahm ich seine Einladung an. Und es stellte sich mal wieder als voller Glücksfang heraus. Schon als wir am Vortag kurz telefonierten meinte er, dass das größere Zimmer leider schon vergeben ist, ich müsste mich also mit dem kleineren Zimmer abfinden. Ob das für mich ok wäre. Ob das für mich OKAY wäre? Mir reicht ein Platz für meine Matratze völlig aus!

Am nächsten Tag holt er mich mit seinem Cousin am vereinbarten Ort ab und wir fahren zu seinem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Haus. Auf den ersten Blick scheint die Gegend wie eine Neubausiedlung, noch viel freies Land und nur die ersten Häuser bereits gebaut. Dass es sich bei diesem Viertel um die Wohnsitze der Wohlhabenden handelt ist mir zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht klar. Die Einfahrt zu seinem Haus liegt am Ende einer kleinen Schotterstraße und sein Grundstück hinter einem elektrischen Tor (welches man aus mehreren 100 Meter Entfernung bereits per Klick öffnen kann) Einmal hinter diesem Stahltor führt uns ein weiterer Kiesweg umgeben von blühenden Sträuchern und akkurat gepflanzten Blumen ca. 50 Meter direkt zu seinem Hauseingang. Oder besser gesagt zu dem Eingang seiner Villa.

Es ist zwar nicht überdimensional groß, sein Haus, aber die Tatsache, dass er dort ganz alleine wohnt und ich mein enges Zelt bzw. deutlich kleinere Wohnungen gewöhnt bin, lassen es für mich wie eine Villa aussehen: Da gibt es eine große offene Küche gleich neben dem Eingang mit weißer Garnitur, schwarz weißem Fliesenboden, US-amerikanischem High-Tek-Kühlschrank und einer kleinen Anrichte mit Barhockern. Das nächste Zimmer ist das Wohnzimmer mit schickem glänzendem Holztisch, passenden Stühlen, einer bequemen Ledercouch und ein paar Ölgemälden an der Wand.

Den Flur entlang liegen rechts die beiden besagten Zimmer, das „Größere“ davon mit Doppeltbett und verspiegeltem Kleiderschrank, das „Kleinere“ mit bequemem Einzelbett und einem einfachem, in die Wand eingebauten Regal. Auf der linken Seite des Flurs liegen die beiden dazugehörigen Badezimmer, einmal mit Dusche, einmal ohne. Dazwischen führt noch eine Treppe in das Dachgeschoss, wo das Büro, bzw. nebenan der Fitnessraum entstehen sollen.

Am Ende des Ganges befindet sich Christians Zimmer mit begehbarem Kleiderschrank und einem großen hellen Badezimmer. Alle Räume sind mit riesigen Fenstern ausgestattet, das komplette Haus wird also mit Tageslicht durchflutet.

Im Garten geht es weiter. Der ganze Rundgang dauert etwa 15 Minuten und führt uns über einen Fußballplatz für seinen Sohn zwischen diversen Apfelbäumen, Eukalyptus-Sträuchern und hohen, breiten Pinien zu einem versteckten Grillplatz, einem aufblasbarem Schwimmbecken, der Gartenlaube und einem kleinen Gewächshaus. Hier wachsen Tomaten, Kürbisse, Karotten, Brokkoli, Salate und viele viele Kräuter. Nebenan steht noch der Hühnerstall, hier gibt es fast jeden Tag 4 frische Eier. Bald sollen noch ein Hahn und drei Hasen dazu kommen.

Verziert wird das alles mit großen bunten Blumen, alle akkurat angepflanzt und die Hecken ordentlich gestutzt.

Jetzt frage ich mich, warum zur Hölle er hier alleine wohnt, fällt ihm das alles nicht auf den Kopf? Er arbeitet viel, viel zu viel. Hat - soweit ich das einschätzen kann - zu wenig Zeit für seine Söhne (die bei ihrer Mutter im Nachbarsort wohnen) und kann, wie er selbst sagt, das ganze Geld, das er verdient, gar nicht so schnell ausgeben. Ihm fehlt die Zeit dazu.

 

Meine Erkundungstour führt mich am nächsten Tag in die Nachbarschaft und dabei muss ich feststellen, dass Christian‘ s Haus noch recht klein und vor allem sehr spärlich dekoriert ist. Große moderne Häuser mit riesigem gut gepflegtem Grundstück reihen sich da aneinander, bewacht von mindestens zwei Hunden. Bei einem Grundstück steht das Tor offen und plötzlich rennen drei junge "Kampfhunde" kläffend auf mich zu. Schreien? Weglaufen? Angst haben? Ausflippen? Nein- anspringen und abschlecken lassen muss ich mich Welch Vorurteil…

 

Lustig, wie zwei verschiedene Welten plötzlich aufeinander treffen können: Christian, der erfolgreiche Geschäftsmann mit den guten Tischmanieren (nicht, dass ich keine hätte, nur habe ich mich in den letzten Wochen an Essen aus einem Campingkochtopf gewöhnt ;-) ) und dem geregelten Tagesablauf. Und ich, die Backpackerin, mit null-Plan, ausschlafen und mal-sehn-was-morgen-kommt-Einstellung.

Doch nach bereits zwei Tagen wird es mir zu leer und zu still in dem großen Haus. Christian arbeitet von früh bis spät, ich habe die Villa also für mich allein. Und überhaupt keine Ahnung, was ich dort anstellen kann, ich fühle mich irgendwie einsam, zu einsam für meinen Geschmack. Zwar ist es schön, so naturverbunden und ohne Straßenlärm aufzuwachen, aber ein bisschen mehr mit Leben würzen, etwas Abwechslung könnte nicht schaden. Ein Hund oder ein Pferd im Garten wären doch nicht schlecht. Aber Christian mag keine großen Tiere.

Ich vertreibe mir die Zeit also mit Brombeeren pflücken, koche daraus Marmelade und backe Apfel-Brombeermarmeladen-Streuselkuchen.

Und wirklich, ich hatte zwischendurch Angst, selbst zur Brombeere zu werden. An jeder Ecke, selbst in der Stadt schießen die Sträucher wie Unkraut aus dem Boden und bringen die dicksten und saftigsten Beeren zum Vorschein. Seltsamerweise hat hier niemand die Geduld oder Zeit, sie zu pflücken. Ein paar Leute verkaufen sie auf der Straße, aber die Chilenen scheinen nicht so Brombeerverrückt zu sein. Mir solls recht sein, so bleiben die Besten wenigstens für mich… ;-)

 

22.3.13 19:52
 



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