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Itchy Feet

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Eine Reise braucht auch einen Reinfall

Es ist Mitte März, die Hochsaison ist zu Ende, aber hier und da trifft man vereinzelt noch auf ein paar Touristen. Ich bin in Puerto Varas, eine deutsche Kolonie mit typischer Architektur, deutschen Namensgebern für etliche Hotels und an jeder Ecke gibt es „Kuchen“ zu kaufen.

Das Zentrum ist nett gestaltet, allerdings hält es mich nicht länger als 3 Tage fest, auch die Architektur ist mir zu europäisch.

Ich habe wieder Lust, einige Tage zu campen und bitte meinen Host Christian, mich am nächsten Morgen an der Straße Richtung Norden abzusetzen. Einige Kilometer weiter liegt der kleine Ort Frutillar. Hört sich nett an und irgendwo habe ich im Hinterkopf, dass es dort recht schön sein soll. Mehr weiß ich aber nicht. Also auf nach Frutillar. Getrampt natürlich.

Eine halbe Stunde später werde ich am Ortseingang ausgesetzt. Mir wird noch erklärt, dass sich der Ort in Frutillar Alto und Frutillar Bajo teilt, letzteres liegt unten am See und ich befände mich nun in Frutillar Alto.

Es ist halb 10 morgens, unter der Woche und einige Leute laufen zur Arbeit oder gehen einkaufen. Dieser Ortsteil scheint recht belebt zu sein: Hier ein Einkaufscenter, dort ein Mini-Mercado und wie üblich viele kleine Familiengeschäfte auf der Straße verteilt. An Hostels und anderen Unterkünften mangelt es bei weitem nicht, aber einen Campingplatz muss ich erstmal suchen. Ich frage eine nette ältere Dame, die mich auf einen kleinen Camping am Ende der Straße verweist. Einmal dort angekommen, werde ich abgewiesen, die Saison sei vorbei und die Inhaber müde und erschöpft von den ganzen Touristen, die im Sommer da waren. Auf gut Deutsch, sie haben wohl keine Lust eine Person in ihrem Garten (größer war der Platz wirklich nicht) campen zu lassen. In Frutillar Bajo gäbe es aber noch einige, die wären offen.

Also laufe ich weiter und weiter und natürlich zuerst in die falsche Richtung, was mir daran bewusst wird, dass die Häuser immer größer, eleganter, moderner und teurer werden. Auch die Architektur ist die gleiche wie in Puerto Varas- nämlich deutsch. Und ich behaupte, dass es hier doppelt so viel „Kuchen“ zu kaufen gibt…

Mittlerweile ist es 11 Uhr und keine Menschenseele auf der Straße. Ein paar ältere Ehepaare, aber die lassen sich an einer Hand abzählen. Auch die meisten Geschäfte haben geschlossen und die, die geöffnet sind, machen länger Mittagspause, als dass sie ihre Kunden betreuen. So langsam ahne ich, dass es sich hier wohl um eine verschlafene Kopie von Puerto Varas handeln muss.

Irgendwann finde ich endlich einen Campingplatz, der mich trotz Nebensaison mein Zelt aufschlagen lässt. Außerhalb des Ortes, fern von jeglichem Verkehr, umgeben von grasenden Kühen, Apfelbäumen, Brombeersträuchern und sich rupfenden Enten bin ich die einzige Camperin.

Die Besitzer sind gerade dabei, Schäden der Hauptsaison zu reparieren und auch die Plätze weisen deutliche Gebrauchsspuren auf: kahle Stellen auf der Wiese und in einigen Ecken Plastikflaschen, kaputte Fußbälle und lockere Zäune.

 

Gerade eben wird keine 100 Meter hinter mir ein Schwein geschlachtet. Es quiekt und zappelt, und schreit um sein Leben. Aber keine Chance- es wird an den Ohren gepackt und hinters Haus gezogen. Dann höre ich nur einen dumpfen Schlag, das Geschrei hat ein Ende und in null komma nichts wird es schon ausgenommen.

(Das wollte ich nur mal anmerken.)

 

Später mache ich einen Spaziergang durch Frutillar Bajo und was ich anfangs schon ahnte, wird mir jetzt bewusst: das Dorf ist nicht verschlafen, es ist tot. Ausgestorben. Auch nachmittags sind nicht mehr als 20 Leute unterwegs, viele Geschäfte haben immer noch geschlossen und viele Restaurants die Stühle hoch gestellt.

Selbst einen kleinen Mercado zu finden, der mir etwas Obst verkauft, wird zur Herausforderung. (klar könnte ich die halbe Stunde nach Frutillar Alto zurück laufen, aber es würde bergauf gehen und dazu habe ich keine Lust ;-))

Ich liege noch ein paar Stunden am Strand und genieße die Herbstsonne, einen kompletten Strand für mich alleine hatte ich schon lange nicht mehr…

 

Am nächsten Tag laufe ich nach Frutillar Alto, hier entpuppt sich das belebt geglaubte Zentrum als genauso ausgestorben: Im Großteil der Geschäfte des Einkaufscenters herrscht gähnende Leere und in denen, die geöffnet haben, ordnen die Verkäufer gelangweilt Kleidchen und Postkarten.

 

Nun gut, ein Reinfall. Zum Glück kann ich meinen Rucksack packen und einfach weiterziehen…

 

30.3.13 17:18
 



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