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Itchy Feet

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Erdbeben im schmalsten Land der Welt

Wir fahren durch Talcuhano, die Stadt, die 2010 vom sechststärksten Erdbeben weltweit (8,8) seit Beginn der Aufzeichnungen heimgesucht wurde. Dem Beben folgte ein Tsunami, welcher die komplette Küste unter Wasser setzte und dabei Tausende von Menschen obdachlos machte.

Noch heute, drei Jahre später wohnen einige in Notunterkünften, welche durch den Staat bereitgestellt wurden.

Die Familie, bei der ich wohne, hatte Glück, mehr als Glück, es stürzte lediglich das Dach ein und der Kamin, der einst das komplette Haus beheizte, brach zusammen. Der Schock saß trotzdem tief in den Knochen, erzählen sie mir: „Stell dir vor, du wachst mitten in der Nacht plötzlich auf, weil dir die Decke auf den Kopf fällt und alles um dich rum wackelt, umfällt und zerbricht. Die Hölle ist das!“ (Auf meine Bemerkung hin, dass ich unbedingt mal ein leichtes Erdbeben erleben will, schütteln sie nur entsetzt den Kopf, beruhigen mich aber, dass ich früher oder später eines miterleben werde. Und tatsächlich, zwei Tage später liege ich abends im Bett und unterhalte mich mit Laura, meiner Gastschwester, als sie plötzlich inne hält, auf den Schrank und die Lampe im Zimmer schaut und meint „ein Erdbeben!“ - „Quatsch!“, erwidere ich, „ich merk überhaupt nichts!“ – „Doch, siehst du nicht die Lampe? Sie wackelt!“ Bis ich meine Brille aufhatte und mir den Lampenschirm genauer ansehen konnte, war schon wieder alles vorbei. Das einzige, was ich von meinem ersten Beben mitbekommen habe, war ein leichtes Klirren der Fenster, was ich für einen vorbeifahrenden Lastwagen gehalten hatte und eine aufgeregte Gastschwester)

Die Häuser an der Küste wurden damals alle überflutet, gelagerte Container am Hafen wurden ins Landesinnere gespült und prallten gegen Familienhäuser, Boote strandeten auf irgendwelchen Straßen und viele alte Gebäude brachen zusammen.

Noch jetzt, drei Jahre später, ist die komplette Stadt eine riesige Baustelle, überall werden Straßen, Stromkästen und Häuser renoviert, bzw. hergerichtet. Und so kommt es, dass neben fürchterlichen Ruinen, eingestürzt und vermodert, neue moderne Häuser stehen. Der Kontrast ist seltsam, kennt man den Hintergrund nicht, würde man meinen, dass hier Arm und Reich Tür an Tür zusammenleben.

 

Die Aufräumarbeiten begannen sofort und man versuchte den Menschen auf alle möglichen Art und Weisen neue Hoffnung zu schenken.  So hat zum Beispiel die chilenische Regierung beschlossen, die Sommerzeit für einen gewissen Zeitraum nicht zurückzustellen, damit die Chilenen längere Tage und mehrere Stunden Sonnenlicht haben.  Nun sind jedoch die meisten Smartphones und Tablets so eingestellt, dass sich die Sommer- und Winterzeit automatisch umstellen, der Beschluss der Regierung hat da natürlich keinen Einfluss. 

Mir hat man das Ganze selbstverständlich vorenthalten und ich musste erst komplett verwirrt und wütend auf mein Handy werden, bevor man mich aufklärte:

 

Per Anhalter komme ich um kurz vor sechs am Busterminal an, wo ich mich mit meiner Gastfamilie für 18 Uhr verabredet habe. Ich laufe in die Wartehalle, gehe aufs Klo und warte. Mein Handy zeigt 18:15 Uhr, ich kaufe mir ein Eis und warte. Und warte. Chilenen sind nicht die pünktlichsten, ich mache mir also keine Sorgen, sondern warte einfach noch. Laut Handy ist es mittlerweile 18:30 Uhr, ich wundere mich nur ein bisschen, dass die Uhr in der Wartehalle 17:30 Uhr anzeigt. Habe ich während der letzten 400 Kilometer vielleicht eine andere Zeitzone betreten? Und es ist tatsächlich erst 17:30 Uhr? Aber warum stellt sich mein Handy dann nicht um? Die Lautsprecherdurchsagen reden schon irgendwas von 19:00 Uhr, was bedeuten würde, dass die Anzeige tatsächlich nicht stimmt. Andererseits, hätte sich die Zeit geändert, hätte mir doch der LKW-Fahrer Bescheid gegeben, oder? Und mein - ein sensibles Smartphone – hätte sich umgestellt. Oder es spinnt? Das tat es in letzter Zeit öfter, oft hat mein Wecker eine Stunde zu spät oder zu früh geklingelt. Manchmal zeigt mir die Standby-Uhr und die Uhr im Wecker-modus auch verschiedene Uhrzeiten an. Momentan bleibt mir nichts anderes übrig als zu warten.

Eine halbe Stunde später klärt sich alles auf: Es ist 19:00Uhr, die Familie eine Stunde zu spät und die Anzeige defekt. Mein Handy funktioniert also richtig. – Noch.

Zuhause stelle ich meinen Wecker für den nächsten Morgen und plötzlich zeigt mein Handy drei verschiedene Uhrzeiten an: 23: 53 Uhr, 0:53 Uhr und 01:53 Uhr. Wie ich es drehe und  wende mit den Zeitzonen, es ändert sich nichts – drei verschiedene Uhrzeiten. Zum Glück gibt es noch Wanduhren, die stellen sich nicht um, wie sie wollen; es ist also 23:53 Uhr.

Am nächsten Morgen wache ich eine Stunde zu früh auf und würde das Ding am liebsten gegen die Wand werfen. Diesmal 2 verschiedene Uhrzeiten.

Um nicht völlig durchzudrehen, stelle ich den Modus auf manuell, in der Hoffnung, dass ich den nächsten Morgen nicht verschlafe…

 

Seit 2010 spielen nun jedes Mal zur Zeitumstellung die Handys in Chile verrückt und Angestellte kommen zu spät zur Arbeit, Schüler zu spät in die Schule und alles bricht in leichtes Chaos aus… ;-)

 

3.4.13 04:20
 



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