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Itchy Feet

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Das Hundebaby vom Straßenrand

Auf meinem Streifzug durch Algarrobo laufe ich durch eine Siedlung voll von Baustellen und unfertigen Straßen. Gerade gehe ich einen ungeteerten, sandigen Weg durch einen kleinen Park entlang, als ich neben mir am Straßenrand plötzlich ein kleines Wollknäul mit zwei großen müden Augen entdecke. Fast wäre ich vorbeigelaufen. Natürlich bleibe ich stehen und hebe das Hundebaby ersteinmal hoch. Abgemagert ist er, liebesbedürftig ohne Ende und das Fell ganz verstaubt. Ich schaue mich um, keine Hundemama in der Nähe und auch keine weiteren Babys. Was tun?

Am liebsten würde ich den Kleinen mitnehmen und neben Herrn Nilson zu meinem Reisegefährten machen. Aber ohne Dokumente würde er es wahrscheinlich nichtmal bis zur chilenischen Grenze schaffen. Ein paar Straßen vorher hatte ich eine Hündin gesehen, die ebenfalls Welpen hat. Ich will das kleine Häufchen Elend bei ihr lassen, in der Hoffnung sie wird es akzeptieren und aufnehmen.

In der Nähe treffe ich ein Pärchen, das mit seinem eigenen Hund spazieren geht und ich frage, was ich tun kann. Sie raten mir, es in der Nähe der Hündin zu lassen, sie wird ihn schon adoptieren. Der kleine, ausgehungert wie er ist, rennt natürlich schnurstracks auf die Zitzen zu und bekommt von der Hündin erstmal eine gewatscht. „ Das dauert. Lass ihn nur hier und geh weiter, nicht, dass er sich an dich gewöhnt. Die Hündin hat ihn schon im Auge.“

Traurig schaue ich das Pärchen an, sie selber haben fünf Hunde und werden wohl recht haben, oder? Eine andere Möglichkeit habe ich momentan eh nicht. Tierheime, Gnadenhöfe oder Auffangstationen gibt es in dem kleinen Ort nicht und aufnehmen wird ihn auch niemand, Straßenhunde sind hier genauso viele vorhanden wie Einwohner. (Gut, das ist etwas übertrieben, aber es gibt tatsächlich unzählige Straßenköter)

So entferne ich mich von der Ecke mit den Hunden und dem Pärchen, der Kleine läuft mir noch ein Stück weit hinterher und ich beschleunige meine Schritte, um mich nicht doch noch anders zu entscheiden und ihn in die letzte Ecke meines Rucksacks zu stopfen und mit auf große Reise zu nehmen.

 

In Chile wimmelt es von obdachlosen Hunden, doch bisher habe ich nur erwachsene gesehen, die eine Mülltonne umstoßen und Plastiktüten aufreißen können. Um die muss man sich keine Sorgen machen. Die können für sich selber sorgen. Ich weiß auch, dass es nicht der letzte ausgesetzte Welpe sein wird, dem ich auf meiner Reise begegne, aber ich verstehe einfach nicht, wie man so eine hilflose kleine Seele dem Hunger und dem Durst überlassen kann. „Die Menschen hier sind so, sie schenken ihren Kindern kleine Hundebabys, die ausgesetzt werden, sobald sie nicht mehr interessant sind,“ erklärt mir die Frau des Pärchens. Und da kann ich ihr nichtmal wiedersprechen, solche Menschen gibt es leider überall auf der Welt.

Ich habe ein schlechtes Gewissen und hoffe, dass die Straßenhundemama ein gutes Herz hat.

23.4.13 21:51
 



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