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Itchy Feet

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Knapp zwei Monate Chile - mein Fazit

 

Wenn wir von Südamerika reden, dann haben wir breite Strände voll von Latinas in knappen Bikinis im Kopf. Dann denken wir an 365 Tage Sonne im Jahr, bunte, farbenfrohe Märkte und an ärmliche Lebensverhältnisse.  Und dann erwarten wir eine relaxte und mal-sehn-was-morgen-kommt-Atmosphäre.

Das mag auf viele Länder zutreffen, auf Chile definitiv nicht. Im äußersten Süden, wo es nur noch 1000 km bis zur Antarktis sind, ist es fast das ganze Jahr über kalt und stürmisch. Und die Strände im Westen sind nur zur Hochsaison (Dezember-März, Ferienzeit in Chile)voller Menschen, sonst trifft man auf einsame und verlassene Küsten, so wie wir es uns eher in nördlicheren Ländern vorstellen (ich persönlich denke da an Island und Skandinavien) Die chilenischen Frauen legen sehr viel Wert auf ihr Äußeres, schon die jungen Mädchen laufen in bauchfreien Tops und Highheels durch die Straßen. In den Städten orientieren sich die Frauen stark an den USA, lesen Klatsch-Blätter und versuchen modisch immer  up-to-date zu sein.

Penibel und kleinkariert sind die Eigenschaften, die mir für einige Situationen treffend erscheinen, sie nehmen es mit manchen Dingen schon extrem genau und sind gar nicht so locker, wie wir Europäer uns das von einem Südamerikaner vorstellen. Sei es das Verbot in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken (und da vor allem die strikte Überwachung durch Polizei und Ordner), oder das Verbot, bestimmte Lebensmittel mit über die Grenze zu nehmen. In Argentinien gibt es diese Regeln auch, doch werden sie bei weitem nicht so streng eingehalten.

Einmal saßen wir bei einem LKW-Fahrer im Führerhaus, der uns von Argentinien nach Chile mitgenommen hat. Ich wollte an der Grenze noch schnell meinen Apfel essen, damit er nicht weggeworfen werden muss, als mir der Fahrer den Apfel plötzlich aus der Hand riss, mit den Worten „Wenn die Chilenen dich mit dem Apfel auf Ihrer Seite sehen, die lassen dich blechen!“ Und weg war er, mein Apfel. Aus dem Fenster geworfen. Und das 100 Meter vor der Grenze, noch bevor auch nur irgendein Ordner in Sicht war.

Auch Sandwiches, welche an sich erlaubt sind, aber mit einer Scheibe Salami belegt sind, müssen entsorgt werden.  Rucksäcke und Handtaschen von Touristen werden sowieso lieber 5-mal kontrolliert, einmal kam sogar ein Spürhund, um den Kofferraum zu durchsuchen.

 

Wirtschaftlich kann sich Chile gut selbst versorgen, da das Land fast alle Klimazonen durchquert, wird vieles selbst angebaut und hergestellt und nur wenig importiert.

Man könnte Chile also mit Deutschland oder Frankreich vergleichen, was die wirtschaftliche Situation betrifft; wenn es um die Lebensunterhaltungskosten geht, sprechen viele oft von der Schweiz. Und in der Tat sind einige Lebensmittel teurer als in München und die Mieten genauso hoch wie in einer deutschen Großstadt.

 

Ein Freund sagte mal „In solchen Ländern findet man zur inneren Ruhe und kommt der Menschlichkeit wieder näher“. Ich will nicht sagen, dass das genau auf Chile zutrifft, aber das Lebensgefühl, dass mir die Chilenen vermitteln, lässt mich jeden Tag definitiv glücklicher als in Deutschland starten. Und ich denke, in den nördlicheren Ländern wird noch viel viel mehr Wert auf Zwischenmenschliches und Lebensfreude gelegt als hier in Chile und Argentinien, welches beide doch sehr europäisch geprägte Länder sind. Da gibt es die zahlreichen deutschen Kolonien in Chile, mit deutscher Architektur, Cafeterien mit „Kuchen“, deutschen Schulen, deutschen Feuerwehrautos, deutschen Krankenhäusern, bis hin zu deutschen Sekten, die bis vor einigen Jahren (2005) noch sehr streng gehalten wurden. Die Villa Baviera war bis vor 8 Jahren ein Dorf, in dem nur Auserwählte wohnen durften und sich nach bestimmten Regeln des „Anführers“ Paul Schäfer richten mussten.

 

Trotzdem ist der Charakter der Menschen - lernt man sie einmal besser kennen- einfach nur liebenswert. In zwei chilenischen Familien habe ich jeweils ein paar Wochen gelebt und bin überall als zusätzliches Familienmitglied aufgenommen worden.  Nie war ich der Gast, die Eingeladene, immer wurde ich als Tochter, Enkel, oder Schwester aufgenommen. Und manchmal sind beim Abschied sogar Tränen geflossen.

 

Sie mögen sehr streng, sehr geordnet und sehr zielgerichtet sein, ein weiches Herz haben sie dennoch und das lassen sie dich auch wissen, sobald du ihnen zu verstehen gibst, dass du an ihrem Leben interessiert und nicht nur ein durchreisender Tourist bist.

 

 

Ich verlasse den südlichen Teil Chiles mit aufgefrischtem Vokabular (die Chilenen sprechen Spanisch

wie so manch Urbayer Deutsch, nämlich für alle anderen nicht  zu verstehen) und springe für ein paar Wochen wieder nach Argentinien.

 

28.4.13 01:27
 



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