gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



Itchy Feet

* Themen
     Kolumbien
     Venezuela
     Peru
     Bolivien
     A Farmer's Diary
     Chile
     Argentinien
     Auf See im Mittelmeer
     Unterwegs
     Mexico
     Teneriffa
     Gran Canaria
     Madrid

* mehr
     nächste Ziele






48 Stunden Straße, Trucks und Farmarbeit

Die letzten 48 Stunden waren extrem lang.

Angefangen hat mein Tag um 6 Uhr früh, ich wollte eine der ersten auf der Straße sein, um möglichst schnell in Mendoza anzukommen. Zu früh sollte es aber auch nicht sein, da ja sonst noch niemand unterwegs ist.  Zuerst klingelte mein Wecker eine Stunde zu früh. Wegen der Zeitumstellung von Samstag auf Sonntag. Und das konnte mir mein Host natürlich nicht schon am Samstagabend sagen, nein, das muss er mir morgens im Halbschlaf ins Ohr raunen. Dann vergaß ich mal wieder völlig, dass ich mir erneut einen Sonntag zum Trampen ausgesucht habe und da nur sehr sehr wenige Fahrzeuge unterwegs sind.

Nun gut, sei es wie es ist, um 8 Uhr neue Zeit stand ich dann mit meinem Rucksack auf der Straße. Um aus Vina del Mar herauszukommen, musste ich einen Bus (laut meinem Host den 209) nehmen und zu einem Kreisel fahren, an dem ich dann mein Glück versuchen konnte. Eigentlich hatte ich mir gesagt, aus Großstädten nicht raus zu trampen, da das zu umständlich und zu gefährlich ist, aber Vorsätze sind glaube ich nur dazu da, um nicht eingehalten zu werden… ;-) Noch an der Haustür sah ich den ersten 209er-Bus vorbeifahren, den bekam ich leider nicht mehr. Und der zweite hatte auf der Mittelspur eine Affengeschwindigkeit drauf und das Schild mit der Nummer auch noch falschrum, dass ich erst viel zu spät die richtige Zahl erkannte. Der Bus war also auch weg. Aber halb so schlimm, sie scheinen wenigstens regelmäßig zu fahren. Ja, SCHEINEN. Auf den nächsten wartete ich eine halbe Stunde, bis mich ein Straßenarbeiter fragte, wo ich denn hin will, ich würde ja schon so lange warten. - „Ja zu dem Kreisel, da nimm lieber den 214er da hinten beim Supermarkt, der fährt regelmäßiger.“ Gesagt, getan. Innerhalb von zwei Gehminuten war ich bei dem besagten Supermarkt und wartete an der Bushaltestelle. Und wartete. Und wartete. Alle möglichen Busnummern fuhren an mit vorbei, nur der 214er natürlich nicht. Ich fragte die Umstehenden, ob dieser Bus denn wirklich hier abfährt. „Ja, ja, klar!“ Okay, dachte ich mir, du bist hier nicht in Deutschland und es ist Sonntag, da gelten die Fahrtzeiten der Busfahrer, nämlich Pi mal Daumen. Also wartete ich noch eine Weile bis irgendwann eine Frau auf mich zukam und mich fragte, wo ich denn hin wolle, ich würde hier schon so lange stehen. „Ja zu dem Kreisel, da kannst du jeden Bus nehmen, der da drüben abfährt!“ Mit da drüben, meinte sie die andere Straßenseite -.-

Also wechselte ich erneut die Bushaltestelle, es war mittlerweile kurz nach 9 und ich nahm den ersten Bus zu besagtem Kreisel. In knapp 1 ½ Stunden bin ich geschlagene 400 Meter weit gekommen.

Dort angekommen wünschte ich mir das erste Mal an diesem Tag mein Ticket im ruhigen Langstreckenbus. Der Kreisel gleicht einem Verkehrskreuz und macht das Trampen, bzw. das Anhalten für die Autos fast unmöglich und damit auch gefährlich. Aber irgendwie wurschtelte ich mich durch und wurde ein paar Minuten später Richtung Ortsausgang mitgenommen. Das wars dann auch schon, weiter musste der Fahrer nicht. Das passierte mir an diesem Sonntag an jeder Kreuzung und an jeder Straßenecke. Weiter als ein paar Kilometer konnte mich niemand mitnehmen.

Mal stand ich mitten auf der Schnellstraße in der prallen Sonne fernab von jedem Klo und jedem Wasserhahn und freute mich schon auf den Sonnenstich am Abend und mal stand ich mitten in einem Dorf, in dem gähnende Leere und Sonntagsstimmung herrschte. Und jedes Mal, wenn ich nach ein paar Kilometern wieder raus geschmissen wurde, wünschte ich mir erneut den bequemen Langstreckenbus.

 

Am Ende hatte ich mich trotzdem fast bis zur Grenze durchgeschlagen und warte zusammen mit dem LKW-Fahrer auf die Öffnung unserer Rute zu den Zollgebäuden. Da die Straße in Bauarbeiten steckt, wird 12 Stunden lang für die eine Richtung geöffnet und 12 Stunden für die andere. Natürlich wusste ich das alles nicht. Woher denn auch? Hat ja niemand erwähnt… Ich wartete also knapp 4 Stunden auf einem Parkplatz zusammen mit ein paar eingefleischten Truckern und schwor mir, nie wieder aus einer Stadt heraus zu trampen. Gott sei Dank hatte ich diesmal Gesellschaft. (Im Bus hätte ich selbstverständlich auch warten müssen, aber das war mir in diesem Moment egal)

Um 8 Uhr abends ging es dann endlich weiter. Laut meinem LKW-Fahrer die 3. Gefährlichste Straße der Welt nach oben. (Laut Internetsuchmaschinen wird sie nichtmal unter den 12 gefährlichsten Strecken genannt; aber er hat die Strecke auch auf 5000 Höhenmeter geschätzt und die Zollbehörden auf 7000 Meter, was den höchsten Berg Amerikas mit 6900 Meter sprengen würde. Die Städte in Peru und Bolivien würden dann auch auf 10.000 Meter aufwärts liegen? … In Wirklichkeit waren wir jedoch nur knapp auf 2000 Metern Höhe ;-))

Leider war es bereits stockdunkel und ich konnte die Abhänge nicht genau erkennen, lediglich Umrisse und die extrem knapp geschnittenen Kurven. Es sah in der Dunkelheit allerdings nicht so sehr ungefährlich aus, wie die großen schweren LKWs sich die enge Straße hochschlängelten und mit leicht quietschenden Reifen in die knappen Kurven  legten.

 

Kurz  vor 23 Uhr kamen wir beim Zoll an und erledigten die ersten Papiere. Um weiterfahren zu können, brauchten die Lastwagenunterlagen aber noch einen bestimmten Stempel und die Beamten, die den ausgeben machen von elf bis ein Uhr nachts „Mittagspause“ Und da wir NOCH in Chile waren und da alles nach Plan verläuft, wurden auch pünktlich um 23 Uhr die Türen geschlossen,

Wir beschlossen etwas zu essen und dann eine Stunde im LKW  zu schlafen, damit wir schnell weiterkommen. Um 3 Uhr nachts ging es dann mit allen Papieren los und um 8 Uhr morgens kamen wir in San Rafael an. Dort holte mich der Farmer meines Volunteerjobs eine Stunde später ab und brachte mich zu den anderen Freiwilligenarbeitern auf die Finca. Die waren gerade aufgestanden und dabei die Tiere zu füttern. Mit der Arbeit ging es also sofort los, an duschen, geschweige denn schlafen war erstmal nicht zu denken.

 

Eine Dusche bekam ich am Abend mit heißem, frisch aufgekochtem Wasser aus dem Putzeimer (fließend warmes gibt es hier nicht), es gab leckere Spaghetti Bolognese und zum Nachtisch Melone aus dem Garten und dann, nach 48 Stunden Trouble und vielen neuen Eindrücken konnte ich endlich schlafen gehen und von der Arbeit auf der Farm träumen. J

(Dazu  beim nächsten Post mehr J)

 

 

12 Autos und 24 Stunden brauchte ich, um eine Strecke von etwa 700 Kilometern und 9 Fahrstunden zurückzulegen. Die beste Mitfahrgelegenheit war diesmal ein grün weißer Partybus. Mit blinkenden Signalleuchten fuhren sie langsam zu mir heran, ließen das Fenster herunter und fragten mich, wo ich denn hin wolle.

Mir wurde etwas mulmig, denn irgendwo in  meinem Hinterkopf hängt die Information, dass wenn dich die chilenische Polizei aufhält, dann musst du fast immer eine Strafe zahlen. Irgendetwas finden sie immer zum Aussetzen.

Aber nein, sie wollten mich tatsächlich ein Stück mitnehmen. Ich fragte noch, ob sie sich da sicher wären und ob sie nicht arbeiten müssten, da lachten sie nur und sagten „Komm, steig ein!“

Und zwei Minuten später saß ich hinter Gittern im Polizeiauto und haderte mit mir, ob ich nun –wie beim trampen üblich- DU sagen, oder die Herren lieber Siezen sollte….

 

1.5.13 20:40
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung