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Itchy Feet

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Tag 7 – Wir schlachten eine Kuh


 

Eine Woche bin ich jetzt hier auf der Farm in San Rafael, Argentinien. Alle Versuche, das Erlebte aufzuschreiben sind entweder gescheitert, oder gar nicht erst zustande gekommen. Deshalb nun auf die traditionelle Art: Ich schreibe ein Tagebuch.

Christa hat uns heute verlassen, wir sind also nur noch zu zweit. Max und ich. Vorgestern hat Arth die Farm gewechselt, er hat in der Nachbarschaft eine Familie gefunden, bei denen er seine mechanischen Kenntnisse anwenden kann. Max wird morgen oder übermorgen abhauen, dann bin ich mit Chucky, unserem neuen Hofhund, alleine.

Ganz alleine sind wir nicht, zwei Schafe, drei Ziegen, zwei Schweinchen, 8 Pferde, 8 Kühe und jede Mengen Spinnen gibt es ja noch.

Die anfallende Arbeit haben wir uns bisher geteilt und da die Felder momentan nicht wirklich bestellt werden, bleibt nur die Arbeit mit den Tieren. Eigentlich nicht viel, da jetzt aber fast alle die Finca verlassen haben, bin ich schon den ganzen Tag beschäftigt:

Morgens nach dem Frühstück füttere ich die Schweinchen, Schafe und Ziegen mit altem Obst und Gemüse aus dem Garten (was ich natürlich erst einsammeln muss) und mit  frisch gehauenem Unkraut (das haue ich mit einer Sense, ganz altbacken ;-)) Dann treibe ich die Pferde zur Tränke, versorge sie ebenfalls mit altem Obst und hole anschließend die Kühe zum Trinkreservat.

Danach putze ich ein wenig das Haus, wasche Geschirr oder koche Obst und Tomaten ein, fülle sie in Einmachgläser ab und hoffe, dass sie auch ohne Konservierungsstoffe lange halten. (Die abgefüllten Gläser muss man nochmal eine Weile in einem Topf kochen lassen, damit die Luft raus geht; dann sind sie lange haltbar)

 

Rund ums Haus gibt es immer was zu tun, die Wiese, die ich momentan entrümple verbirgt einige merkwürdige Sachen. Neben viel zu viel verhedderten und verrosteten Drähten finde ich einen alten Mate – Becher, einen ledernen Babyschuh, viele viele Autoreifen und unter einem Zementpfosten eine fette schrumpelige Kröte.

Anschließend muss ich Mittagessen kochen (wenn Max weg ist, werde ich denke ich später frühstücken und Mittag und Abendessen auf eines schieben)

Nachmittags kommt dann Wara, der Gaucho, der für 4 Stunden mithilft, die Farm auf Vordermann zu bringen. Zusammen mit ihm grabe ich Furchen für die Bewässerung der Felder, bzw. säubern schon vorhandene.

Holz muss auch noch gesammelt und gehackt werden, um das Haus abends ein wenig einzuheizen. Den Dreh mit dem Hacken hab ich noch nicht ganz raus und bisher macht das Gott sei Dank noch Max. Aber learning by doing..

 

Unser Wasser zum Kochen, Duschen, Waschen, Zähne putzen etc. nehmen wir aus einem kleinen Reservat neben dem Haus. Das wird normalerweise alle paar Tage mit Wasser vom naheliegenden Fluss gefüllt, in den nächsten zwei Wochen lässt die Regierung jedoch kein neues zu uns durchlaufen (aus welchen Gründen auch immer), wir sollten also mit dem vorhandenen zurechtkommen. Wir haben einen extra Ofen, der das Wasser erhitzen kann, damit wir warm duschen können, allerdings benötigt der genauso viel Holz, wie der im Haus, wir müssten also doppelt so viel sammeln.

Um uns das zu ersparen, erhitzen wir zum Duschen einen Topf voll Wasser auf dem Gasherd, mischen das heiße Wasser dann mit etwas kaltem und stellen uns mit dem Topf dann in die Dusche. Extrem ungewohnt, aber es funktioniert. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

 

Neben vielen neuen, kleinen, täglichen Erfahrungen haben wir vor ein paar Tagen eine Kuh geschlachtet. Aus meinem Heimatdorf weiß ich zwar, dass die nicht lila sind, aber metzgerfertig habe ich noch keine gemacht. Am Tag davor haben wir die Auserwählte von der Herde getrennt und in eine graslose Koppel gestellt, damit sie die letzten 12 Stunden nichts mehr frisst, damit der Darm weitgehend leer ist.

Morgens um 8 ging es dann los. Ganz traditionell wurde sie mit einem Lasso eingefangen und an den Koppelzaun gebunden. Dort zog sie so fest am Strick, dass sie sich selbst den Atem abschnürte und nach wenigen Minuten zu zappeln aufhörte, um sich nicht zu erwürgen. Einer der Gauchos kraxelte auf den Zaun neben der Kuh und gab ihr mit einem normalen Holz - Hammer einen festen Schlag auf den Kopf. Und aus war das Licht. Sie fiel zu Boden, ihr wurden die Beine zusammengebunden und sie bekam sicherheitshalber noch einen zweiten und einen dritten Schlag auf den Kopf. Dann wurde ihr die Kehle durchgeschnitten, damit sie ein bisschen ausbluten kann und die Hunde freuten sich über ein leckeres Frühstück.

Nach etwa 5 Minuten hievten 5 Männer das 250 Kilo schwere Rind auf die Tragefläche einen Pickups und fuhren das Tier zum Endverbraucher. Eine vierköpfige argentinische Familie lebt von den ca. 150 Kilo Fleisch nichtmal vier Wochen. Es gibt also morgens, mittags und abends Rind.

Was in Europa unter äußerst hygienischen und für das Tier stressfreieren Umständen von Statten gegangen wäre, fand hier mitten auf der Koppel, neben der nächsten Schlammpfütze statt.

4.6.13 18:08
 



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