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Itchy Feet

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Tag 32 – Frischfleisch und Abschied nehmen

Heute wurde wieder ein Kalb geschlachtet. Gestern haben wir es zusammen mit der Mutter von der Herde getrennt und in einen Roundpen gesteckt, wo es möglichst nichts mehr zu fressen hat. In der Früh kam der Käufer mit Lasso, Hammer und geschärften Messern und in 10 Minuten war die Sache geritzt: Eingefangen, mit dem Hammer zwischen die Augen aufs - ich nehme mal an - Gehirn geschlagen und die Kehle durchgeschnitten. Die Hunde haben sich wieder wie kleine Vampire auf das ausrinnende Blut gestürzt und bevor die Sonne richtig aufgegangen war, war schon wieder alles vorbei. Der Deal diesmal waren 2600 Pesos (385 Euro) und ein schönes Stück Filet zum Grillen.

Gut zwei Stunden nachdem das Kalb abtransportiert wurde, sind wir zum Käufer gefahren, um das versprochene Stück Fleisch abzuholen. Was in Europa in einem sauberen, desinfizierten Raum geschehen wäre, spielte sich hier direkt auf dem Hof ab: Das bereits gehäutete Kalb hang Kopfüber und mit den Hinterbeinen an einem Querbalken befestigt und einem Stahlseil in einem Baum verknotet fest. Die Vorderhufen und der Kopf bereits abgetrennt. Letzterer wurde auch komplett gehäutet und mit einem Stahlhaken durch die Zunge gebohrt und ebenfalls aufgehangen. Der Käufer (übrigens derselbe wie vor zwei Wochen)  war gerade dabei, Darm, Magen, Lunge und alle anderen möglichen Eingeweide auszuwaschen und den Hunden zu überlassen. Alles in allem ein einmaliger aber irgendwie kannibalischer Anblick. Robbie holte sich sein Filet in einer kleinen Plastiktüte ab und warf es mir im Auto zum Halten auf den Schoß. Wie warm es noch war!!! Metzgerfrischer geht’s wohl kaum!

Mittags kamen zwei Freunde von Robbie zum Grillen und wir bekamen selbstverständlich ein Stück von unserem Filet ab. Linda, unsere holländische Vegetarierin, fragte mich, wie es denn so schmeckt, unser armes kleines Kalb mit den süßen Knopfaugen. „Hm, exzellent! Das ist nunmal so. Gerade hier in Argentinien. Da muss jede Kuh irgendwann mal durch.“

Das Fleisch war so gut wie jedes andere, das ich hier gegessen habe und die Tatsache, dass es biologischer gar nicht geht, lies es noch dreimal so gut schmecken. Jeden Tag hab ich es versorgt und geschaut, ob mit ihm alles in Ordnung ist. Zusammen mit seiner Herde habe ich es täglich zum Wasser gebracht und dafür gesorgt, dass es das richtige und genügend Gras frisst.

Und bei der Schlachtung, Verarbeitung und Zubereitung waren wir selbst dabei. Biologischer geht’s kaum oder? J

Als ich abends zurück auf unsere Farm gefahren bin und schon von weitem die Mutterkuh gesehen und vor allem gehört habe, wie sie noch immer an genau derselben Stelle wie in der Früh steht und sich noch immer die Seele aus dem Leib nach ihrem Kalb schreit, da hatte ich schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Immerhin wird ihr Kind nie mehr zurückkommen, ganz im Gegenteil, es war schon lange auf dem Weg durch meine Verdauung…

 

Max ist heute abgereist. Ganz kurzfristig. Seine Oma liegt in Australien im Krankenhaus und wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich sterben, da will er selbstverständlich bei ihr sein.

Sein Motorrad muss er hier lassen und somit auch seinen Südamerika-Trip abbrechen, er fliegt über die Staaten so schnell wie möglich heim. Da seine Maschine allerdings sein ein und alles ist, muss er irgendwann wieder kommen, aber bis dahin steht sie gut versorgt in Mike’s (unser Nachbar) Garage.

In den vier Wochen ist mir Max wahnsinnig ans Herz gewachsen, wie ein großer Bruder ist er für mich geworden. Sehen werden wir uns wohl nie wieder, man kann leider nicht alle Menschen zweimal im Leben treffen.

Und eines der wenigen Gesetze, die wir Backpacker befolgen müssen, heißt Abschied nehmen von tollen Menschen mit tollen Charakteren, auch wenn wir noch gar nicht dafür bereit sind. „Asi es el Ley del mochilero// Das Gesetz der Backpacker“ Leb wohl und pass auf dich auf, großer Bruder; wir bleiben in Kontakt…

 

Gebacken habe ich heute wieder. Brot, einen Kuchen und Cookies. Handmade und Homemade. Es gelingt mir jedes Mal besser. Das Brot und der Kuchen brennen nicht mehr an und die Cookies sind härter als die letzten. Allerdings noch nicht kross genug.

4.6.13 21:52
 



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