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Itchy Feet

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Die guten und schlechten Seiten des Reisens am Straßenrand

Ich sitze in der Sonne vor einem botanischen Garten und warte auf Martina, meinen kroatischen Travelbuddy.

Endlich habe ich etwas Zeit und Ruhe, um die letzten Tage Revue passieren zu lassen:

 

Getroffen habe ich Martina in Amaicha del Valle, ein kleines Dorf mitten in den Anden. Zusammen wandern wir einen Tag lang durch die wunderschöne Landschaft des argentinischen Nordens. Strahlendblauer Himmel, unzählige Monsterkakteen, die sich stufenweise über die Berghänge verteilen und ein klarer Blick auf die Anden. 360 Tage im Jahr scheint hier die Sonne, quasi ein Paradies zum Leben!

Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen und trampen weiter Richtung Norden. Da werden wir von einer Gruppe noch-nicht-ganz-Rentnern aufgelesen, die uns am Ende zwei Tage lang in ihren Vans mitnehmen, uns zu gutem Essen und gutem Wein einladen und mit denen wir eine Menge Spaß haben. Sogar zu einer Ruinenbesichtigung laden sie uns ein! Unsere Wege trennen sich nach zwei wunderschönen Tagen durch unglaubliche Landschaften. (Der Norden Argentiniens unterscheidet sich komplett zum Süden: Rot-beige-gelb-braun-ocker-orange-farbene  Berge der Anden, die Spitzen mit Schnee bedeckt und wir sitzen nur ein paar hundert Meter weiter unten im T-Shirt in der Sonne.

Die Straßen schlängeln sich mal an steilen Abhängen –umgeben von dichtem Grün- vorbei und mal sind es wieder endlos scheinende Wege, die an einzelnen Backsteinhäusern und jeder Menge Kakteen vorbeiführen. )

Über 8000km habe ich in Argentinien und Chile in den fünf Monaten zurückgelegt und wirklich alle Klimazonen durchreist. Kälte, Schnee, Eis und Wind im Süden in Patagonien; Strand, Sonne und leicht tropische Luft von Buenos Aires an der Küste entlang; trockene Landschaften mit wenig Regen in den Anden und Wetter wie in Deutschland in der zentralen Mitte des Landes.

 

Nach so viel Tramperglück muss doch wieder Unglück folgen, denken wir uns und warten neben einer wirklich unbefahrenen Straße mitten im Nirgendwo, als es plötzlich eiskalt wird und zu regnen anfängt. Ich habe nur eine dünne Stoffhose vom Vortag an – immerhin hatte es da noch angenehme 25° Celsius – doch die wird nun definitiv zu kalt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich mitten auf der Straße umzuziehen, in der Hoffnung, dass nicht in genau diesem Augenblick ein Auto vorbeikommt. (Büsche zum dahinter verstecken gibt es ausgerechnet hier keine)

Eine gute Stunde stehen wir im Nieselregen, bis endlich ein Auto anhält: „Chicas, wir fahren eigentlich nur 200 Meter weiter zu unserer Baustelle“

Egal, wir steigen trotzdem ein, wenigstens ein paar Minuten aufwärmen.

Am Ende bringen uns die beiden Bauarbeiter, die bei den besagten 200 Metern zu dritt (!!!) ein ganzes Dorf bauen wollen, 40km weiter in die nächste Stadt. Wahnsinn!! Wir stünden wahrscheinlich noch heute dort, es war bei diesem Scheißwetter wirklich kaum jemand unterwegs.

Die Stadt, in der sie uns raus lassen, heißt San Salvador de Jujuy, 60km von unserem Tagesziel, Tilcara, entfernt. „Das schaffen wir locker!“, ermuntere ich Martina. Trotz des Regens will ich unser Ziel unbedingt noch heute erreichen. Es dauert auch nicht lang, da hält ein LKW an. Das Führerhaus ist allerdings schon voll besetzt: Der Fahrer, drei Jungs und ein Mädchen quetschen sich auf der Bank zusammen. „Ihr könnt hinten mitfahren“, erklärt uns der Fahrer und öffnet die Dachplane des Trucks. Völlig perplex helfen wir den Jungs unsere Rucksäcke hoch zu hieven und klettern anschließend selbst hinterher. Noch ehe wir die Situation realisieren können, geht die Fahrt auch schon weiter. Einen halben Meter Höhe haben wir zwischen der Ladung an Holzpaletten und der Dachplane, wir legen uns also flach hin und warten und lauschen auf irgendwelche Zeichen. Nach 20 km ist die Fahrt leider schon wieder vorbei, eine Strecke sei gesperrt und der Fahrer würde erst morgen seinen Weg fortsetzen. Also hieven wir unser Gepäck wieder runter, klettern hinterher, bedanken uns und stehen wieder im Regen. 1 ½ Stunden lang und kein Auto hält an. Hat denn niemand Mitleid mit zwei durchfrorenen und durchnässten Mädchen? Unsere Laune ist mittlerweile am Boden, nicht mal Busse, die wir bezahlen würden halten an.

 „Verdammt, du hast nen scheiß Audi, Mann!“, brülle ich wütend einem weißen Auto mit den von zu Hause so bekannten Ringen hinterher. Martina schaut mich verdutzt an und muss lachen, als ich ihr übersetze, was ich dem Wagen hinterhergeschrien habe.

Doch Gott hat Erbarmen und schickt einen jungen Familienvater, der uns und unsere Rucksäcke irgendwie in sein mit Einkäufen beladene Wäglein quetscht.

Ganz bis nach Tilcara, unserem Ziel, kann er uns leider nicht mitnehmen, sagt er, aber von seinem Haus sind es nur 50 Cent für ein Taxi. Das passt, willigen wir ein und machen es uns auf der Rückbank gemütlich. Er dreht die Heizung volle Pulle für uns auf, trotzdem wurde mir nicht richtig warm. Kurz vor unserem Ziel geraten wir in einen Stau, die Straße wurde aufgrund einer Demonstration gesperrt und erst in einer Stunde wieder geöffnet. Uns soll es egal sein, solange wir im warmen Auto sitzen bleiben und uns mit Schnulzen aus dem Radio volldröhnen lassen dürfen.

Am Ende kommen wir verfroren, ausgehungert und mit miesester Laune in unserem Hostel, das wir auch noch hin- und herrennend suchen müssen, an.

 

Wir benötigten an diesem Tag für ca. 170km einen kompletten Tag, in Patagonien legten wir eine solche Strecke in zwei Stunden zurück. Gespart haben wir dabei etwa 10 Euro, die Leute, die wir dafür getroffen und die Erfahrung, die wir gemacht haben, sind jedoch unbezahlbar und wären während einer normalen Busfahrt völlig an uns vorbeigerauscht.

26.6.13 17:50
 



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