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Itchy Feet

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Das Land, in dem Kinder arbeiten dürfen

Bolivien, das ist landschaftlich in den Anden ein bisschen wie Argentinien, die Menschen scheinen allerdings von einer anderen Welt zu kommen. Manchmal habe ich das Gefühl wirklich unerwünscht zu sein und auf Fragen bekommt man nur selten eine hilfreiche Antwort. Die Leute hier sind wirklich nicht an einem interessiert – so scheint es jedenfalls. Ich kann es momentan nur mit den Argentiniern und Chilenen vergleichen und die löchern einen wahrhaftig mit Fragen und Bemerkungen. Verstehen tue ich es noch nicht, schließlich bringen doch gerade wir Touristen Geld ins Land, oder? In anderen Ländern legt man einem den Himmel zu Füßen und hier kann man zusehn, wie man sich durch den Tag schlägt.

Andererseits erscheinen mir ein paar Bolivianer überaus neugierig aber zugleich super schüchtern zu sein. Heute saß ich auf einer kleinen Plaza neben einer jungen Bolivianerin, die auf irgendetwas zu warten schien. Erst als ich ihr auf ein „Hatschi“ Gesundheit wünschte, fragte sie mich, wo ich denn her käme und was ich hier machen würde. Deutschland kennt sie selbstverständlich nicht, aber sie weiß, wo Europa liegt. Am meisten interessierte sie sich für die Unterschiede zwischen unseren Ländern. Und da fingen wir zu plaudern an: Geheiratet wird in Bolivien mit durchschnittlich 18 oder 19, wer sich mit 25 aufwärts liiert wird schräg angeschaut. Ein Studentenzimmer kostet im Monat 20 €  und ein gutverdienender Festangestellter erhält 400€.

Maria, so heißt die Bolivianerin, staunt, als ich ihr erzähle, dass mein Flug von München nach Südamerika 700 € gekostet hat. Sie will wissen, was es kostet, sich ein Haus zu kaufen und als ich es ihr in bolivianische Pesos umrechne, sehe ich, dass sie keine Vorstellung von dieser großen Zahl hat.

Als ich ihr erkläre, dass Kinder in Deutschland mit Fernseher, Handy und mindestens einem Computer aufwachsen, frägt sie mich, wie denn die Kinder dann lernen. Sie gehen zur Schule, wie hier, nur dass es in meinem Land sehr streng mit der Anwesenheit genommen wird, erzähle ich ihr. Hier in Bolivien müssen viele Kinder nach der Schule arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern. So üben sie sich als Schuhputzer, Zeitungs- und Bonbonverkäufer oder auch als Grabsteinputzhilfe. Sollte mal eine gute Arbeit anstehen, wird eben die Schule geschwänzt. Die Lehrer interessiert es quasi null, warum sie nicht anwesend sind. Wahrscheinlich können sie es sich eh denken.

Und das ist sogar alles legal, denn Bolivien hat als einziges Land weltweit die Verfassung in Bezug auf das Verbot von Kinderarbeit geändert. Nun heißt es „Die Ausbeutung von Kindern ist verboten“ und nicht mehr „Kinderarbeit ist verboten“. Die Arbeiterkinder haben sogar eine eigene Gewerkschaft, die ihre Rechte politisch vertritt.

 

Am meisten gefallen mir die noch vorhandenen Traditionen des Alltags. Ältere Frauen tragen bunte knielange Faltenöcke, darunter gestrickte Kniestrümpfe, lederne Sandalen und Ponchos um die Schultern. Die langen schwarzen Haare tragen sie zu Zöpfen geflochten und am Ende mit einer Art Schlaufe zusammengebunden. Auf dem Rücken ein zum Rucksack gefaltenes Tuch, darin wird alles transportiert was sich heben lässt: Von Coca-Blättern, Eier-Kartons und Gemüse über Fernseher, Pampers und Geschirr. Letztlich werden sogar  die Jüngsten darin herumgetragen.

Leider scheint sich diese Art von Lebensstil in den kommenden Jahren zu verlieren. Mädchen und junge Mütter tragen alle Second-Hand-Ware aus den USA, nur bei den älteren Damen sieht man noch die traditionelle Lebenseinstellung.

Auch Quechua, die Sprache der Eingeborenen, der Indianer, wird sich in den kommenden Jahren verlieren, erzählt mit Maria. In der Schule wird nur noch Spanisch unterrichtet und das wenige Quechua, das in der Familie gesprochen wird, reicht nicht aus, um es in die Öffentlichkeit zu bringen. Das finde ich sehr schade, ich hoffe, in den nächsten Wochen eine Antwort darauf zu finden, warum eine so schöne aber auch komplizierte Sprache in Vergessenheit geraten soll.

4.7.13 15:53
 



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