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Itchy Feet

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Meine Zeit zwischen Klo und Apotheke

„Wenn du nach Bolivien kommst, wirst du dir einen Darmvirus einfangen. Egal wie robust dein Magen sonst ist. Rechne also damit.“

So recht wollte ich es nicht glauben, aber meine kleine Reiseapotheke bestand zur Sicherheit aus entsprechenden Medikamenten.

Und als ich in den ersten zwei Wochen täglich mein Essen in einer der zusammengebastelten Buden am Straßenrand kaufte und auch vor gelbem Hühnchen, scharfen Suppen und sonstigen Frischwaren keinen Halt machte und ich alles ohne Schaden überstand, da fühlte ich mich schon ein bisschen unzerstörbar… :D Selbst das Wasser aus dem Hahn trank ich, nachdem ich es mit Wassertabletten etwas gereinigt hatte.

 

Und dann kam ich nach Santa Cruz, eine Industriestadt im Herzen Boliviens. Komplett andere Traditionen, andere Lebensstile und anderer Straßenverkehr als in den Anden. Alles in allem ein bisschen argentinisch. Du triffst auf Menschen mit heller Hautfarbe, hellen Augen und europäisch-amerikanischen Klamotten.

Hier bin ich in einem Hostel eines deutschen Auswanderers. Da kann ich für ein paar Wochen für Unterkunft und Verpflegung ein paar Stunden am Tag arbeiten. Und tatsächlich fühle ich mich nicht wie in Bolivien: Ein sauberes Haus, ein gepflegter Pool, gute Duschen und auch die Toiletten funktionieren einwandfrei. Essen gibt es täglich frisch aus dem Supermarkt und Wasser aus abgefüllten Flaschen. Fast ein bisschen zu penibel. Wären da keine Palmen im Garten, würde ich mir glatt wie in Deutschland vorkommen.

 

Aber es kommt, wie es kommen musste, ich renne drei Tage zwischen Klo und meinem Zelt hin und her. Tags wie Nachts, meine (guten) Medikamente aus Deutschland helfen rein gar nichts, erst ein einheimisches Produkt verhilft mir zu Besserung.

Doch irgendwann bin über den Berg und habe das bolivianische Willkommensgeschenk heil überstanden! Marshmellows, Schokolade, deftiges Fleisch und eine durchzechte Partynacht bringe ich hinter mich, bis ich nach vier Tagen mit starken Bauchkrämpfen aufwache und das ganze Spiel von vorne zu beginnen scheint.

Diesmal lasse ich einen Arzt rufen (zu einem Arzt zu gehen ist hier anscheinend reine Zeitverschwendung und am Ende hat man noch einen Nervenzusammenbruch gratis).

Da das Hostel momentan ausgebucht ist und ich daher in meinem kleinen Einmannzelt im Garten wohne, bleibt nur das Frühstückszimmer der Gäste als Untersuchungsraum.

Da packt der gute Mann im weißen Kittel sein Köfferchen aus, legt Fläschen und Pulverchen auf den Frühstückstisch neben die Schüssel mit Tees, hört mir aufmerksam zu und überlegt dann, was er mir verabreicht. Es werden zwei Spritzen sein, um die Übelkeit zu lindern und die Bakterien zu bekämpfen. Die kommen eigentlich in die Armbeuge, allerdings kann er dort bei mir keine Venen finden. Also in den Allerwertesten, eine links, eine rechts.

Dass der ganze Raum verglast ist und jeden Moment jemand vorbeilaufen könnte, der mich an das Frühstücksbuffet gelehnt sieht, mit einer Spritze im A****,  stört mich recht wenig, ich bin nah dran, dem guten Doc vor die Füße zu kotzen und mein Kreislauf zwingt mich dazu, mich auf die Bank neben den Cornflakesschüsseln zu legen.

 

 

Auch das gehört zu einem Backpackerleben. Es sind die hässlichen Seiten des Reisens, auf die man liebend gern verzichten würde, aber es gehört dazu und ich habe Gott sei Dank von Anfang an damit gerechnet. Und was dich nicht umbringt macht dich bekanntlich ja nur stärker… )

(Auch wenn ich mich für ein paar Sekunden tatsächlich zurück nach Hause nach Deutschland in mein Bett gewünscht habe ;-))

21.7.13 02:53
 



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