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Itchy Feet

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Warum ich manchen Bolivianern am liebsten den Hals umdrehen würde


Fast zwei Monate bin ich jetzt schon im kleinsten Land meiner Südamerikatour (es ist aber trotzdem noch größer als Frankreich und Spanien zusammen!) und mein erster Eindruck hat mich in gewisser Weise leider getäuscht.

Fehlende Manieren lassen die Leute am Bürgersteig neben der Hauptstraße an die Hauswand pinkeln, mitten auf der Straße in der Nase bohren, Kinder schmeißen mit Müll um sich, als wäre es Konfetti und ein „Hallo, Bitte, Danke“ kennt man hier nur selten.

Umwelt scheint den Bolivianern völlig egal zu sein. Wenn ich im Supermarkt 5 Sachen einkaufe, für die eine Plastiktüte gereicht hätte, dann bekomme ich alles auf drei Tüten verteilt. Und wenn ich meine eigene Tasche mitbringe und sie den Einpack-Kindern hinter der Kasse gebe, damit sie die Einkäufe dort hinein legen, dann schauen sie mich schräg an und packen meine fünf Sachen in drei Plastiktüten und stopfen diese dann anschließend in meine Baumwolltasche… -.-

Aber dieses fehlende Weiterdenken und die ungezogenen Menschen stören mich gar nicht, mir kanns ja egal sein, ich bin nur Tourist, der sein Geld hier loswerden möchte.

Da geht es schon weiter, die meisten Verkäufer haben keine Lust, irgendetwas an den Mann zu bringen. Antworten muss man den Bolivianern schwer aus der Nase ziehen, an ein vernünftiges Beratungsgespräch ist nicht zu denken.

 

Heute war ich in der Apotheke und wollte mich über Malaria-Tabletten und passendes Mückenspray informieren; abgesehen davon, dass der junge Mann mich nicht einmal zur Begrüßung anschauen konnte und seine Augen die ganze Zeit auf seinen PC fixiert waren, sagte er mir „Malaria gibt’s hier nicht, daher haben wir auch keine Tabletten. Aber Paracetamol oder Tabletten für das Dengue-Fieber hab ich da.“ – WTF??? Paracetamol? Was hat das mit Malaria zu tun? Ich hab doch kein Rausch im Gesicht sitzen! Willst du mich verarschen?

Dass ich weiß, dass es in einer Großstadt keine Malariamücken gibt, habe ich ihm nicht entgegengeschnauzt. Aber im Norden Boliviens ist das Risiko in der Tat recht hoch. Wenigstens konnte er mir ein akzeptables Mückenspray zeigen. Gekauft habe ich es selbstverständlich nicht. Aber diese Trotzreaktion hat er natürlich nicht verstanden. (Ich möchte hier dazusagen, dass es nicht das erste Mal war, dass ich so derart unfreundlichen Verkäufern begegnet bin. Der junge Herr könnte also auch einen schlechten Tag gehabt haben, aber das entschuldigt nicht die anderen Affen)

 

Weiter ging es in einem Homecenter, ein Kaufhaus, in dem man alles für Haus und Garten bekommt. Ich möchte mir ein Fernglas kaufen, um während meiner Flusstouren die Tiere und Pflanzen am Ufer begutachten zu können und auch später im Dschungel eine bessere Sicht zu haben. (@Mama: Ich weiß, du hast am Anfang gesagt, ich soll doch meins von daheim mitnehmen, gemacht hab ichs natürlich nicht, du hattest also mal wieder Recht… ;-))

Nun, ich war in der Früh in diesem Homecenter und in der Abteilung für Parfüme (???) zeigte mir eine durchaus nette Dame zwei Modelle zu unterschiedlichen Preisen. Ich bedankte mich und wollte mir das ganze überlegen und auch noch andere Preise einholen. Am Nachmittag hatte ich allerdings die Sichtweite vergessen, ich lief also noch einmal dorthin und fragte nun eine andere Mitarbeiterin nach den Ferngläsern. „Wir haben hier keine Ferngläser“ –„Aber ich hab sie mir heute Morgen doch angeschaut.“ „Wirklich?“ „Ja, dort unten in den kleinen Schränken“, zeigte ich auf eine weiße Schublade unter der Parfümvitrine. Genervt verdrehte die blonde blöde Kuh die Augen, kramte den Schlüssel hervor und öffnete den Schrank. „Ach tatsächlich! Das gibt’s ja nicht!“…

Ich  vergewisserte mich über die Sichtweite, drückte der Dame die beiden Gläser wieder in die Hand, bedankte mich zweimal und verließ den Laden. Sie knallte noch mit einer Wucht die Schrankwand zu und warf mir höchstwahrscheinlich tötende Blicke hinterher.

(Auch sie könnte einen schlechten Tag gehabt haben, aber diese Launen sind hier Gang und Gebe)

 

Ich frage mich – WARUM?? Ich bringe doch nur Geld ins Land, versuche mich den Gewohnheiten der Einheimischen anzupassen und bin immer und überall überaus freundlich. Ist es vielleicht die Armut, die die Menschen so verzweifelt macht? (Wobei es gerade hier im Tiefland in der Großstadt Santa Cruz wie in Europa aussieht: da hat das Fitnesscenter eine kleine Freiheitsstatue auf dem Dach und um die Ecke steht ein Porsche-Autohaus) Oder sind sie so schüchtern? Vielleicht sind sie „weiße Leute“ aber auch einfach noch nicht gewohnt?

Ich lese momentan ein Buch aus den 60er Jahren, damals ist ein Deutscher mit einem Faltboot den Amazonas runtergefahren. Auch er berichtet von unhöflichen und desinteressierten Einheimischen.

Wahrscheinlich steckt Bolivien irgendwo zwischen Entwicklungsland und Reichtum und ich befinde mich mittendrin.

 

Und jetzt, ein paar Tage später, halte ich fest, dass Bolivien einfach nicht mein Land ist und ich die Argentinier schon ein bisschen vermisse… J

 

 

10.8.13 00:50
 



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