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Itchy Feet

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Als ich erklärte, was es mit Skifahren auf sich hat

Puerto Villaroel. Das liegt an einem der 7000 Nebenflüsse des Amazonas. Ein kleines Dorf mit 3000 Einwohnern und ein paar verflohten Straßenhunden.

 

Es ist noch nicht tiefster Dschungel, aber trotz Trockenzeit blüht und grünt alles vor sich hin. Hier und da wachsen wilde Bananenstauden und ein Dutzend verschiedene Palmensträucher und kniehohe Gräser. Im Fluss entdecke ich ein paar rosa Delfine, oder zumindest Höre ich sie. Bis zu drei Meter sollen die lang werden.

Abseits der bevölkerten Städte starren mich die Kinder an wie ein Alien: Warum hat die weiße Haut? Und so helle Augen und helles Haar? Und warum ist das Haar so komisch geflochten? Und warum in allen herrgotts Namen ist die so groß?? Sie verstecken sich hinter Metalltonnen und verfolgen mit ihren großen dunklen Kulleraugen jeden meiner Schritte. Mit ihren zerzausten Haaren, den schmutzigen Händen und Füßen und dem kecken Gesichtsausdruck erinnern sie mich ein bisschen an den Michel von Lönneberga – nur eben in Schokobraun

Natürlich glauben sie, ich würde sie nicht bemerken und wenn sie dann denken, dass ich außer Hörweite bin, dann rufen sie sich irgendetwas auf Quechua zu und fangen zu kichern an.

Ein paar von den älteren Leuten hier können gar kein Spanisch, das haben sie nie gelernt. Nur Quechua und Aymara, die Sprachen der Eingeborenen.

An meinem ersten Tag hier im Ort habe ich mich mit einer älteren Dame unterhalten, sie konnte nur ein paar Brocken Spanisch und ist sonst immer wieder ins Quechua abgerutscht. „Das finde ich toll“, sage ich ihr. „Dass ihr eure Sprachen weiterführt. Es ist sehr schade, dass sich die Eingeborenensprachen mit der Zeit verlieren werden.“

Die Kinder in der Schule haben als Nebenfach noch Quechua (In Potosí in den Anden wird es gar nicht mehr gelehrt) aber Spanisch und Englisch sind die Hauptfächer und viel wichtiger. Das finde ich wirklich Schade. Was will man in Südamerika schon mit Englisch? Braucht doch hier eh keiner. Und dass es eines von den Kindern mal zu einem internationalen Anwalt schafft, ist fraglich.

 

Die geschäftigen Bolivianer aus Santa Cruz konnte ich nicht wirklich leiden, aber hier auf dem Land fühle ich mich wieder pudelwohl. Die Menschen sind interessiert an der Gringa, wollen alles über ihr Land erfahren und grüßen sie auf der Straße, obwohl man sich nicht kennt.

Heute saß ich im Taxi neben einer jungen Bolivianerin, sie arbeitet in Ivirgarzama, dem Nachbarort. Ich habe dort Geld abgehoben (oder es zumindest versucht) und eine Hängematte mit Moskitonetz für die bevorstehende Bootsfahrt gekauft. Außerhalb von Bolivien war sie noch nie und als ich ihr antworte, wie teuer mein Flugticket hierher war, macht sie große Augen. 700 Euro, das ist ein zwei-Monatsgehalt für sie. Sie fragt mich, wie der Winter ist in Deutschland. Ich erzähle ihr, dass die Bäume ihre Blätter verlieren (da schaut sie mich vielleicht komisch an, versucht aber, sich nichts anmerken zu lassen ;-)) und dass so viel Schnee liegt, dass man Skifahren kann. Weißt du was Skifahren ist, frage ich sie. Nein, weiß sie nicht. - Da bindest du dir zwei Bretter unter die Füße und rutscht dann den Berg runter.

Es fängt damit an, dass sie hier im Dschungel weder Berge noch Schnee gesehen hat. Wir wechseln also lieber das Thema. J

 

Am Abend setzt sich ein komischer Kautz an meinen Tisch. Er riecht ein bisschen (das tun hier aber alle. Deo, Parfüm oder duftendes Shampoo gibt’s hier nicht wirklich), hat zerzauste Haare und eine zerrissene, schmutzige und mit Telefonnummern und anderen Malereien beschmierte Hose. Er fragt mich, ob ich Nazi bin, die Nazis kommen doch aus Deutschland sagt er. Ich schaue ihn irritiert und ein bisschen verärgert an und frage ihn, wie er denn darauf kommt oder warum ich seiner Meinung nach aussehe wie ein Nazi. Erklären kann er mir das nicht, er wechselt das Thema. Ich hoffe, dass es nur ein Versuch seinerseits war, zu zeigen, dass er etwas von der Welt weiß. Hoffentlich.

 

Oh Gott, fast hätte ich das Klo vergessen!!! Plumpsklos sind nicht wirklich schön und in meiner Welt bereits völlig abgeschafft, aber hier ist es Gang und Gebe. Das Schlimme: Es sind nicht wirklich Plumpsklos und ich habe keine Ahnung, wie man diese WCs benutzen soll.

Bei den Toiletten hier handelt es sich um eine 20cm tiefe, einbetonierte Mulde im Boden, wie eine Delle also. Riesengroß. Ein kleines Loch in der Mitte dieser Delle lässt auf das Abflussrohr schließen. Und neben diesem Loch noch immer in der Delle drin, sitzen zwei Steinblöcke. Für was die gut sind –keine Ahnung! Ich nutze sie, um meine Schenkel abzustützen, während ich mich hinkauere und mein Geschäft erledige. Wie gerne wäre ich ein Mann!!

Anschließend wird mit einem Eimer Regenwasser (den man vorher in der Regentonne auffüllt) nachgespült. Und fertig.  Hört sich vielleicht einfacher an als es ist, anfangs habe ich mich gedreht und gewendet – einfach peinlich! :D

Fest steht: Gemütlich Zeitunglesen geht hier definitiv nicht.

26.8.13 22:46
 



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