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Die Osterinsel - der Nabel der Welt mitten im Pazifik

Wohl jeder hat schon mal ein Bild von den Steinfiguren gesehen, die die Osterinsel so berühmt machen. Große, graue Steinbrocken, die mehr oder weniger nur unförmige Gesichter mit einer markanten Nase, spitzen Lippen und einen Körper ohne Hals darstellen. Aber weiß jemand mehr darüber Bescheid?  Was sie bedeuten? Wo liegt die Insel überhaupt? Und welchem Staat gehört an? Und warum nennt sie sich eigentlich Osterinsel?

Die Figuren sind zwischen einem und elf Meter hoch, aus Basaltstein gemeißelt und nennen sich Moais und sollen Priester, Beschützer oder eine Art Götter darstellen. Da sind sich die Forscher bis heute nicht einig.

Für die Geschichte der Osterinsel muss man viel Fantasie mitbringen und sich aus mehreren Theorien seine eigene zusammenbasteln.

Zuerst einmal gibt es nur eine Osterinsel; nicht wie oft gesagt „Osterinseln“.  Sie wurde am Ostersonntag 1722 entdeckt und hat daher ihren Namen. Ganz einfach.

Sie gehört zu Chile, dem längsten und schmalsten Land unserer Erde und da sie über 4300 km von der chilenischen Küste entfernt im Pazifik liegt und es auch bis zur nächstgelegenen Insel über 2000 km sind, ist sie ein nicht wirklich überfülltes Touristenziel. Gäbe es heutzutage keine Flugzeuge, dann wäre sie wahrscheinlich noch unerforschter und voll von ungelösten Geheimnissen und Mysterien.

 

Ich habe mir eine Woche Zeit genommen, um die Geschichte der Moai und die Lebensart der damaligen Rapa Nui (Bewohner der Insel) besser kennen zu lernen.

Ein Mittelklassehotel kostet 100 Dollar aufwärts und auch Hostels sind für einen Backpacker noch zu teuer. Ich gehe also Zelten und zahle pro Nacht knapp 10 Euro. Für die Nutzung des Stroms und des Internets zahle ich nochmal 10 Öken pro Woche drauf. (Ich weiß nicht, was ein Zeltplatz in Europa kostet, aber für chilenische Verhältnisse liegt es deutlich über dem Durchschnitt) Wirklich teuer wird es beim Essen. In einer der großen -groß heißt hier Tankstellenladengröße- Lebensmittelläden sollen wir für ein Kilo Tomaten fast 10 Euro zahlen und für das Kilo Avocados etwa18 Euro auf den Tisch legen. Es muss also eine Woche ohne Obst und Gemüse gehen. Zum Glück habe ich Trockenobst vom Festland einschmuggeln können.

Eine Haarspange bekomme ich für 5 Euro, eine Mini-Ananas für 10 Euro und für eine Empanada (chilenischer Snack, wie Currywurst in Berlin und Butterbrezn in München) zahle ich etwa 4 Euro. Ein Sixpack nationales Dosenbier kostet etwa 12 Euro. Gut weg komme ich mit meinem Frühstück aus kleinen Semmelchen und einer Packung Magarine für 3 Euro.

In vielen Reiseführern steht geschrieben, dass ein Aufenthalt mehrere tausend Euro kostet. Kann es auch. Mit etwas Geschick, Vorabinfo, Koordinierung und den Verzicht auf Luxus schaffe ich es auf knapp 900 Euro. Inklusive frischen Tomaten.

Soviel zum Leben im 21. Jahrhundert.

 

 

Auf der Osterinsel regierten bis 1860 die Langohren (Ureinwohner mit „Riesen-Tunnels“ im Ohr) und ließen die Kurzohren (folglich ohne Ohrringe) die so berühmten Moais bauen. Ob diese nun Beschützer (da sie immer in der Nähe einer Siedlung aufgebaut worden sind), Priester (die Rapa Nui waren extrem Religiös) oder vielleicht sogar Götter verkörpern sollten, ist nicht klar. In einem Film ist sogar die Rede von Botschaftern, die in die Zukunft sehen konnten.

1860 hatten die Kurzohren genug von der Unterdrückung der Langohren und zettelten einen Bürgerkrieg an, in welchem die Langohren fast alle ausgerottet und sämtliche Moais umgeschmissen wurden. Warum letzteres geschah, ist nicht bekannt. (Es handelt sich bei den heute stehenden Moais also bei allen um restaurierte und wieder aufgestellte Figuren)

Moais mit Augen aus Korallenstein haben eine wahnsinnig beeindruckende Ausstrahlung, ich fühlte mich regelrecht verfolgt und beobachtet. Vermutlich wurden sie deshalb auf den Bauch geworfen, um ihnen die Sicht zu nehmen und so weniger angsteinflößend zu wirken.

 

Die Gesellschaft und die damit verbundene Rapa Nui-Kultur begannen zu schrumpfen, als Eroberer und Konquistadoren einige, auf der Insel unbekannte Krankheiten einschleppten.

Viele Insulaner wurden auch nach Peru verschleppt, um dort als Sklaven verkauft zu werden. Zwar haben Nachbarländer lange demonstriert, bis die Insulaner wieder freigelassen wurden, aufgrund des Klimawechsels, harter, ungewohnter Arbeit und Krankheiten, gegen die sie nicht immun waren, haben es von mehr als 2000 Sklaven jedoch gerade mal 15 zurück auf die Osterinsel geschafft. Diese wiederum haben dann die Pest und die Pocken mitgebracht.

Die Tatsache, dass durch den Bau der Moai alle Bäume der Insel abgeholzt worden sind, ließ den biologischen Rhythmus der Insel zum Stocken bringen.

Einer der ersten Europäer hatte den Rapa Nui Schweine, Hühner, Schafe und anders Zuchtvieh als Gastgeschenk mitgebracht, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Allerdings scheint es, als hätten die Insulaner nie auch nur einen Gedanken an ihre Zukunft verschwendet, sie schlachteten noch alles am selben Tag und veranstalteten ein großes Fest. Zuchtvieh sich vermehren lassen? Nö. Wozu denn?

1877 lebten gerade einmal noch 36 Rapa Nui aus 2ter Generation auf der Insel (von 5000 zu Blütezeiten ein paar Jahrzehnte zuvor!!!)

Nach und nach sind die Kultur und damit die Traditionen und Überlieferungsmöglichkeiten also ausgestorben. Zurück bleiben geheimnisvolle Riesensteinkolosse mit mystischen Theorien, die es definitiv wert sind, eine weite Reise auf sich zu nehmen.

 

Man kann viel über die verschiedenen historischen Ansichten und faszinierenden Moai schreiben; befasst man sich einmal damit, ist es nur schwer, davon los zu kommen. Interessant ist auch, dass sich das Leben auf der Insel fernab vom Rest der Welt eigenständig weiterentwickelt hat. So hatten die Rapa Nui nicht nur ihre eigene Sprache, sondern auch eine eigene Schrift, die bis heute niemand entziffern kann. Die Moai wurden aus den einfachsten Werkzeugen gemeißelt und aufgestellt. Und während es hierfür Theorien gibt, bleibt wirklich fraglich, wie es die roten Hüte oder Haarschöpfe auf den Kopf der meterhohen, bereits stehenden Moai geschafft haben. Man muss bedenken, dass bereits die Moai selbst mehrere Tonnen gewogen haben, ein solcher Hut gab dem Gesamtgewicht nochmal ein paar Tonnen drauf. Und wie ebenso mal ein paar Tonnen 6 Meter hoch heben?

 

Die Insel ist nicht nur geschichtlich eine Reise wert. Den besten Eindruck bekommt man, wenn man mit dem Rad unterwegs ist.  Sie ist nicht sonderlich groß, von daher kann man die Insel in ein paar Tagen gut auskundschaften. Bäume gibt es kaum; nachdem die Palmenhaine zu Moai-Bauzeiten abgeholzt worden sind, wurden ein paar Obstbäume und Palmen an den Stränden gepflanzt, aber sonst ist es eine karge Vulkaninsel, auf der nichts höher wächst, als ein paar dürre Sträucher. Läuft man landeinwärts, entdeckt man viele kleine Süßwasserhöhlen, aus denen ein paar Bananenstauden oder Avocadobäume herauswachsen.

Die Küsten fallen steil und felsig ins Meer hinein und oft türmen sich zwei- bis dreimeterhohe Wellen daran auf. Eine unglaubliche Geräuschkulisse! Ich hatte das Glück, mein Zelt auf dem Campingplatz in Meeresnähe aufbauen zu können. Morgens und abends von brechenden Wellen geweckt bzw. in den Schlaf gesungen zu werden, das kann kein 5-Sterne-Hotel bieten.

Strände gibt’s es also so gut wie keine. Nur einen und der hat es wirklich in sich. Karibik sag ich nur. Weißer weicher Sand, Palmen ringsherum und glasklares, warmes, sauberes Wasser. Gut, dieser Strand wurde extra angelegt, aber was ändert das? :D

 

Fazit: Die Osterinsel, Isla de Pascua, Rapa Nui oder auch der Nabel der Welt gehören zu meinen Highlights Südamerikas. Es ist einer der Orte, wo man sich im Nachhinein die Fotos anschaut und denkt „Bin ich dort wirklich gewesen? Habe ich das alles gesehen? Es kommt mir so surreal vor…“

9.10.13 06:13
 



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