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Itchy Feet

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Peruaner und ihre Dailysoaps

Als ich München vor 9 Monaten verlassen habe, dachte ich, wir wären ein vom Fernsehen abhängiges Volk. Fernsehen würde Deutschland verdummen. Immerhin sieht man Kinder vor dem TV aufwachsen. „Deutschland schafft sich ab“ So in der Art.

Jetzt bin ich in Peru und sehe vor lauter flackernden Bildschirmen keine zugänglichen Menschen mehr. Egal ob in Restaurants, auf Märkten oder in Familienhäusern, alles scheint sich um den TV zu drehen.

So saß ich heute im Restaurant und habe mein Menü gegessen, als ich nach einer Weile merkte, dass mich alle irgendwie anstarrten. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, schließlich werde ich auf der Straße täglich angestarrt, aber nach einer Weile kam es mir schon merkwürdig vor. Irgendwann merkte ich, dass ich direkt unter dem Fernseher saß und gerade irgendeine Talkshow lief. Wenn Familien in Deutschland Essen gehen, dann wird normalerweise am Tisch ein Gespräch geführt. Nicht in Peru. Stillschweigend wird gegessen und die Augen nicht von der Glotze genommen. Alleinessenden sieht man beim mechanischen Löffel-in-den-Mund-schieben zu, wobei die Hälfte auf dem Tisch landet. Die Augen immer fest auf den Fernseher gerichtet.

Wären es Nachrichten, die laufen würden, würde ich nichts sagen, aber es wechseln sich Talkshows, Telenovelas und Realitysoaps ab. Fürchterlich. Von den Kinderprogrammen ganz zu schweigen. Die sind genauso surreal und grässlich wie in Europa heutzutage. Und obendrein noch schlecht gemacht. (Ich bin ein Heidi, Goofy, Dinos und Wickie Kind, 90er Jahre versteht sich ;-))

 

Ein andermal bin ich in einer Familie untergekommen. Ein Mutter und Tochter Haushalt. 3 Fernseher. In jedem Schlafzimmer einer und ein kleiner in der Küche neben dem Herd. Sobald die Mutter morgens in die Küche gegangen ist, um Frühstück zu machen, wurde die erste Talkshow eingeschalten. Während sie den Kaffee zubereitet hat, hat sie die Augen kein einziges Mal vom Bildschirm genommen und um das Semmel zu essen, hat sie sich mit einer Hand aus einer Ecke einen kleinen Hocker vor den TV dazugezogen. Die Augen immer fest auf die Talkshow gerichtet. Manchmal habe ich mit ihr gesprochen und selbst dann konnte sie sich nur schwer vom Bildschirm lösen.

Nach dem Frühstück ging sie in ihr Zimmer zurück und drehte dort die Glotze auf volle Lautstärke (sie ist schwerhörig) Und das ging dann den ganzen Tag so. Fernseher an, sobald man in die Küche geht und wieder aus, sobald man sie verlässt.

Wirklich eigenartig.

 

Ich überlege mir, was wäre, wenn der Fernseher nie erschaffen worden wäre. Wir würden definitiv nicht mit so viel dummer Werbung zugemüllt werden und mit uns und unseren Mitmenschen sozialer umgehen. Ein paar Leute habe ich schon getroffen, die gar keinen Fernseher mehr haben. Abgeschafft. Sie waren gelangweilt von so viel Müll.

Eigentlich gar keine schlechte Idee.

 

 

Ein andermal saß ich am Strand und habe zwei Peruanern erklärt, welche Länder Peru umgeben und dass man, um nach Deutschland zu kommen, ein großes Meer durchqueren muss. „Busse fahren da nicht hin“, hab ich gesagt.

Einer der beiden hieß Paul oder Pol und auf die Frage, wie man das schreibt, antwortete er mir, dass er das selber gar nicht so genau wisse.

Aber er würde zur Schule gehen. Zumindest ist er dort angemeldet.

 

 

14.10.13 04:17
 



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