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Itchy Feet

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Mein primitives Paradies

Dänisches Stimmengewirr weckt mich aus meinem Schlaf. Ich öffne die Augen, blinzele und sehe meine beiden Mitbewohner aus Dänemark aus dem Bett springen und sich in den Schwimmanzug quetschen. Sie packen ihr Bord und sind für die nächste Stunde auf dem Meer. Mein Blick wandert zu meinem Handy, es ist 7:00 Uhr, für einen Weltenbummler definitiv zu früh, um in dem Tag zu starten. Ich döse noch eine Weile dahin, packe dann meinen Waschbeutel, schlüpfe in meine FlipFlops und schlürfe ins Bad.

 

Die Klospülungen funktionieren im ganzen Haus nicht, gespült wird also mit einem Eimer Wasser aus zwei großen Kanistern, die neben der Toilette stehen. Da wir kein fließend Wasser haben, müssen wir das bisschen, das uns zweimal pro Woche aus dem nächstgelegenen Ort zugepumpt wird, sparen; nach dem Pinkeln wird meistens also nicht gespült. Kloreiniger gibt’s auch nicht, dementsprechend gelb sehen die Kloschüsseln aus. An den Geruch gewöhnt man sich.

Zähneputzen: Auf dem Waschbeckenrand steht einer dieser Wasserkanister, die es bei Ärzten im Wartezimmer immer gibt. Der wird regelmäßig mit einem Schöpfer mit Wasser aus den großen Sammelkanistern im Hinterhof aufgefüllt.

In der Küche waschen wir unser Geschirr in drei Waschbecken: Das erste mit Wasser, um Essensreste abzuspülen, das zweite zum Einseifen und in dem dritten sollte klares Wasser sein. Sollte. In einem Hostel mit 30 Personen ist das gar nicht so einfach. Wenn das Wasser schmutzig genug ist, wird es draußen an die Pflanzen gegossen. Recycling.

 

Meine Aufgabe ist es, die Küche in Ordnung zu halten; beim Öffnen einer Schublade springen mir zehn Kakerlaken entgegen. Angewidert greife ich zum Kakerlaken-Killer-Spray und sprühe den kleinen Viechern hinterher. Zwei Minuten taumeln sie hin und her, laufen wie verrückt im Kreis und bleiben dann tot liegen. Das wiederholt sich jeden Morgen, ich hoffe, bald alle Nester gefunden zu haben…

 

Ich möchte duschen, dazu fülle ich eine Gießkanne mit Wasser aus den Hinterhofkanistern auf und stelle mich darunter. Aber heute gibt es kein Wasser, die Gäste haben so gut wie alles aufgebraucht und der Zufluss wurde gesperrt.

Dann eben keine Dusche. Oder ich springe ins Meer.

 

Wir frühstücken, räumen auf, putzen Zimmer, waschen Bettwäsche (bei Hand in zwei großen Eimern mit kaltem Wasser) relaxen in der Sonne, schreiben mit den Daheimgebliebenen, genießen die Aussicht auf der Veranda und sitzen abends bei ein paar Bier gemütlich zusammen.

Unser Hostel liegt direkt am Strand auf einem kleinen Hügel. Von hier aus überblicken wir den kompletten Beach und das weite weite Meer.

Kein Tv, kein Radio und kaum Handynetz. Wozu? Die Aussicht und das Lebensgefühl entschädigt für alles. Du sitzt auf der Couch, trinkst deinen Kaffee, tagträumst ein bisschen und plötzlich sind schon zwei Stunden vergangen.

Es ist ein primitives Paradies, gewöhnt man sich an den Lebensstil ohne fließend Wasser –von heißem ganz zu schweigen- mangelnde Hygiene und weniger Komfort, dann ist es einer der Besten

Fleckchen dieser Welt.

Zu wissen, dass es in ein paar Jahren all das geben wird und das Dorf von Touristen übervölkert sein wird (es ist einer der besten Surfspots weltweit), das lässt einen wirklich jede Minute genießen.

 

4.11.13 20:59
 



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