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Itchy Feet

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Von Küchentierchen und Wassernot

Ich bin jetzt Küchenchefin. In einem kleinen Mini-Restaurant eines Hostels. Auf dem Menü stehen Burger und Spagetti. Das sollte zu schaffen sein oder? Abends muss zusätzlich noch das Essen fürs Personal gekocht werden.

Das einzige Problem: Der Kühlschrank ist kaputt und lässt das ganze Gemüse hin und wieder einfrieren. Und von fünf Kochplatten funktionieren nur drei.

 

Tag 1:

Mein Vorgänger hat die Küche in einem Saustall hinterlassen. Ich putze also erstmal ein paar Stunden und entferne Kakerlaken, Spinnweben und Essensreste von Töpfen und Tellern.

Abends möchte Ich für drei Volontiere ein Abschiedsessen kochen, das nicht aus den bisher üblichen Nudeln mit Soße besteht. Wir sind neun Leute. Kartoffeln mit einer Mais-Karotten-Soße und frittierte Reis-Fisch-Bällchen. Es wird ein bisschen zu wenig, ich garniere noch mit ein paar Tomaten und hoffe auf bereits gefüllte Mägen.

Zwischendrin werden 8 Burger bestellt, während ich diese zubereite, wird unser Essen kalt und die Soße verdickt sich zu einem Brei. Ich nehme mir vor, die nächsten Tage vor den Öffnungszeiten des Restaurants für die Mannschaft zu kochen.

Wir entsorgen drei gefrorene und damit nicht mehr zu gebrauchende Salatgurken.

 

Tag 2:

Eigentlich habe ich heute frei, aber eine Bestellung von 24 Burgern am Abend lassen wir uns nicht entgehen. Es läuft alles wie am Schnürchen.

 

Tag 3:

Tagsüber passiert nicht viel, Alicia, die Frau des Eigentümers bringt Essensnachschub und wir kochen zusammen eine Bolognese zum Einfrieren für die Gäste.

Ich finde eine alte Mausefalle mit nichtidentifizierbarem Inhalt.

Aus dem Gefrierschrank fischen wir eine Art Hühnerbrühe, zu einem Block gefroren. Nach sechsstündigem auftauen bleibt eine schlabberig-schleimige Masse zurück, riecht übel und landet im Müll.

Abends koche ich zusammen mit Megan aus den USA einen Orangen-Mango-Fleisch Eintopf. Wir sind jetzt 10 Voluntiere, davon ein Vegetarier, also kochen wir für ihn noch Pasta mit Gemüse. Kala, unserem Manager, ist der Eintopf zu süß, er bittet uns, ihm was anderes zu kochen. Ob er dann das selbe wie der Vegetarier essen würde, frage ich ihn. Nein, er will Bolognese. Also kochen wir noch einen extra Topf Bolognese… -.-

(Ich habe gelernt zu wissen, wann ich widerspreche und mich aufrege und wann ich einfach nur akzeptiere ohne mir darüber weiter den Kopf zu zerbrechen.)

Dafür spendiert er mir später eine Tafel Schokolade, unser Feierabendbier.

 

Tag 4:

Die Wellen sind heute perfekt, die Surfer werden durchdrehen und uns abends das Haus einrennen. Kala will ein Barbeque veranstalten. Wir bereiten 30 Burger zu. Brot, Fleisch, Tomaten, Gurken, Zwiebeln. Die Surfer rennen uns tatsächlich die Bude ein und trinken was das Zeug hält. Bier, Rum und eine Bowle, die es in sich hat…. ;-)

Von unseren Burgern wollen sie allerdings nichts wissen. Drei Stück verkaufen wir, über den Rest stürzen sich die 12 Voluntiere. Ein Griff ins Klo.

 

Tag 5:

Verkatert räumen wir den Saustall der letzten Nacht auf und ziehen uns irgendwie durch den Tag.  Es gibt Linsen-, Reis-, Kartoffel- und Gemüse-Eintopf.

Die Brottüte wurde von einer Maus durchgeknabbert. Zwei Brote hat sie angefressen, das Mistvieh. Ich begebe mich morgen also auf Mäusejagd.

 

Tag 6,7,8 und 9:

Seit zwei Tagen ist unsere Wasser-Zufuhr überfällig und die letzten Reserven gehen langsam zu Ende. Duschen ist schon seit ein paar Tagen nicht mehr drin, naja wir haben ja den Ozean. Aber zum Klo-Spülen, Kochen, Putzen, Waschen fehlt‘s schon. Heute kamen drei Gäste; sind nach zwei Stunden wieder gefahren, aufgrund des fehlenden Wassers. Verständlich.

Das Einzige, was wir machen können, ist abwarten.

 

Tag 10 und 11:

Es ist Dienstag, ich habe frei und fahre in die nächstgelegene Stadt, um mit der Besitzerin des Hostels den Tag zu verbringen. Sie lädt mich ein, über Nacht zu bleiben und am nächsten Tag zurück zu fahren. Das ginge in Ordnung. Ich überlege nicht lange, es wartet eine Dusche mit heißem und vor allem fließendem Wasser auf mich, eine normale Klospülung und ein Waschbecken mit fließend Wasser. Außerdem ein außerordentlich gutes Abendessen, eine Abwechslung zu unserem Pasta mit Soße oder Reis mit Gemüse.

 

Am nächsten Tag komme ich gegen Mittag zurück, wir haben immer noch kein Wasser. Seit über einer Woche ohne Wasser. Langsam wird’s echt ungemütlich. Fliegen überall und alles klebt und jeder trägt dreckige Shirts. Gestern haben alle Voluntaire Eimer voll Wasser aus dem Meer den kleinen Hügel hochgeschleppt und den Sand rausgefiltert, um zumindest die Toiletten spülen zu können und Hände und Gesicht zu waschen.

Ich betrete die Küche, sehe das Chaos der letzten zwei Tage und mache  auf dem Absatz kehrt. Geschockt spähe ich erneut um die Ecke, der ganze Küchentisch (fünf Meter lang) ist voller dreckiger Töpfe, Tassen, Teller und Besteck. Die Regale leergefegt. Alles benutzt und steht vor Dreck.

Oh mein Gott! Wo soll das noch hinführen? Es bleiben nicht mal Teller übrig, um Gästen einen Hamburger servieren zu können.

 

Unsere Ausdauer zahlt sich aus, am Nachmittag bekommen wir einige Liter Wasser zugepumpt. Das reicht  zumindest aus, um das Chaos in der Küche zu spülen, überall mal drüber zu wischen, Bettwäsche der Gäste zu waschen und einige Toiletten zu spülen. Und der ein oder andere kann sich auch eine Dusche gönnen.

 

Man mag es nicht glauben, aber trotz allem bleibt es immer noch ein Paradies, ein "Place to be", ein Ort, den es nur im Traum zu scheinen gibt.

 

 

7.11.13 20:32
 



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