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Itchy Feet

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Als aus einem Flughafengate eine Protestmeile wurde

Nach fast einem Jahr treffe ich mich mit meiner Mam in Venezuela. Sie hat sich drei Wochen Zeit genommen, um mit mir eine kleine Rundreise zu machen.

 

Vom Flughafen in Caracas starten wir mit einem nationalen Flieger ins Landesinnere. In ein paar Tagen ist Weihnachten, Venezuela steht Kopf und pünktliche Flüge sind eine Seltenheit. Wir warten 4 Stunden länger als gedacht am übertrieben runtergekühlten Flughafen. (Bei schwülen 25 Grad Außentemperatur haben wir natürlich keine Jacken im Handgepäck)

Unsere Airline scheint besondere Schwierigkeiten zu haben, einige Flüge fallen sogar aus! Wir hoffen nur das Beste und haben Glück, denn unser Flug startet- wenn auch verspätet.

Was wir in der Warteschlange beim Einsteigen in den Flieger erleben, kennen wir in Deutschland wohl nur aus dem Fernsehen:

Eine halbe Stunde vorher hätte ein Flug nach Puerto Ordaz gehen sollen, dieser wurde jedoch gecancelt. Den Gästen wird angeboten, mit unserem Flieger in das 60 km weit entfernte Ciudad Bolivar mitzufliegen und von dort einen Shuttlebus nach Puerto Ordaz zu nehmen.

Ein paar Meter weiter vor uns in der Schlange höre ich eine kleine mollige Frau mit Sekretärinnenbrille und engem Jacket (sie erinnert mich an die rosa gekleidete dicke Hexe Doloris Umbrigde aus Harry Potter) aufgeregt mit dem Stewart diskutieren. Noch denke ich mir nichts dabei; Südamerikanisches Blut, lange Wartezeiten und Übermut und Temperament lassen so manche Latina schon mal lauter werden.

Doch was dann passiert, lässt mir die Kinnlade runterfallen: Mitten im Gate, zwischen den Wartesitzen stimmt die aufgeregte Dame einen Boykott an: „Puerto Ordaz, Puerto Ordaz, Puerto Ordaz!!“, schreit sie durch die Menge und wirft ihre rechte Hand demonstrierend in die Höhe.

Sie will den Flug umleiten und wie es auf ihrem Ticket steht, nach Puerto Ordaz fliegen. Sollen doch die anderen (also wir) von Puerto Ordaz nach Ciudad Bolivar geshuttelt werden!

Was in Deutschland fremdschämend belächelt würde und höchstens mit leisem Murren Zustimmung gefunden hätte, findet hier großen Anhang. Ehe wir uns versehen, stimmt die halbe Warteschlange in die Protestrufe mit ein und fordert eine Umleitung des Fluges.

Um als nichtswissender Ausländer nicht in irgendwelche Geschichten mit reingezogen zu werden, packe ich meine Mam am Arm, drücke dem Stewart unser Flugticket entgegen und eile den Gang hinunter, um uns unsere Sitzplätze zu sichern.

Was draußen am Gate passiert, kann ich mir nur vorstellen.

 

Ein paar Minuten später ist das Flugzeug jedoch voll und auch die aufgeregte Latina hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden und Platz genommen. Es geht also „wie geplant“ nach Ciudad Bolivar…

Aber Hauptsache erstmal aufschreien und dem Temperament freien Lauf lassen – Wie ich sie liebe, die Südamerikaner!...

 

26.12.13 00:10
 



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