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Itchy Feet

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Wo Welten zwischen zwei Welten liegen

Vor ein paar Tagen saß ich noch in Peru in einem Dorf, in dem es kein fließend Wasser gibt, keinen Fernseher, keine Werbeplakate, keine lärmenden Autos und vor allem keinen Kommerz unter den Menschen. Ich duschte mich mit einem Eimer voll Wasser, manchmal füllte ich eine Gießkanne auf und wenn das Wasser knapp wurde, schleppten wir Eimer mit Meerwasser vom Strand zu unserem Haus, filterten den Sand raus und konnten dann zumindest die Toiletten spülen. Duschen fiel dann eben aus. Aber wir hatten ja das Meer.

Und jetzt, zwei Tage später, sitze ich auf einer europäischen Insel in der Karibik. Keine hupenden Autos, keine TukTuks, keine molligen, immer lächelnden Latinas, keine Salsa-Musik aus allen Ecken, keine Marktschreier, keine Straßenhunde, keine überlaufenen Mülltonnen und keiner, der dir wirklich behilflich sein will. Aber das ist das wenigste. Schlimm sind die Touristen, die die Taschen voller Geld haben und davon möglichst viel loswerden wollen. Schwimmen mit Delfinen, Schildkröten füttern, Buggy-Touren, Jet-Ski, Tauchstunden, Bootsfahrten, internationale Sterne-Restaurants und und und. Sogar einen Park, in dem man Villen mieten kann, gibt es.  Und selbst für den Strand zahlt man hier Eintritt. Von dem Geld werden dann die schönen Sandbänke zubetoniert, Bars und Hotels gebaut und der Glanz der Natur geht verloren.

 

Ich frage mich, ob all diese Geld-Leute jemals den Mut aufbringen würden und in ein Entwicklungsland fahren würden. Die Menschen so zu sehen wie sie wirklich leben, abseits der touristischen Attraktionen. Die sind eh alle gleich: Hohe Preise, schlechte Qualität und den Besuchern angepasst. Dort sprechen alle Englisch, es stehen nur Burger, Pommes und Pasta auf dem Menü, Souvenirs bestehen immer aus Taschen, Magneten, Ketten und Armbändern (das meiste davon billige Massenproduktion) und alles scheint „wunderschön“ zu sein. 

Wirft man dann mal einen Blick hinter die dicken, touristischen Mauern, sieht man wohl immer mehr Armut, aber man bekommt ein Gefühl für die wahre Kultur: günstige und tausend Mal bessere, nationale Gerichte (klar, woher soll denn eine bolivianische Köchin wissen, wie man Spaghetti  Bolognese kocht? Ich bekam Tomatensoße mit Hefe!) Dort, hinter den Kulissen, werden lokale Souvenirs angeboten, welche qualitativ besser und vor allem hübscher und günstiger sind. Und so unterstützt man  - wie es überall sein sollte – die Einheimischen und nicht irgendwelche abzockende ausländische Mafiosi.

 

Hier auf Curacao, besagte holländische Insel in der Karibik, sehe ich europäische Kinder, denen die „guten und schönen“ Seiten des Lebens gezeigt werden: Schwimmen lernen im seichten warmen Wasser, Mama und Papa sorgen für Eis und warme Mahlzeiten, Sand- und Steinburgen bauen, Korallenscherben hin und herwerfen und Pirat und Seemann spielen. Eine sorgenfreie Kindheit, ein leichter Start ins Leben.

Anderswo, nur ein paar hundert Kilometer weiter weg, sehe ich gleichaltrige Kinder arbeiten und Geld ranschaffen. Wenn sie Glück haben, dann können sie ein paar Mal in der Woche die Schule besuchen oder mit Ihren Freunden Räuber und Gendarm spielen. Schwimmen lernen sehen viele als überflüssig. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die meisten wohl nie das Meer oder einen See zu Gesicht bekommen werden. Und für ihr Essen müssen diese Kinder selber sorgen.

Natürlich sind sie nichts anderes gewohnt und können sich das Leben der „anderen“ nichtmal im Traum ausmalen. Es sind die Lebensumstände der Armen und Reichen. Den großen Unterschied beider Gesellschaftsgruppen kennen wir alle. Das lesen wir in Zeitungen und sehen es in Berichten im Fernseher. Aber diesen Unterschied selbst mitzuerleben und innerhalb von ein paar Stunden von Arm zu Reich hin- und herzuwechseln, das strengt an, macht nachdenklich und traurig. Zumindest mich.

26.12.13 03:52
 



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