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Itchy Feet

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Korruption. Etwas, das es bei uns nur im Fernsehen gibt

Ich fahre über Nacht von Merdia nach Maracaibo. Neben mir ein junger Kerl, der -wenn ich es richtig verstanden habe- gerade aus dem Knast kommt. Deswegen hat er für die wirklich kalte Busfahrt nur ein T-Shirt an und konnte weder sein Ticket, noch die Bahnhofsgebühr bezahlen. Na toll, da wird mir nicht gerade wohler ums Herz…

Am nächsten Morgen komme ich jedoch lebend und mit all meinem Hab und Gut um sieben Uhr in der Früh in der Mega-Hafenstadt Venezuelas an. Ich suche sofort den Bus Richtung Kolumbianische Grenze -Maicao- werde fündig und sehe beim Verladen meines Gepäcks zu. Zwei Stunden später ist der Bus voll und es geht endlich los. Neben mir sitzt die junge Venezolanerin Wendy; mit ihr und etwa fünf Familien sitze ich eng zusammengequetscht zwischen Taschen, Koffern, Tüten, Kisten, und Kinderfahrrädern.

Ohne Klimaanlage und mit lauter, unschöner aber typischer Latinomusik geht es los. Klappernd und klirrend hüpft der Bus über die Straßen Richtung Kolumbien. Einige Kilometer weiter kommt die erste Polizeikontrolle. Der Busfahrer geht durch die Reihen und bittet um Geld. Er nennt es eine Spende, in Wahrheit ist es Schmiergeld, damit eben diese "Polizisten" die Koffer, Kisten und Tüten voller billiger Lebensmittel aus Venezuela nicht kontrollieren. Reicht den Herren im grünen Anzug und Militär-Gewehr der Betrag nicht aus, wird trotz "Spende" jedes Gepäckstück kontrolliert und mindestens die Hälfte der eingeschleusten Lebensmittel konfisziert und in die eigene Tasche gesteckt.

Wendy und ich haben nichts zu befürchten, unsere Rucksäcke stecken voller Klamotten. Wir geben also kein Geld, sollen das doch die Familien machen, die verbotenerweise den Monatseinkauf in Venezuela getätigt haben.

An den ersten Kontrollen kommen wir noch geradeso heil vorbei, doch dann fordert der Busfahrer einen Betrag in Höhe von 1000 Bolivares, darunter würden die Beamten unsere Koffer kontrollieren und neben verlorener Zeit würde auch noch der Einkauf drauf gehen. Die Familien haben jedoch gerade mal 300 zusammen gekratzt und geben sich stur, weitere 700 zu zahlen.

Um nicht mitten auf der Landstraße in der größten Mittagshitze und ohne Schatten meinen Koffer – in dem es eh nichts zu nehmen gibt, außer einem Honig und einem Marmeladenglas- ausräumen zu müssen, zahle ich 20 Bolivar dazu. Auch die Familien drücken daraufhin dem Busfahrer noch einen Schein in die Hand. Der Busfahrer zählt, zieht die Stirn kraus, sagt aber weiter nichts. Schon von weitem sehen wir die „Beamten“ am Straßenrand stehen, werden langsamer und halten schließlich an. Der Polizist zählt das Geldbündel, steckt es ein, schüttelt den Kopf und bittet die Fahrgäste, mitsamt ihren Koffern auszusteigen. Murren geht durch die Reihen, aber diskutieren hilft nichts. Der Betrag war zu gering. Jeder Koffer wird auf die glimmernde Straße gehievt, aufgemacht und durchsucht. Ein paar T-Shirts verdecken spärlich den Hauptinhalt: Mehl, Ketchup, Nudeln, Reis, Mayonnaise, Thunfisch, Oliven, Waschpulver, Zahnpasta, Zahnbürsten, Shampoo, Duschgel und und und. Die Hälfte davon wird eingezogen und auf einen Haufen 100 Meter weiter gestapelt. Dort warten bereits etwa 20 Bierkästen und einige Tüten voller Haushaltsartikel. Was damit geschieht? Nicht etwa in ein Lager gebracht oder an Hilfsbedürftige verteilt, die venezolanischen Beamten bessern sich damit ihr Gehalt auf.

Am Ende wird sogar ein 30 kg-Fleischbrocken von zwei Polizisten davongetragen.

 

Was sich hier wie eine normale Polizeikontrolle anhört, war in Wahrheit eine der korruptesten Vorgehensweisen, wie ich es zwar oft von Lateinamerikanischen Beamten gehört, aber bis dato noch nie miterlebt hatte. Ich fühlte mich wie im Film, der umhergehende Busfahrer, der versucht, Geld zusammen zu treiben, die sturen Familien, die genau wissen, dass sie verbotene Waren und vor allem Mengen mit sich führen und ich, die kleine Touristin, die aus dem Staunen und Kopfschütteln nicht mehr rauskommt. Woraus nun genau die mehr oder weniger vorhandenen Regelungen für die Ausfuhr einiger Waren ins Ausland bestehen, weiß ich nicht, aber so, wie es war, ist es definitiv nicht legal.

Für mich war es ein Abenteuer, an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela ist es jedoch die knallharte Realität. Korruption, die sich, solange sich die politische Lage in Venezuela nicht verbessert, wohl nicht lindern, sondern eher noch verschlimmern wird. Es ist traurig. Ein so reiches Land, zerstört von den eigenen Politikern.

2.2.14 23:40
 



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