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Afrikaner in Kolumbien, Land und Leute und warum ich Touristen nicht immer toll finde

Nuqui, dazu findet man im Internet nur spärliche Informationen. Es soll ein paar Vollpension-Eco-Lodges geben und als kostspieliges, aber wahrhaftes Paradies an der Küste des Pazifiks gelten. Von Hostels oder Familienunterkünften ist nicht die Rede. Und je mehr ich suche, auf umso mehr Vollpension-Hotels stoße ich.

Strom gibt es in Nuqui –anscheinend- volle vier Stunden, Handys könne man zu Hause, bzw. in der Zivilisation lassen. Wasser kommt direkt aus dem Fluss in den Hahn und die „Öffentlichen“ bestehen aus einem Boot, das zweimal am Tag von Dock zu Dock, bzw. Ort zu Ort fährt. Straßenverbindungen würde es dort nicht geben.

Schon die Anreise lässt auf Abenteuer hoffen: Eine Straße zum Rest Kolumbiens gibt es nicht, viermal die Woche fliegen kleine Passagierflugzeuge den Küstenort an. Von der nächsten großen Hafenstadt aus kann man Nuqui in 12 Stunden auf einem Frachtschiff erreichen. Das fährt wann es will.

Laut Internet (in Reiseführern oder Traveller-Portalen ist nichts zu finden, nichtmal Einheimische kennen dieses „Nuqui&ldquo erwartet mich dichter Urwald, der direkt an endlos lange Pazifikstrände grenzt. Pflanzen aller möglicher Größen und Farben und Unmengen an Tieren. Dazwischen, gut versteckt, heiße Quellen, kristallklare Flüsse und Wasserfälle zum Baden.

Am Ende meiner Recherche stoße ich dann doch noch auf den Reise-Blog eines Backpackers. Viel steht auch da nicht drin, aber ich habe jetzt zumindest mal zwei Anhaltspunkte:

Ein alter Fischer, Juan Maria, hilft wo er nur kann – aka Touristeninfo UND Jacky, eine gutmütige Frau, die in einer Nachbarsgemeinde „Arusi“ Zimmer in ihrem Haus vermietet. Nur weiß ich nicht, ob und wie man diese Gemeinde erreichen kann…

Auf geht’s!

 

Randinfo: zwischen 20° und 31° Celsius, 88% -  95% Luftfeuchtigkeit; Windstärke 5 km/h, während eines Sturms 11 km/h

 

Am Ende kam natürlich alles anders als „geplant“. Ich habe weder Juan Maria noch Jacky getroffen und bin gar nicht bis nach Arusi vorgedrungen.

Stattdessen bin ich in einer von afrikanischen Sklaven abstammenden, liebenswürdigen Familie untergekommen und bin lediglich bis zum Nachbarsort „Termales“ gefahren.

Aber der Reihe nach:

 

Tag 1:

Am Flughafen in Medellin habe ich noch ein Reisebüro aufgesucht, in der Hoffnung, vllt doch noch ein paar hilfreiche Informationen über Nuqui, Arusi und seine Umgebung zu bekommen. Aber mehr als „das ist das Paradies auf Erden“ konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Zumindest haben sie mir nicht davon abgeraten, ohne Hotelreservierung zu fliegen. Kann also nicht allzu dramatisch werden.

In einem 16ner Passagierflugzeug geht es los. Über die Millionen Backsteindächer Medellins in 45 Minuten an die Regenwaldküste des Pazifiks. Es regnet leicht, als wir ankommen, aber das gehört in dieser Jahreszeit einfach dazu Dafür ist es Dank des Regens nicht allzu schwül und Moskitos bleiben auch fern.

Am „Flughafen“ in Nuqui –einer einfach Lagerhalle- werde ich von ein paar Burschen in Empfang genommen. Sie stellen sich als Guide zu Verfügung, um sich ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Allerdings gehen sie wie selbstverständlich mit dir mit, statt von dir darum gebeten zu werden.

So lande ich im Haus einer überaus netten Familie und habe ein Zimmer, dessen Wände nicht ganz ans Dach reichen, mit einem Doppelbett, Tisch und Moskitonetz. Wirklich simpel, aber lieber das und traditionell familiär, als eine dieser Eco-Lodges.

Nachmittags spaziere ich mit „meinem Guide“ durch den Ort. Viel reden tut er nicht, aber er fühlt sich verpflichtet für die umgerechnet zwei Euro, die ich ihm für seine Hilfe gegeben habe.

Hier in Nuqui spielt sich das Leben –wie in so vielen südamerikanischen Dörfern- auf der Straße ab. Frauen sitzen in Stühlen im Kreis, waschen hinterm Haus das Geschirr oder die Wäsche ab, Kinder spielen im Schlamm (vorliebend in weißen Kleidchen und Hemdchen) und Männer relaxen zusammen auf der Veranda. Ich laufe an einem Laden vorbei, der Obst, Gemüse, Plastikschüsseln und ein paar bunte Besen um das kleine Verkaufsfenster gestapelt hat. Zwischen den knalligen Farben lächeln mir ein paar weiße hübsche Zahnreihen in einem rundem, zufriedenem und faltenfreiem schokofarbenem Gesicht entgegen. Es ist einer dieser Momente, von denen man sofort ein Foto schießen möchte, eines dieser Bilder, die tatsächlich irgendwie die Stimmung der Umgebung, der Situation wiedergeben. Auch die vielen kleinen Kinder würde ich am liebsten alle festhalten. Aber aus irgendeinem Grund traue ich mich nicht zu fragen. Vielleicht, weil es einfach zu einzigartige Momente sind.

 

Nach einer Weile kommen wir in eine Straße –sie nennen es die Straße der Eingeborenen. Häuser sind aus Holz und auf Stelzen gebaut und zwischen den Hütten führen Stege entlang, zusammen genagelt aus morschen Brettern. Das ganze Viertel scheint auf dem Fluss gebaut zu sein, denn die Stelzen stehen mehr oder weniger im Wasser. Ich schieße hier und da ein paar Bilder, als mir plötzlich eine Frau mittleren Alters entgegen kommt, kurze Hose, abgelaufene Sandalen, ein Baby im Arm und einen knallgrünen Haargummi Made in China im Zopf. Doch sie trägt weder T-Shirt noch BH! Oben ohne spaziert sie so durch die Straßen, grüßt die Nachbarn und lächelt mir freundlich und interessiert zu. Ich lächle zurück, wende meinen Blick dann jedoch ab, zu verwirrt, zwischen all den Frauen in hübschen, westlichen Klamotten eine Eingeborene zu treffen, wie wir es uns nur aus Afrika vorstellen.

Die meisten Kolumbianer habe ich bisher als sehr europäisch empfunden, stammen doch auch hier viele von spanischen oder deutschen Familien ab. Nur dass sie im Gegensatz zu Großstädtern durch die Sonne braungebrannt sind.

In Nuqui scheinen sie alle afrikanischen Ursprungs zu sein und tatsächlich stammt die komplette Küstenbevölkerung Kolumbiens aus Afrika ab.

 

Abends sitze ich mit den Mädchen des Hauses auf der Veranda, sie sind meinen Alters (23), haben jedoch schon alle ein dreijähriges Kind. Wir unterhalten uns über die Unterschiede zwischen Deutschland und Kolumbien, oder besser gesagt zwischen Deutschland und Nuqui, denn selbst zwischen dem kleinen Dorf und dem Rest des Landes liegen Welten.

Heute Morgen bin ich noch Metro gefahren und habe die pechschwarzen Abgase der Stadtbusse verflucht, sitze ich jetzt in einem 8000 Seelen Dorf, das weitaus kleiner erscheint. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass hier viele Menschen auf engem Raum zusammen leben.

Es gibt im ganzen Dorf – laut meinem 16-jährigen Guide – zwei Autos, drei Mototaxis und neun private Mopeds. Einen Traktor habe ich am Straßenrand stehen sehen.

 

Was die Information anbelangt, was es in der Nähe zu sehen gibt, bin ich immer noch nicht wirklich schlauer. Ohne Mappe und Orientierung kann ich die ganzen wunderschönen Strände und Wasserfälle überhaupt nicht unterscheiden oder zuordnen, hört sich von den Einheimischen doch alles so logisch und simpel an…

 

Tag 2:

Mein Guide paddelt mich in einem wackligen Einbaumboot ein Stück den Fluss hinauf, wir baden im seichten Wasser und fahren wieder zurück. Morgen fahre ich in den Ort Arusi weiter, bei unserer Verabschiedung sagt er mir: „Zeig deinen Freunden dort draußen die Bilder und erzähle Ihnen von dem tollen Ort hier und kommt im August zurück, dann kann ich euch zu den Walen raus bringen.“ Er sagt das mit einer Selbstverständlichkeit, als ob ich im Nachbarort nur 20 Minuten weiter entfernt leben würde. „Und bring alle deine Freunde mit!“

Es scheint mir, als würde er nicht verstehen, wie wunderbar geheimnisvoll und magisch sein zu Hause ist und dass man alles daran setzen sollte, den Massentourismus möglichst lange entfernt zu halten. Aber wie soll man das einem 16-Jährigen erklären, der von eben diesen Touristen von schnellen Autos, hohen Häusern, Einkaufszentren voller Sportartikel, Fußballarenen und den neuesten Handys zu hören bekommt? Natürlich ist es sein Traum, diese große Welt kennen zu lernen. (Wessen Traum ist das nicht?) Aber das kann er nur, wenn er hier gut verdient.

Ich schimpfe quasi über mich selber. Aber es gibt Orte, die werden -auf lange Zeit gesehen- von Touristen zerstört, statt unterstützt. Um diesen Ort so zu halten, wie er ist, müsste man meiner Meinung nach den Einflug von Touristen verbieten…

Ich erzähle ihm noch, dass selbst für uns Ausländer eine Reise hierher nicht recht günstig ist. Ich kläre ihn über die hohen Flugkosten von Europa nach Kolumbien auf und darüber, dass wir zwar – im Vergleich gesehen – viel mehr verdienen, aber auch höhere Lebenskosten haben. Er macht große Augen, aber ob er es wirklich versteht, bezweifle ich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass er davon ausgeht –oder es ihm so beigebracht würde- dass alle Touristen die Taschen voller Geld haben.

In gewisser Weise stimmt das ja auch, aber deswegen schmeißen wir noch lange nicht damit um uns.

 

Ein Kolumbianer hat mir mal Folgendes erklärt: Es gibt einen Ort. Klein, traditionell, friedlich, schön gelegen, aber gut versteckt. Ein Ort, in dem sich Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. Die ersten Touristen lassen es den Einheimischen gut gehen, sie bringen Geld in die Familien. Doch irgendwann kommen Ausländer, die Grundstücke kaufen, Hotels und Restaurants bauen, internationales und damit mehrsprachiges Personal einstellen und so noch mehr Touristen anziehen. Diese kommen mit ihren Computern, Handys, High-Tech-Kameras und wertvollen Armbanduren. Zuvor hat all das niemand in dem bisher so friedlichem Dorf gebraucht, doch vor allem lokale Jugendliche werden neugierig, wollen all den Schnick-Schnack auch haben, können es sich aber nicht leisten und fangen zu stehlen an. So werden nach und nach aus friedlichen Paradiesen abgestumpfte Touristenhochburgen, deren Erträge in die Taschen der europäischen Hotels geht, statt in die eingeborenen Familien.

So kommt es dann auch, dass die Zentren eines jeden Dorfes oder einer jeden Stadt schön gepflegt sind und als sicher gelten; sobald man jedoch außerhalb dieser Viertel kommt, reihen sich Armut an Alkohol und Drogen und Diebstähle liegen an der Tagesordnung.

Letztere sind in Kolumbien trotz der verbesserten Sicherheitslage noch immer keine Seltenheit. In fast jedem Hostel, in dem ich untergekommen bin, wurden pro Woche ein bis zwei, manchmal sogar drei oder vier Gruppen auf der Straße überfallen und ausgeraubt. Teilweise wurden sie sogar mit Messern bedroht.

 

Tag 3:

Mein Boot nach Arusi bringt mich nur bis nach Termales, eine Häuserreihe direkt am Strand ein Stückchen vor Arusi. Schon der Strand und der angrenzende Dschungel sind atemberaubend schön. Kilometer über Kilometer dunkelbrauner Sand, dahinter mischen sich Kokosnusspalmen mit Bananenstauden, Mangrovenbäumen, meterhohen Gräsern, Lianen und einer Vielzahl an unterschiedlichsten Blattbäumen. Und noch weiter dahinter erheben sich  erst kleine und dann immer höher werdende Berge, bedeckt von dichtem Regenwald.

All das strahlt in einem sagenhaften kräftigen Grün. Hier und da liegen unter den Palmen ein paar Einbaumboote, aber das war‘s auch schon. Der Strand ist menschenleer. Ich laufe ein Stück in Richtung eines im Meer liegenden, dicht bewachsenen Berges – sie nennen es den Terco- und höre links das Rauschen der Wellen und rechts das ebenso laute Zirpen, Zwitschern und Kreischen des Dschungels. Es ist unglaublich! Etwas, das man in Worten nicht beschreiben kann.

Nach einer Weile komme ich an besagtem Berg an und will eigentlich schon wieder umdrehen, als ich auf der zum Strand gewandten Seite einen Eingang entdecke. Zwischen den dichten Bäumen führen ein paar morsche und mit Moos bewachsene Treppen nach oben. Drei Meter weit kann ich sehen, wo sie hinführen, dann verschwimmt alles zu einem Mix aus Grün und Braun. Ich trete näher heran und begutachte die Treppe. Das Geländer, mit Seilen von Pfosten zu Pfosten gebunden, ist überwuchert von Moos und an einigen Stellen wachsen sogar kleine Pflanzen heraus! Die Stufen durchnässt von der Feuchtigkeit, teilweise entzwei gespalten und an den Rändern moosverhangen. Ich bin neugierig und wage die ersten Stufen barfuß wie ich bin nach oben. Ich passe auf, wo ich hintrete und hänge mir mein Strandtuch über den Kopf. Wer weiß, was hier so alles von den Bäumen fällt.

An der letzten Stufe angekommen stehe ich neben einem halb zerfallenen Haus, dessen Fenster mit Brettern zugenagelt sind. Vor mir beginnt eine schmale Brücke und endet vor einer nächsten Treppe. Weiter oben sehe ich ein paar ehemals blaue, aber nun mit Kletterpflanzen zu gewucherte Wassertanks. Um mich herum zirpt und zwitschert es und hier und da sehe ich kleine Mückenschwärme in der Luft umherkreisen. Ich überlege, ob ich weiter soll, nur noch die eine Treppe hinauf. Nicht, dass ich irgendwo einbreche oder gar noch privates Grundstück betrete. Diese Region soll stellenweise noch von Guerilla besetzt sein…

Ich komme mir wie das Team aus Jurassic Park vor, die in irgendeinem Teil auf eine verlassene Forschungsstation treffen. Hier war mal Leben, in gewisser Weise gibt es das immer noch und alles ist einfach krass zu gewuchert.

Selbstverständlich siegt die Neugier, ich laufe langsam über die Holzbrücke und Stufe für Stufe die Treppe nach oben. Es folgt eine Zweite und eine Dritte, Laternen und Duschen am Wegesrand lassen mich stark vermuten, dass es sich um ein privates und vor allem aktives Grundstück handelt. Ich gehe trotzdem weiter, schließlich sind wir hier in happy Kolumbien und nicht stinky Deutschland.

Ich zerschlage ein Spinnennetz, hüpfe über Krebse und Riesenameisen und steige ab und an über wirklich nicht vertrauenswürdige, einbruchsgefährdete Stufen.

Oben angekommen sehe ich eine Familie auf der Veranda eines mittelgroßen Holzpavillions sitzen. Ich frage sie höflich und schüchtern, ob es verboten ist, hier hoch zu laufen – aber nein, „Nur zu! Komm, setz dich, ruh dich aus!“ Ich nehme das Angebot danken an, setze mich und drehe dabei mein Gesicht das erste Mal Richtung Abhang des kleinen Berges. Ich traue meinen Augen nicht: Von der Veranda hat man einen unglaublichen Blick auf den kilometerlangen Sandstrand und seinen dahinter wachsenden Urwald. Wahnsinn! Viel zu schön! Bei Sonnenuntergang muss es einer der wundervollsten Ausblicke der Welt sein.

Ich schieße ein Foto, verabschiede und bedanke mich und laufe zurück. Bevor die Flut einsetzt, das Meer dann direkt an den Palmenrand grenzt und so der Strand für ein paar Stunden im Pazifik verschwindet…

 

Tag?:

Termales. Der Ort hat um die 230 Einwohner, davon knapp 60 Kinder. Strom gibt es vier Stunden am Tag, von 18:30 Uhr bis 22:30 Uhr. Manche Familien haben noch einen eigenen kleinen Generator, um im Notfall Strom zu haben. Aber das sind wohl nur solche, die Touristenunterkünfte anbieten.

Hier in Termales hört man nur das Rauschen der Wellen, die Stimmen des Dschungels und ab und an ein paar Kinder auf dem Weg, der alle Häuser des Dorfes miteinander verbindet, spielen. Keine Motoren, kein Gehupe, keine Musik, keine großen Menschenmassen, nicht einmal die Glocke des Eismanns (wie auch Eis ohne Strom?)

Manchmal ist es so still, dass selbst die Einwohner sich wundern und meinen „jetzt halten alle 230 zusammen Mittagsschlaf“ Dann scheinen sich nicht einmal die Blätter der Bäume zu bewegen.

Dort, wo ich für ein paar Tage unter komme, gibt es einen Fernseher, um den sich abends das halbe Dorf versammelt und mehr oder weniger alte Filme auf den paar Kanälen schaut. Da tratschen dann sogar die Männer über die vierte Scheidung irgendeines Promis.

 

Die Frau des Hauses, Gabriele glaube ich, putzt, wäscht, kocht, versorgt die Gäste und ist von Montag bis Freitag jeden Vormittag in der kleinen Dorfschule und unterrichtet die paar Kinder in den Grundlegenden Themen. Und ihr Mann? Der redet viel Unsinn den lieben langen Tag, geht an und wann Fischen und begleitet die Touristen auf einen Spaziergang in den Dschungel. Eine Aufteilung, die sich eine moderne europäische Frau wohl nicht gefallen lassen würde. Andere leben in den Tag hinein, haben Familie in allen Ecken Kolumbiens und arbeiten mal hier und mal da und kommen nach Termales zurück, um sich vom Großstadtdschungel zu erholen und ein paar Tage zu entspannen. Wie sie das finanziell machen, weiß ich nicht, denn die Anreise ist weder einfach noch günstig.

 

 

Wenn es regnet im Chocó, dann scheint die Zeit stehen zu bleiben. Man möge meinen, dass hier, wo es fast täglich regnet, das Leben dann weiter geht, die Leute ihre Regenschirme zücken oder weiterarbeiten, als hätte sich nichts verändert. Aber nein, wenn es regnet, dann verkriechen sich alle Familien im Haus, räumen auf, waschen ab oder setzen sich vor den Fernseher. Selbst Katzen und Hühner verschanzen sich dann unter dem schützendem Vordach des Hauses. Dann werden die Stühle des Tante-Emma-Ladens reingestellt und der Verkäufer macht es sich hinter dem Tresen gemütlich, blickt träumend in die unendlichen Regentropfen und wartet geduldig und mit einem zufriedenem Lächeln auf das Ende des Regenschauers.

 

Hier im Chocó – so sagt man – leben die reichsten Kolumbianer; selbst die Eingeborenen, die Indigenen, wären reicher als so mancher Städter aus Bogotá oder der Karibikküste. Denn hier gibt es viel fruchtbares Land und fast jede Familie besitzt ein Grundstück, dass es mit Vieh oder Ackerbau bestellt.

Hier bei den von afrikanischen Sklaven abstammenden Familien beobachte ich eine für mich sehr eigenartige Familienaufteilung. Meistens werden die Männer bekocht und ihnen hinterhergeräumt. Was heißt meistens. Eigentlich immer. Die Frau setzt sich zum Abendessen dann abseits des Tisches, oder isst auf einem Hocker in der Küche. Anderorts müssen Schulkinder nach der Schule die Küche aufräumen, Wäsche waschen und kochen, während die Hausfrau vorm Fernseher sitzt. Kinder werden in der Öffentlichkeit selten geküsst oder umarmt. Und einem Paar sieht man nicht an, dass es sich um eines handelt. Manchmal gehen sie sogar richtig forsch miteinander um.

 

Ich saß in einem Boot, als 100 Meter weiter plötzlich Delfine auftauchten. Die etwa 24-jährige Einheimische frägt aufgeregt „oh mein Gott, was werden das wohl für Fische sein?!?!“ „Delfine“, antworte ich ihr. Vielleicht ein bisschen zu voreilig und unüberlegt. Welcher Einheimische lässt sich schon gerne von einem Ausländer über sein eigenes Land belehren? Das wäre, als würde ein Japaner einem Bayern was übers Bierbrauen aufschwatzen wollen…

12.3.14 06:06
 



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