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Itchy Feet

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Die Schokolüge. Warum Kolumbien Rekordexporteur ist, aber ohne Schokolade leben muss

Ich befinde mich auf 300 Metern über dem Meeresspiegel auf einer schattigen, kühlen Kakaofarm an der sonst so tropischen Karibikküste. Schon immer wollte ich wissen, in welchen Schritten meine Kinderriegel und Schokobons ins Regal gelangen.

Wir starten unsere Tour mit der Überraschung, dass man die Bohnen einer reifen Kakaofrucht essen kann. Sie schmecken gut, sehr gut sogar. Zuckersüß, aber bei weitem noch nicht nach Schokolade.

Ich frage, warum Kolumbien den besten Kakao weltweit produziert, in den Supermärkten vor Ort jedoch nur Schokolade aus dem Ausland zu finden ist (Lindt, Kinder, Ferrero etc.). „Europa, Japan und die USA sind so verrückt nach unserem Kakao, da bleibt für uns fast nichts übrig!“

„Fast“ ist gut gemeint. Weder auf den Straßen, noch auf Märkten findet man Schokolade aus echtem Kakao.

 

Mit dem Kakao ist es fast wie mit dem Kaffee, die Früchte werden geerntet, Bohnen ausgelesen, getrocknet, geröstet und anschließend gemahlen. Und tatsächlich bekommt die Kakaobohne, wie auch die Kaffeebohne ihren kakaoigen Geschmack erst während des Röstens über offenem Feuer.

 

Der edelste und teuerste Kakao ist der der weißen Kakaobohne. „Weißer Kakao ist viermal so teuer wie dunkler“, erklärt uns Maria, die Besitzerin der Kakaofarm.

„Und warum kostet dann die Tafel weiße Schokolade im Supermarkt genauso viel wie die dunkle?“, frage ich. „Weil in dieser Billigschokolade kaum echter Kakao steckt. Ein bisschen Kakaobutter vielleicht. Da handelt es sich um eine Mischung aus Zucker, Milch, Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen. Mit Schokolade hat das eigentlich nichts zu tun.“

In mir bricht eine Welt zusammen; Milka, Ritter Sport oder Kinder soll gar keine Schokolade sein? Ich bin süchtig danach, für „Schokolade“ würde ich alles tun.

Das Problem: Die Schokolade aus richtigem Kakao ist mir zu bitter.

 

Während wir unsere Tour beenden, grüble und grüble ich, wie man mir jahrelang einen Bären aufgebunden hat.  Zum Abschluss gibt es noch eine Tasse echte heiße Schokolade mit (zum Glück) viel Zucker und eine Tüte mit echten Schokoriegeln. Auch hier wurde genug Zucker unter gemischt, um den herben Geschmack zu überdecken.

Und was man allgemein von Schokolade behauptet, trifft bei dieser bio-handmade-Schokolade tatsächlich zu. Sie macht glücklich. Wir fühlen uns gut, sind bereit, die höchsten Berge zu besteigen und fühlen uns ein bisschen wie auf verrückten Drogen. Wir albern herum, lachen und könnten Bäume entwurzeln.

„Es sind die Vitamine der Kakaobohne, die dem Körper für kurze Zeit so viel Energie und Lebensfreude geben“, erklärt uns Maria zum Abschied.

 

Gut gelaunt machen wir uns auf den Rückweg und ich überlege, ab sofort keine Fake-Schokolade aka „die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt“ mehr zu kaufen, aber bereits der Gedanke daran klingt lächerlich und die Idee wird verworfen, bevor sie noch richtig entstanden ist. Denn wer mich kennt, der weiß, dass ich es ohne dieses Zucker-Milch-Gemisch keinen Tag aushalten würde… ;-)

 

Später forsche ich im Internet und tatsächlich enthält unsere Billigschokolade  2,5% oder weniger Kako. Und dieser Kakao kommt von Farmen, deren Arbeiter abgezockt, schlecht behandelt und ungenügend bezahlt werden. Kinder arbeiten sowieso mit für diesen Kakao.

Nun verarbeitet also zum Beispiel Ferrero diesen billig gekauften Kakao und exportiert seine Produkte wieder nach Kolumbien. Die Menschen dort unterstützen also die Abzocke und menschenunwürdige Behandlung der eigenen Landsleute.Aber was bleibt Ihnen anderes übrig? Der Großteil der Kakaoernten geht eben direkt ins Ausland...

Ich werde meinen Plan, weiterhin Discounterschokolade zu kaufen, wohl nochmal überdenken müssen

20.3.14 03:51
 



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